Xavier Darcy - Darcy

Xavier Darcy- Darcy

Darcy / Membran
VÖ: 24.02.2017

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Oh darling

Man ist jung, in München, und ein Plattentests.de-Fest ist gerade nicht in Sichtweite? Da kann man natürlich auf so manche Idee kommen, was man mit dieser Situation anfangen kann. Eine Haxe to go ist natürlich nicht die schlechteste Wahl, Touris wird es mit Sicherheit in ein gewisses Hofbräuhaus treiben, andere schlendern verträumt durch den Englischen Garten oder an der Isar entlang. Noch Uninspiriertere suchen schlicht via TripAdvisor die angesagtesten Bars der Stadt heraus und probieren dort ihr Glück. Was man ansonsten so in München anfangen kann, beweist der 21-jährige Londoner Xavier Darcy. Tagsüber gibt er mit beinahe fiepsender Stimme verschüchterte Interviews. Sobald jedoch nur noch ein Scheinwerfer die Szenerie beleuchtet, trumpft er mit atemberaubend durchdringendem Fauchen und starken Folk-Rock-Nummern auf. Vorschusslorbeeren hat er damit bereits sammeln können, dem Debüt "Darcy" sehen also wenigstens Kenner der "Extended play"-EPs mit Erwartungen entgegen.

Das Aufbruchsstimmung erzeugende "Intro" begrüßt man als geneigter Hörer gleich, indem man in die Handclaps mit einstimmt. Doch bereits beim viel zu eingängigen "Burn the suburbs down" schleicht sich ein Credo aus dem leider nicht vorhandenen "Orleans" in den Hinterkopf. Oh Darcy, "don't let these demons in". Die Dämonen, die dem jungen Folk-Musiker eingeflüstert haben müssen, ein Debüt könne nur dann erfolgreich werden, wenn es so viele poppige Ohrwürmer wie möglich produziert, sind im Entstehungsprozess leider offensichtlich nicht verstummt. Wie man solche oftmals schweren Themen wie in "A dreamer's requiem" oder dem pfeifend eingeleiteten "Clean monday" in akustische Zuckerwatte packt, haben unlängst ja auch erst die Genre-Kollegen The Strumbellas auf "Hope" vorgemacht. Einzeln betrachtet sind "Paris", "Love in the 21st century" oder "Horizon" auch wirklich feine Nummern, teilweise mit Anleihen aus dem Funk. Auf Albumlänge wird man nur leider von den unzähligen Hooks und zuckersüßen Melodien ertränkt, sodass es nach dem Durchlauf schwer fällt, den Titeln die jeweilige Songstruktur zuzuordnen. Daher ist es auch besonders tragisch, wie komplexere und ergreifendere Stücke des Briten dieser zweifelhaften Herangehensweise zum Opfer wurden. "Cape of no hope", "Martyr's blues" oder das bereits angesprochene "Orleans" sind hier nur der Anfang der Liste starker EP-Songs, welche auf dem Debütalbum fehlen.

Glücklicherweise lässt Darcy sein Talent immer wieder durchschimmern, weshalb selbst bei diesen widrigen Umständen mehr positiv heraussticht als seine druckvolle Stimme. "Big city dreams" ist beispielsweise ein waschechter Hit, und immerhin auf dem Closer "The last days of Rome" deutet er auch abseits poppiger Pfade das vorhandene Potenzial eindrucksvoll an. Der Appetit auf mehr davon ist auch trotz des vielen Süßkrams auf "Darcy" noch nicht vergangen. Bis allerdings der nächste Gang die Hoffnungen erfüllen kann, hat der Brite auf den Bühnen zum Glück Zeit, sein Konzept ein wenig zu überdenken oder sich auf die stärkeren EPs zurückzubesinnen.

(Marcel Menne)

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Highlights

  • Big city dreams
  • La vie en noir et blanc
  • The last days of Rome

Tracklist

  1. Intro
  2. Burn the suburbs down
  3. Big city dreams
  4. Horizon
  5. Love in the 21st century
  6. Paris
  7. La vie en noir et blanc
  8. Seventeen
  9. Clean monday
  10. A dreamer's requiem
  11. The last days of Rome

Gesamtspielzeit: 43:51 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 8688

Registriert seit 08.01.2012

2017-02-15 21:14:05 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 8688

Registriert seit 08.01.2012

2017-01-16 17:44:52 Uhr
Xavier Darcy holt im neuen Video den Vibe der 80er-Jahre ins Jetzt!

Liebe Freunde, liebe Medienpartner,

es ist immer schön, wenn es ein Künstler aus eigener Kraft, ohne riesiges Setup um sich herum schafft, Erfolge zu feiern, zu touren und eine Fanbase aufbauen kann. Genau dann zeigt sich, dass Musik fernab von Marketing-Strategien und Kampagnen, sponsored Content, TV-Koops und dergleichen so funktioniert wie es am Besten ist: Über Emotionen. Darüber, dass ein Künstler auf der Bühne steht, sich die Seele aus dem Leib singt und damit die Zuhörer berührt und begeistert. So geschehen beim in München lebenden Briten Xavier Darcy.

Nach zwei vielbeachteten EPs auf dem eigenen Label Darcy Records und intensiven Liveshows (u.a. im Vorprogramm von Hudson Taylor oder Joris) und diversen TV Auftritten u.a. bei Inas Nacht oder der BR Startrampe steht nun am 24.02. das Debütalbum "Darcy" des 21-Jährigen an.

TV Talkerin Ina Müller zeigte sich bei seinem Auftritt in ihrer Show überaus begeistert. Wer will, kann den Auftritt hier nochmal sehen.

Ab heute gibt es das Video zur Single "Big City Dreams" zu sehen, welches ein Wurmloch direkt in die 80er Jahre öffnet, als die Welt sehr bunt, der Krieg kalt und VHS noch der Shit war. Hier geht's zum Clip.



Der Track steht auch sinnbildlich für die Thematik des Albums:

„Dieses Album spiegelt die Städte und Vorstädte wieder in denen wir leben. Auf den ersten Blick scheint alles hell und voller Leben zu sein, aber unter der Oberfläche und hinter geschlossenen Türen, liegt eine Welt der versteckten Ängste“, sagt Xavier Darcy über sein Debüt-Album „Darcy“. Tatsächlich ist „Darcy“ ein Album, das von Anfang bis Ende eine Fülle an bunten Farben, bombastischen Arrangements, tanzbaren Rhythmen und unglaublich mitreißenden Melodien zu bieten hat. Allerdings gehen die brillanten, dynamischen Feelgood-Songs eine perfekte Symbiose mit den tiefsinnigen und ernsthaften Texten ein, die von den alltäglichen Kämpfen der modernen Jugend erzählen. Darcy greift darin Themen wie psychische Belastungen, Desillusionierung, Atheismus und den Umgang mit sozialen Medien auf.

Der 21-Jährige ist aus England nach Deutschland gezogen, nachdem er 2014 von der Universität abgegangen ist. Seitdem hat er fern der Heimat seine Karriere als Musiker begonnen. Xavier Darcys erstes komplettes Album ist dabei von seinem kreativen Exil beeinflusst, eine Entscheidung, die es ihm ermöglicht hat, „Darcy“ größtenteils frei von äußeren Einflüssen zu schreiben, wie er sagt. Im ruhigen München konnte er sich ganz darauf konzentrieren seine Musik entstehen zu lassen, ganz ohne Ablenkungen oder Druck von außen.

Gemeinsam mit Produzent Tobias Siebert (u.a. Enno Bunger, And The Golden Choir, Kettcar etc) arbeitete er in den letzten Monaten daran, seine Vision der Songs umzusetzen:
„Wir wollten ein großartiges Pop-Album machen, aber zu unseren Bedingungen, ohne Vorgaben, frei von allen Genre-Normen und Image-Überlegungen. Ein neuer Mix aus allem, was ich selber höre und mag.“
Dadurch ist „Darcy“ ein echtes Pop-Album geworden, voller Ohrwurm-Melodien, funky Rhythmen und mit unzähligen zitierfähigen Zeilen in den Lyrics. Der Sound eines jungen Künstlers, den nichts zurückhält. Wie seine Helden Bowie, Byrne und Bolan hat Xavier Darcy keine Angst vor dem Stempel Pop-Musik und sieht sie stattdessen als Mittel der Kommunikation und als Ausdrucksform für große Kunst. Dadurch ist „Darcy“ ein Album voller Widersprüche, das aufbauende, fröhliche Melodien mit melancholischen Texten verbindet, ein musikalisches Oxymoron. Ein Anti-Pop Pop-Album.

Auf der Bühne ist Xavier Darcy nochmal eine Klasse für sich. Zwei Konzerte sind bereits angekündigt. Eine ganze Tour folgt in Kürze.

16.01. Berlin - Badehaus (mit The Rural Alberta Advantage)
24.03. München - Ampere


Sehr poppig geworden ...
Rüdiger
2015-04-04 00:03:14 Uhr
Schade dass sie bei den Pumpkins ausgestiegen ist. Seitdem bekommen die auch kein Bein mehr auf den Boden.
D'Arcy
2015-04-03 23:39:27 Uhr
Es gibt keine neuen guten Bands mehr. Lang lebe der alte Kram!

Armin

Postings: 8688

Registriert seit 08.01.2012

2015-04-03 23:33:41 Uhr
Ich hype, wen ich hypen möchte. Und war ja nachweislich nicht der einzige, der das Debüt von Of Monsters And Men gut fand.
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