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Fiesta Morose - Dancing days

Fiesta Morose- Dancing days

Stargazer / Broken Silence
VÖ: 24.02.2017

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Unter freiem Himmel

Zum Zeitpunkt der Entstehung dieser Rezension hat die schwedische Band Fiesta Morose handgezählte 145 Fans bei Facebook. Weniger also, als jedes skandinavische Fischerdorf Einwohner. Oder als die eigenen Eltern Kontakte in besagtem sozialen Netzwerk. Auf der anderen Seite sollte einem so etwas ja vollkommen wurscht sein, nur sticht dieser Umstand, diese kümmerlich kleine Zahl, eben ins Auge. An der Musik kann dies indes schon mal gar nicht liegen: Fiesta Morose ist das neue Schätzchen von Andreas Olrog, der zuvor schon als Frontmann von Golden Kanine fleißig kleine Bühnen bespielte. Doch klein und niedlich klingt auf dem Debüt seiner neuen Band rein gar nichts: Fiesta Morose spielen großzügig arrangierten, ausladenden Indierock, mit viel Schmalz auf der Stimme und wunderbaren Melodien, die schon jetzt nach lauen Sommernächten unter freiem Himmel schmecken. Und dies wird gleich zu Beginn recht deutlich.

Der Opener und Titeltrack "Dancing days" erfreut sich an Glockenspiel und zwielichtgetränkter Melancholie, die Gitarre setzt dazu atmosphärische Akzente, Streicher verleihen dem Song eine gewisse, nie jedoch übertriebene Opulenz. Fiesta Morose beherrschen Eleganz und Finesse, hier, direkt zu Beginn wie auch im späteren Verlauf: Ihre Kompositionen sind orchestral und einfallsreich, variieren Stimmungen und Eindrücke, oszillieren selbstbewusst zwischen den emotionalen Polen. Auch das folgende "The worst" bekommt reichlich Streicherunterstützung, wird dadurch zur edelbitteren Halbballade und dürfte jedem Freund von Frightened Rabbit und Konsorten ans Herz gehen. Mit "Silver lightning" ziehen die Schweden das Tempo an, visieren den whiskeyseligen Sound von Bands wie The Hold Steady an, nicht jedoch ohne dem Ganzen eine eigene Note zu geben. Es ist eine Freude, Olrog und seinen Leuten dabei zuzuhören, mit welcher Leidenschaft sie ihre Songs ausformulieren, ihnen Raum zur Entfaltung geben, ganz egal, ob sie am Ende klassischen Indie-Rock, erdigen Folk oder wehmütigen Blues in den Händen halten. Dass in ihrem Kosmos auch Platz für noisige Passagen ist, beweisen sie mit dem sechseinhalbminütigen "The race", das gen Ende befreit losrumpeln darf.

Fiesta Morose schaffen es meisterhaft jedem Stück eine eigene Identität auf den Leib zu schneidern, jede Sekunde mit Leben zu füllen. "Break" wird so zum traurig-schönen Ruhepol dieses brodelnden, randvollen Albums, während das windschief gezimmerte "Belong" in seiner hibbeligen Tanzbarkeit sämtliche Gliedmaßen kunstvoll verknoten dürfte. Im dunkel schimmernden "Pin on a map" kommen dann einige Schlüsselqualitäten der Schweden auf einmal zum Tragen: Vor einer stimmungsvollen Soundkulisse baut sich allmählich eine unwillkürliche Spannung auf, die sich während der vier Minuten nie ganz entlädt. Olrogs Stimme steht im Mittelpunkt, erzählt von Orientierungslosigkeit und Sinnsuche. Man nimmt ihr jedes Zweifeln, jedes Zaudern ab. "The whole truth" wiegt anschließend in einen traumhaften Halbschlaf, eine Melodica singt ihr melancholisches Lied, die Akustikgitarre wird bis zum süßen Exzess am Ende gequält. Der Hörer indes sinkt ein, taucht ab, wird eins. Mit "Dancing days", dem Album einer Band, die momentan noch weniger Fans hat als ein skandinavisches Fischerdorf Einwohner. Ein Umstand, der sich hoffentlich bald ändert.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Dancing days
  • Silver lightning
  • Pin on a map
  • The race

Tracklist

  1. Dancing days
  2. The worst
  3. Silver lightning
  4. Was blue
  5. Break
  6. Belong
  7. Pin on a map
  8. Brothers
  9. The whole truth
  10. The race

Gesamtspielzeit: 40:11 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 7820

Registriert seit 07.06.2013

2017-03-22 15:04:20 Uhr
Mag es auch. Schöner Geheimtipp (leider).

BadaBing

Postings: 39

Registriert seit 27.06.2013

2017-03-20 08:08:05 Uhr
Gefällt mir außerordentlich gut. Ein Album ohne ein einziges schwächeres Lied.

Golden Kanine werde ich mir nach den Empfehlungene hier demnächst auch mal reinziehen.
Renvo77
2017-03-16 16:15:03 Uhr
Ein gelungenes Werk! Einfach blind gekauft und siehe da, der Geschmack der Plattentester trifft auch meinen. Danke dafür!

dreckskerl

Postings: 337

Registriert seit 09.12.2014

2017-03-12 11:08:23 Uhr
Tolles Album!
Habe für unter 10 euro Karten fürs Konzert.
Freu mich sehr.
Über diese Empfehlung auf Golden Kanine aufmerksam geworden,auch großartige Musik.

dreckskerl

Postings: 337

Registriert seit 09.12.2014

2017-03-04 15:05:43 Uhr
Auch mir gefällt das Album immer besser.
Das ist so rund, so stimmig...daher denke und hoffe ich, dass es eher noch wächst und am Ende des Jahres weit oben in meinem ranking stehen könnte.
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