Killer Barbies - Sin is in

Killer Barbies- Sin is in

Drakkar / BMG
VÖ: 17.02.2003

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Superweib

Warum eigentlich alles so kompliziert machen? Seit Wochen sucht Deutschland verzweifelt den Superstar - dabei könnte man ihn doch ganz einfach aus Spanien importieren. Dort gibt es selbigen in Gestalt der rassigen Sängerin der Killer Barbies doch schon längst: Silvia Superstar. Die feurige Dame nennt sich nicht nur so, sie verfügt auch tatsächlich über alle Star-Attribute, die man(n) gerne sieht: lange blonde Haare, Top-Figur und eine Oberweite, die auf der ersten Seite aller Boulevard-Blätter für freudiges Aufsehen sorgen würde. Crazy, sexy, cool - selbst unser sonst so kritischer Superstar-Zampano Dieter "Didi" Bohlen würde an der kecken Silvia Gefallen finden. Und wenn er denn schon der aufgebrezelten Gracia einen Heiratsantrag macht, würde er dieser Señorita bestimmt gleich zehn Kinder schenken wollen.

Den Vorwurf des zusammengebastelten Kunstprodukts würden sich Madame Superstar & Co. aber natürlich nie gefallen lassen, obwohl sie sich selbst gerne mit den Protagonisten einer bunten Cartoon-Welt identifizieren. Dazu haben sie sich ihre ach so furchterregenden Pseudonyme wie Godzilla und Dr. Muerte aus altbekannten Comic-Strips zusammen geklaut. Baßmann Godzilla trägt auch schon mal eine gruselige Slipknot-Maske. Hui! Selbstredend sind die Spanier auch Fans aller möglicher Horror-Streifen und billigen B-Movies. Klischee as Klischee can be. Das Ganze ist aber leider nur bedingt witzig, denn die Killer Barbies meinen es mit ihrer Trash-Attitude doch tatsächlich ernst.

Getreu dem Motto "Die größten Weisheiten sind immer die simpeltsten" haben sie ihr viertes Album plakativ "Sin is in" getauft. Dazu passend räkelt sich Silvia Superstar halbnackt auf dem Cover. Sex sells - eine weitere Binsenweisheit. Leider wird schnell klar, daß die heiße Silvia nur als Blickfang und nicht als Stimmfang taugt. Denn genauso unverhüllt wie sie sich auf dem Cover zeigt, offenbaren sich auch die musikalischen Unzulänglichkeiten ihrer Combo. Zwischen Pop und Punk schrammeln sich die Killer Barbies tolpatschig durch belangloses Songmaterial, das so ausgelutscht klingt wie Daniel Kübelböcks "My way". Anspruchsvoll wollen die selbsternannten Mörderpuppen ja gar nicht sein - es geht schließlich immer noch zuerst um den Spaß -, aber auch der wird durch Silvias dünnes Organ und die ewig gleichen Riffs massiv in Mitleidenschaft gezogen. Da helfen auch keine beigefügten Orgeln und Bläser ("Down the street") oder Reminiszenzen an den toten Joey Ramone ("Have some fun") - "Sin is in" ist ein musikalischer Sündenpfuhl. Wenigstens seinem Titel bleibt das Album gerecht.

Dabei hätte es auch anders kommen können, denn zumindest gelegentlich lassen die Killer Barbies erahnen, daß sie zu mehr fähig sein könnten. Bei der charmanten Single "Candy" zum Beispiel, die hier allerdings in einem gewöhnungsbedürftigen Remix vertreten ist. Immerhin saß bei "Sin is in" Dieter Bohlen (noch?) nicht an den Reglern, sondern Uwe Hoffmann, der schon den Ärzten und den Sportfreunden Stiller ein druckvolles Soundgerüst verpaßte. Aber was nutzt die knackigste Produktion, wenn doch nur übles Gestümper aus den Boxen quillt? Wie sagte unser Lieblingsdieter doch so schön: "Um ein Superstar zu sein, muß man erst mal ein Star sein". Für die Killer Barbies ist es bis dahin jedenfalls noch ein verdammt langer Weg. Deutschland muß also doch weitersuchen. Und Spanien wohl auch.

(Christof Nikolai)

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Highlights

  • Candy

Tracklist

  1. Down the street
  2. Mil disparos
  3. Feeling alone
  4. Tu y yo
  5. Have fun (To Joey)
  6. Aprender a volar
  7. I'm gonna miss you
  8. Soy mala
  9. What you wanna do
  10. Burn in hell
  11. Wake up!
  12. Todo ira bien
  13. Candy

Gesamtspielzeit: 40:23 min.

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