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Leif Vollebekk - Twin solitude

Leif Vollebekk- Twin solitude

Secret City / Rough Trade
VÖ: 24.02.2017

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

The little things

Leif Vollebekk kreist seit seinem Debüt "Inland" in Songs um Orte und findet in Orten seine Songs. Man müsste sich mal die Mühe machen, kleine Pins in eine Weltkarte zu stechen. Klaksvik bekäme einen. Und Paris. Die Stadt der Liebe nutzte er als Entrée für die Beschreibung einer dysfunktionalen Beziehung in "You couldn't lie to me in Paris". Vollebekks formidabler Zweitling "North Americana" trug den "Cairo blues" in die Welt und "Vancouver time", der Opener auf "Twin solitude", springt in der Setting-Map zwischen "West London alleyways" und "L.A." hin und her, orientiert sich "Pacific Northwest on a southbound train" und landet doch in seiner Heimat Kanada.

"All night Sedans", einer von drei vorab veröffentlichten Songs aus seinem dritten Werk, kommt mit der Beschreibung "Jeder kleine Moment zählt" daher. Dieser abgedroschene Spruch von Abreißkalendern und Facebook-Pinnwänden der Nation bezieht sich eigentlich auf die Inspiration für das Stück, auf das Tourleben, auf Augenblicke und Nebensächlichkeiten, wenn sogar aus passierten Highway-Schildern Lyrikskizzen erwachsen. Aber der Spruch birgt für diese wunderbare Platte viel mehr an Wahrheit. Wer sich in den Pianotönen von "Elegy" verlieren konnte, weiß um die eigene Wachsamkeit für die kleinen Geschehnisse links und rechts des metronomisch akkuraten Rhythmus, für die spartanischen Streicher und den Dialog zwischen Vollebekks Aufforderung "Take a look at me now" und den E-Bass, der ihm zu entgegnen scheint: "Was gibt's denn?"

Indem seine Stücke wenig Akkordwechsel bereithalten und einem Grundgerüst vertrauen, lenkt Vollebekk die Aufmerksamkeit auf Detailarbeit wie das niedrigprozentige Crescendo der Snare von "Big sky country" oder die sehr vagen Background-Vocals in "Michigan". Darauf, dass der E-Bass-Einsatz auf den Schlagzeug-Break in "All night Sedans" so wärmend wirkt wie Kirschkernkissen nach durchfrorenen Minuten an der Bushaltestelle und das Finale des Songs mit den Worten "Oh, let's dance" und der Tempozunahme eine eruptive Finte legt. Passend wäre es ohnehin nicht gewesen, befinden wir uns doch in seiner Blue hour.

So erfolgreich wie brillant umgesetzt Vollebekks Suche nach einem altertümlichen Klanggewand für "North Americana" war, so sehr stellt "Twin solitude" die Uhren auf Null. Viele Stücke entstanden binnen kürzester Zeit und oft entschied sich der Kanadier bei der finalen Selektion für die erste Aufnahme. Auch die Texte sind skizzenhafter und ungeschliffener als auf den Vorgängern, reifen weniger, leben länger. Aber wenn Vollebekk in der Tränke der Dunkelheit und dem gedämpften Zusammenspiel der Instrumente in "Michigan" an Nick Drake erinnert oder bei "Into the ether" an Jeff Buckley, entwickelt sich daraus eine wahnsinnig intensive Atmosphäre, die mit dem knopfleresquen Gitarrenspiel von "East of Eden" einer seiner besten Songs überhaupt beherbergt: "Look how we talk at night in the blue electric light." Das Konstrukt der doppelten Einsamkeit, wie es "Twin solitude" verheißt, greift vom ersten Ton an. Alleine sein mit der Abgeschiedenheit Leif Vollebekks und schließlich Loslassen auf dem jazzverschlafenen Soundteppich des Wiegenlieds "Rest", sich episodenhaften Träumereien hingegeben. Und dann umarmen wir zum ersten Mal nach langer Zeit den Blues.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Vancouver time
  • Elegy
  • Into the ether
  • East of Eden

Tracklist

  1. Vancouver time
  2. All night Sedans
  3. Elegy
  4. Into the ether
  5. Big sky country
  6. Michigan
  7. Road to Venus
  8. East of Eden
  9. Telluride
  10. Rest

Gesamtspielzeit: 50:42 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 7770

Registriert seit 08.01.2012

2017-02-17 20:34:04 Uhr - Newsbeitrag
Leif Vollebekk
'Twin Solitude'
VÖ 24. Februar | Secret City Records

Mit ‘All Night Sedans’ könnt ihr euch einen weiteren Song des neuen Albums 'Twin Solitude' anhören, welches am 24. Februar erscheint. Leif Vollebekk behandelt hier Liebeskummer, Sorgen und das Bereuen von gescheiterten Beziehungen. Gleichzeitig spielt er andere Szenarien durch, bei denen alles hätte anders kommen können:



Die Idee zu diesem Song kam Vollebekk unterwegs: “I had been in Florida a while back and saw a car turn off the highway with a sign in the back window that read, All Night Sedans. I’d forgotten all about it until I wrote this song one night. I was watching Extras, when a Kate Bush song came on. I went and listened to it three times, sat down at the piano and wrote this one.”

Stephan

Postings: 469

Registriert seit 11.06.2013

2017-02-17 16:53:11 Uhr
@Der Untergeher: Vielen Dank! Ich hoffe, die Platte gefällt dir dann letztlich auch genauso gut wie mir.

@Daniel: Schlechter nun wahrlich nicht. Wenn es dir hilft, es klingt pi mal Daumen ein wenig nach einer Mischung aus "1921" von "Inland" und "A wildfire took down Rosenberg"/"Photographer friend" von der "North Americana".
faniel
2017-02-17 14:17:49 Uhr
Und hier noch ein anderer, nicht so positiver Review:
http://www.on-magazine.co.uk/arts/music/album-reviews/twin-solitude-leif-vollebekk/
daniel
2017-02-17 14:13:49 Uhr
Wie ist es denn im Vergleich zu den anderen Platten? Besser/Schlechter, eingängiger, langlebiger, oder einfach nur anders?

Der Untergeher

Postings: 802

Registriert seit 04.12.2015

2017-02-16 10:57:39 Uhr
Sehr schöne Rezi! Steigert nochmal meine ohnehin hohen Erwartungen.
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