Soundtrack - Fifty shades of Grey: Gefährliche Liebe

Soundtrack- Fifty shades of Grey: Gefährliche Liebe

Republic / Universal
VÖ: 10.02.2017

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

Noch mehr Kabelbinder!

Auf weiche Ziele einzudreschen, ist nicht die nobelste Geste. Aber wenn es um die Buchreihe "Fifty shades of Grey" geht, lässt sich schlichtweg kein gutes Haar finden an dieser durchkalkulierten und biederen Soft-SM-Fantasie, die ursprünglich von Autorin E. L. James als "Twilight"-Fanfiction startete und nach ein paar flotten Namensänderungen und Vampirentfernungen in Romanform auf die Leserschaft losgelassen wurde. Bei dieser Entstehungsgeschichte verwundert der hölzerne, einfallslose Schreibstil auch nicht. Man fragt sich eben nur, wer sowas mit Freude und Überzeugung liest? Die am Boden festgetackerte Messleiste übersprang wenigstens der erste unvermeidliche Kinofilm – nicht gut, aber auch nicht katastrophal. Und nun, da Teil zwei auf Zelluloid gebannt wurde, folgt wie beim Vorgänger selbstverständlich auch der dazugehörige, star-bepackte Soundtrack. Der Originaltitel "Fifty shades darker" wurde für das scheinbar als strunzdumm geltende deutsche Publikum mit einem entsetzlich nichtssagenden Untertitel zu "Fifty shades of Grey: Gefährliche Liebe" entstellt.

Der Promotext verspricht nicht zu Unrecht, dass die auf dem Album wartende Musik "100% zeitgenössisch" sei. Der Titelsong "I don't wanna live forever" präsentiert nun immerhin ein Duett zwischen Zayn Malik und Taylor Swift. Lustigerweise bewegt sich der Ex-OneDirection-Beau mit einer Art Prince-Imitation stimmlich noch über Kollegin Swift. Ehrensache natürlich, dass die mit exzellent brummendem Bass ausgestattete, bombastische Halbballade ihren Zweck erfüllt – Blockbuster-Musik fürs Blockbuster-Kino eben. Und weil das Prinzip einmal so gut hinhaut, bewegen sich auch gleich die anschließenden Beiträge von Halsey, JRY und Tove Lo zwischen dramatischen Streichern, flehendem Gesang und dem großen Beat absolut nah am Zeitgeist. Wie mit Kabelbinder dran befestigt.

Ein lustiger Gedanke, wäre auf dem Soundtrack wirklich etwas untergekommen, das zum Thema Machtspiele und abseitige Erotik einiges zu sagen hat. Warum nicht mal "Closer" von Nine Inch Nails? Am Ende bleibt es natürlich kongruent: Der Film bemüht sich schließlich höchstselbst, jegliche Kanten abzuschleifen, bis die junge Damenschaft den Film mit ihren Müttern ansehen könnte. Ausgerechnet ein Ex-Purity-Ring-Träger sorgt da für verhältnismäßig schlüpfrige Zeilen. "You'll play the front, I'll be the back" lässt Nick Jonas (ehemals, logo, von den Jonas Brothers) im ziemlich blöden "Bom bidi bom" verlauten – sozusagen die FSK-12-Variante von "I wanna fuck you like an animal." Das vorhandene Talent von Nicki Minaj wird hier ein weiteres Mal für anspruchslose 08/15-Parts verschwendet.

Anderweitig finden sich im Old-meets-New-School-Soul-Bereich gelungene Beiträge von Toulouse und The-Dream, ersterer mit einer hübsch surrenden E-Gitarre, letzterer mit der vielleicht virtuosesten Vocal-Performance auf dem Soundtrack. Sia zementiert mit der sehr kitschigen und pompösen, aber trotzdem gelungenen Ballade "Helium", warum sie eine der gefragtesten Songwriterinnen der Zeit ist. Und Altmeister Danny Elfman durfte am Ende zwei schöne Instrumentals aus seinem Score unterbringen. Dies täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass vor allem in der hinteren Hälfte sehr viele zahnlose Songs an den Standard gefesselt sind und ein paar energischere Klapse auf den Hintern anhand der längeren Durststrecken willkommen gewesen wären. Dafür sind sowohl Soundtrack als auch Film jedoch weiterhin zu familienfreundlich gestaltet.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • I don't wanna live forever (Fifty shades darker) (Zayn & Taylor Swift)
  • No running from me (Toulouse)
  • Code blue (The-Dream)
  • Helium (Sia)
  • On his knees (Danny Elfman)

Tracklist

  1. I don't wanna live forever (Fifty shades darker) (Zayn & Taylor Swift)
  2. Not afraid anymore (Halsey)
  3. Pray (JRY feat. Rooty)
  4. Lies in the dark (Tove Lo)
  5. No running from me (Toulouse)
  6. One woman man (John Legend)
  7. Code blue (The-Dream)
  8. Bom bidi bom (Nick Jonas & Nicki Minaj)
  9. Helium (Sia)
  10. Cruise (Kygo feat. Andrew Jackson)
  11. The scientist (Corinne Bailey Rae)
  12. They can't take that away from me (José James)
  13. Birthday (JP Cooper)
  14. I need a good one (The Avener feat. Mark Asari)
  15. Empty pack of cigarettes (Joseph Angel)
  16. What would it take (Anderson East)
  17. What is love? (Frances)
  18. On his knees (Danny Elfman)
  19. Making it real (Danny Elfman)

Gesamtspielzeit: 67:39 min.

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Armin

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2017-02-22 21:19:06 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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