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Amy Macdonald - Under stars

Amy Macdonald- Under stars

EMI / Universal
VÖ: 17.02.2017

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Über Stars

Kennt Ihr dieses Gefühl, wenn man was Neues von einem Lieblingsstar aus Schulzeiten hört und sich fragt, ob der oder die auch schon mal besser war oder man damals einfach nur einen mediokren Musikgeschmack hatte? Beim neuen Album von Amy Macdonald kommt beides zusammen. Die freundliche Schottin erschien der Rezensentin mit 17 Jahren, wohl auch mangels Kenntnis von Alternativen, als wohltuend nahbar und authentisch. Auf dem aktuellen Albumcover ist ihr Gesicht so stark entfremdet, dass es puppenartig wirkt. Viel zu künstlich! Doch Sympathiefaktor beiseite: Auch die Lieder auch Macdonalds Debüt "This is the life" wirken beim erneuten Hören neun Jahre später immer noch organischer und origineller als ihre aktuellen Machwerke.

Das aktuelle Album "Under stars" besteht vor allem aus einer seltsam sterilen und austauschbaren Pop-Geräuschkulisse, aus der Macdonalds außergewöhnliche Stimme nur gelegentlich herauszuragen vermag. Ein Blick in die Tracklist mit Titeln wie "Never too late", "Dream on" oder "From the ashes" verrät außerdem, dass inhaltlich jene unsägliche Aufmunterungslyrik vorherrscht, die schon 2008 abgedroschen gewesen wäre. Der Song "Dream on" ist als Einstieg in das Album leider besonders unglücklich gewählt. Nach einem Drei-Akkord-Vorspiel, einer etwas abgehackten Strophe und einem Refrain, dessen größte musikalische Idee es ist, auf einem Terzsprung zu enden, kommt schon nicht mehr allzu viel, außer einer Nanana-Bridge und unzähliger Wiederholungen des schon beim zweiten Mal nervenden Refrains. Der Titeltrack ist noch nicht viel besser: Uninspiriert trotten Bass und Schlagzeug vor sich hin, während die Melodie an alle Pop-und Schlagersongs der Welt gleichzeitig erinnert. "Automatik" klingt auch wie aus dem Popkaugummiautomaten herausgefallen, und wenn einmal ein instrumentales Zwischenspiel die Monotonie aufzubrechen versucht, ist es auch schon gleich wieder vorbei. Zumindest was die Ohrwurmtauglichkeit der simpel gestrickten Songs angeht, bleibt Macdonald sich treu. Möglicherweise hat die Rezensentin sogar schon das ein oder andere Mal unwillkürlich "Feed my, feed my fire, hold me, pure desire" angestimmt, um sich danach gleich verschämt nach möglichen Tatzeugen umzusehen.

Die Deluxe-Version des Albums enthält übrigens Akustikversionen aller Titel, und siehe da, plötzlich werden die steifen Popnummern durch Macdonalds Spiel und Sang zum Leben erweckt und besitzen eine völlig andere emotionale Qualität. Viele der zahllosen Lieder, die in der durchproduzierten Fassung effektlos an einem vorbeirauschen, ergeben so endlich Sinn. So ist es an "Down by the water" gelegen, die lang ersehnte Befreiung aus der Beliebigkeit herbeizuführen. Dank Begleitung von Chor und Klavier, und auch dadurch, dass bei dem entschleunigten Thema Macdonalds Stimme besser Atmosphäre schaffen kann. Alles in allem eine gelungener Titel zwischen Songwritingcharme und Gospelanklängen. Die langsameren Stücke zählen insgesamt zu den Lichtblicken dieser Platte: "Never too late" ist, wenn man den Kitschdetektor mal für vier Minuten auf lautlos schaltet, eine berührende und zärtliche Klavierballade. Und auch "Prepare to fall", mit seinem zunächst sehr reduzierten Arrangement, das sich langsam dramatisch aufplustert, nimmt man seine ermutigende Botschaft, lähmende Sicherheiten zurückzulassen und auch mal ein Risiko einzugehen, durchaus ab. Eine Einstellung, die man sich auch von diesem Album etwas öfter gewünscht hätte.

(Eva-Maria Walther)

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Highlights

  • Down by the water
  • Never too late
  • Prepare to fall

Tracklist

  1. Dream on
  2. Under stars
  3. Automatic
  4. Down by the water
  5. Leap of faith
  6. Never too late
  7. The rise & fall
  8. Feed my fire
  9. The contender
  10. Prepare to fall
  11. From the ashes

Gesamtspielzeit: 38:49 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Scholz
2017-02-20 21:17:22 Uhr
Und darauf hat man jetzt 4 Jahre gewartet? *Under Stars* ist erschreckend langweilig, bieder und blutleer -kein Mut, keine Leidenschaft, keine Überraschungen. Selbst das solideste 08/15-Handwerk lullt einen irgendwann ein, leider nahezu bar jeden Charmes. Schade um das Talent einer sympathischen Sängerin mit bemerkenswerter Stimme. *Across the Nile*, diese glattpolierte Popnummer des letzten Albums -nur mal als Beispiel, was möglich WÄRE- das war auch nix Neues und nix Überraschendes, aber der Song perlte, ging runter wie Öl, setzte sich ins Ohr und blieb, war rund und stimmig, betörte und erfreute. Sowas scheint auf *Under Stars* zu fehlen. Vielleicht wächst das Album ja noch... wer weiß. Aber ich hab nach dem vierten Durchlauf schon irgendwie das Interesse verloren.

mispel

Postings: 1760

Registriert seit 15.05.2013

2017-02-17 19:58:38 Uhr
Das erste Album zähle ich immer noch zu meinen Lieblingen, aber schon nach dem zweiten Album war irgendwie die Luft raus. Das klang alles zu glatt. Das dritte ging dann unbeachtet an mir vorüber.

MM13

Postings: 1114

Registriert seit 13.06.2013

2017-02-17 19:40:18 Uhr
finde auch das die rezi zu negativ ist,einen popsoundbrei in dem ihre stimme untergeht kann ich so nicht hören im gegenteil!klar auf den accoustic version kommt ihre stimme nochmal ein ticken besser zur geltung,keine frage.
Gast
2017-02-17 09:55:13 Uhr
Die Rezession ist zu negativ geschrieben.
René
2017-02-17 09:41:19 Uhr
Zum Glück sind Geschmäcker verschieden - mir gefällt das Album sehr gut. Die Rezension ist m. E. ein ungerechtfertigter Verriss.
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