Bela B feat. Peta Devlin & Smokestack Lightnin' - Bastard

Bela B feat. Peta Devlin & Smokestack Lightnin'- Bastard

B-Sploitation / Rough Trade
VÖ: 17.02.2017

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Labbrige Spaghetti-Western

Es ist eigentlich nur konsequent: Nachdem der hauptberufliche Ärzte-Schlagzeuger Dirk "Bela B" Felsenheimer auf seinem dritten Soloalbum "Bye" schon stellenweise Pferdemist und Saloon-Atmosphäre schnupperte, taucht der Nachfolger mitten rein in den wilden Westen. Eine schnöde Aneinanderreihung von Songs ist dabei lange nicht genug – "Bastard" ist mit Spoken-Word-Überleitungen versehen, die eine Geschichte in die Stücke einweben sollen. Nicht nur sind die Begleitband Smokestack Lightnin' und Peta Devlin als weiblicher Gesangs-Counterpart wieder mit von der Partie, kein geringerer als Western-Synchronsprecher Rainer Brandt verdingt sich als Erzähler zwischen den Songs. Da passt es, dass sich Bela B mit Sartana eine Hauptfigur aus einem Film der Siebzigerjahre als Alter Ego gekrallt hat, bei dessen deutscher Fassung Brandt damals mitgewirkt hatte. Sartana – das ist übrigens kein Lockenkopf mit gniedelnder Latino-Gitarre, sondern ein, naja, waschechter "Drecksack", wie Felsenheimer ihn beschreibt.

Dass auf "Bastard" sowieso alles nicht ganz sauber läuft, wird nach der instrumentalen Einleitung in "Der Dreck von Indian Creek" klargemacht. "Die Küsse der Frauen schmecken nach Teer / Hier wäscht sich seit Jahrzehnten keiner mehr." Dennoch riecht das Ganze nach Hit oder mindestens nach einem gelungenen Auftakt. Trotz des originalgetreuen Anspruchs wird aber stets mit einem Charles-Bronson-Auge auf den nächsten Witz geschaut. "Der Humor ist schwarz und dreckig und megaversaut." Naja. In der Folge ist er oft eher hölzern und platt. "Warum denn kein Chop Suey" fährt müde zweifelhafte Chinesen-Klischees auf der Draisine umher, "Das schwache Geschlecht" will dagegen irgendwie für Frauen im wilden Westen Partei ergreifen, versinkt aber zwischen Altbackenheit und Unlustigkeit.

Musikalisch ist selbstverständlich alles im Cowboy-Stil gehalten. Wie sollte es auch anders sein? Klimperndes Piano, dengelnde Gitarren und jede Menge Morricone-Imitationen – hier liegen die Klischees zum Mitnehmen am Grabbeltisch bereit. In den besseren Momenten ergibt das eine zwischen spannungsgeladener Strophe und überraschendem Pop-Refrain pendelnde gute Tat wie "Noch warm und schon Sand drauf", übrigens der hübsch trashige Untertitel des Sartana-Films. In "Zuhaus" klingt es leider mehr danach, als hätte man die Shanty-Ungeheuer Santiano in der amerikanischen Wüste stranden lassen (kein schlechter Gedanke eigentlich). Schauer ob der unangenehmen Ladung Pathos fahren den Rücken herunter. Und da ist noch die unsinnige "Ode an das Bahnhofskino", die beweist, dass "lustig gemeint" eben auch das Gegenteil von "lustig" ist. "Das ist nur ein Test, Baby" – hey, und das hier nur ein Plattentest. Ha. Ha.

Wie ein besoffener Cowboy am Ausgang des Saloons schwankt "Bastard" hin und her: zwischen Hommage und Parodie, zwischen Hörspiel und Musical, zwischen eingängig und nervig. Die unausgereiften Songs erinnern zu oft an Pseudo-Pistolenschwinger wie The BossHoss, die Story ist nicht der Rede wert und alles in allem wirken die trashigen, aber auch ungeschickten Anspielungen und Dialoge zwar auf gewisse Art sympathisch, laden aber nie zum wiederholten Hören ein. Ebenso der konstruierte Twist in "Einer bleibt liegen" – dooferweise auch noch spoilernd als Single ausgekoppelt – in welchem sich der Protagonist wieder mit Alltagsplagen und laktosefreier Milch herumschlagen darf. Mit dem eigentlich sehr hübschen Duett "Bärenjagd" wird im Anschluss der rote Faden noch einmal unnötig gedehnt. Bela B hat sich mit dem Anspruch verzettelt, seinen eigenen Italo-Western auf Platte zu bannen und in Musik zu formen. Ein "Bastard" ist diese Platte fürwahr: nichts Halbes, nichts Ganzes.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Der Dreck von Indian Creek
  • Noch warm und schon Sand drauf
  • Bärenjagd

Tracklist

  1. Sartana Thema (feat. Rainer Brandt)
  2. Der Dreck von Indian Creek
  3. Neulich in Lee Tse Tungs Gambling House (Sartana, Pigott, Lee Tse Tung)
  4. Warum denn kein Chop Suey
  5. Sehe ich denn so hilfsbedürftig aus, Mister? (Jasmine, Sartana)
  6. Das schwache Geschlecht
  7. Zuhaus
  8. Im staubigen Staub der Staubwüste (feat. Rainer Brandt)
  9. Showdown
  10. Ode an das Bahnhofskino
  11. Sartana trifft die Pigott-Brüder (feat. Rainer Brandt, Sartana & Die Gebrüder Pigott)
  12. Noch warm und schon Sand drauf
  13. Missgeschick & Blei
  14. Einer bleibt liegen
  15. Halt, halt... stop! (feat. Peta Devlin)
  16. Bärenjagd
  17. Au Repertoire (feat. Jasmine & Sartana)

Gesamtspielzeit: 39:20 min.

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User Beitrag

False Flac

Postings: 131

Registriert seit 19.01.2017

2017-02-25 23:17:03 Uhr
Ich finde, das Album ist ein Achtungserfolg. Es hat tatsächlich den ein oder anderen guten Song. "Noch warm und schon Sand drauf" ist schon fast ein Hit. Wann war das bei Bela das letzte mal der Fall?

Toxic Toast

Postings: 37

Registriert seit 05.09.2016

2017-02-25 23:08:50 Uhr
Irgendwie liest sich die Rezi so, als ob der Rezensent nicht so recht verstanden hat, worum es sich bei dem Album handelt?

Die Platte ist kein Hörspiel, sondern nur der erweiterte Soundtrack zu einem Hörspiel (nämlich dem genannten "Sartana"). Die "Spoken-Word-Überleitungen" sind einfach nur kurze Ausschnitte daraus. Das ist auf Soundtracks nicht ungewöhnlich, siehe z.B. Pulp Fiction. Deshalb hat aber Bastard als Album aber noch lange keine "Story", die man irgendwie kritisieren könnte - besonders lächerlich ist es, zu behaupten, "Einer Bleibt Liegen" würde als Single irgendwie die Storyline des Albums spoilern - welche sollte das denn sein? Nochmal: Das Hörspiel Sartana hat eine Handlung, aber nicht dieses Album. Bastard ist nur eine Sammlung von Songs, die musikalisch und thematisch was mit Western zu tun haben, sonst nix.

Der legendäre Rainer Brandt ist übrigens auch mehr als nur ein "Western-Synchronsprecher" - bitte gründlicher googlen das nächste mal.
Bester Satz der Rezi
2017-02-23 14:26:34 Uhr
In "Zuhaus" klingt es leider mehr danach, als hätte man die Shanty-Ungeheuer Santiano in der amerikanischen Wüste stranden lassen (kein schlechter Gedanke eigentlich).
Hellopa
2017-02-23 13:56:20 Uhr
Schwaches Teil. Der Graf hat leider wirklich fertig.
Kritik-Er
2017-02-22 23:43:25 Uhr
Herr Felsenheimer hat seit Jahrzehnten einen Kultstatus erreicht und macht, was ihm gefällt. Die Platte ist ein kurzer Zusammenschnitt seines Bühnehörspiels. Und kein wirkliches Bela B. Album. Tipp von mir: vorher beim Plattendealer Probe hören und warten, bis es zum Ramschpreis verkauft wird. Null Punkte.
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