Soundtrack - T2 Trainspotting

Soundtrack- T2 Trainspotting

Polydor / Universal
VÖ: 27.01.2017

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Choose incoherence

Los, los – einmal schnell die bekanntesten und prägendsten Soundtracks der Neunziger ins Gedächtnis rufen. Fertig? Wenn die Begleitmusik zum 1996 erschienenen Film "Trainspotting" nicht dabei ist, besteht offensichtlich eine klaffende Wissenslücke. Oder man hat es den Protagonisten gleichgetan und sich Teile der Festplatte per Substanzeinnahme ausgelöscht. Damals bescherte die Verwendung von "Lust for life" für den Vorspann dem alten Hasen Iggy Pop einen späten Frühling und machte Underworld mit einer Neufassung ihres Tracks "Born slippy" zu Superstars. Nun hat sich Regisseur Danny Boyle 21 Jahre später das originale Buch und den Nachfolger "Porno" von Irvine Welsh wieder zur Verfilmung vorgenommen. Und beleuchtet in "T2 Trainspotting", was aus den Protagnoisten nach zwei Jahrzehnten geworden ist. Auf dem Soundtrack? Wieder Iggy Pop und Underworld.

Der Rezensent hat den – von der Kritik bisher verhalten wohlwollend angenommenen – neuen Streifen noch nicht sehen können und kann sich somit nur vorstellen, welche Bilder die 15 versammelten Stücke untermalen. Nostalgie ist natürlich bei diesem Projekt ein wesentlicher Faktor und so überrascht es nicht, dass quasi die zwei wichtigsten Songs des ersten Teils jetzt "T2 Trainspotting" umrahmen. "Lust for life" wurde von The Prodigy behutsam neu gemixt und über das Original lediglich ein typischer Big Beat gelegt. Die einfache Idee funktioniert aber, um Subtilität ging es Iggy Pop ohnehin nie und die Neuauflage versprüht ebenfalls das, was der Songtitel verspricht. Wenig spektakulär, gleichwohl solide ist es, wenn Underworld als Ausklang in den drei Minuten von "Slow slippy" den erwähnten Hit komplett verlangsamen, so dass die urspünglichen Elemente nach der Hälfte der Zeit erst erkennbar werden.

Schon beim Blick auf die Tracklist fallen kuriose Entscheidungen auf. Neue Hauptprotagonisten sind auf "T2 Trainspotting" Young Fathers, deren gut aufgelegter Pop-HipHop dreimal vertreten ist – zwei ihrer besten Songs und der neue Treffer "Only God knows". Definitiv ein Zugewinn, ohne am Sound des ersten Teils zu klammern. Aber sonst: "Relax" von Frankie Goes To Hollywood? Ist man buchstäblich im falschen Film? Beim Hören schwebt die Frage im Raum, ob die Reihenfolge von einem taubstummen Schimpansen zusammengestellt wurde. Wenn in der zweiten Hälfte "Radio ga ga" von Queen mit Run-DMCs "It's like that" im aufgepumpten Jason-Nevins-Remix kollidiert und anschließend "(White man) In Hammersmith Palais" von The Clash hinterher geschoben wird, ist es Essig mit jeglicher Kohärenz. Was für ein Film verbirgt sich bitte hinter einer so zufällig wirkenden Musikauswahl?

Genau das bricht dem Soundtrack zu "T2 Trainspotting" ein wenig das Genick. Es entsteht einfach kein Fluss, keine Stimmung. Die Klassiker von Queen, Blondie oder The Clash hat man bei Interesse ohnehin schon – anders als damals "Lust for life" geben sie keine Richtung vor, keinen Impuls. Mittendrin bremst das offenbar auf dem Beat von The Knifes "Full of fire" basierende und dank der Vocals tierisch nervige "Dad's best friend" der irischen Comedy-Truppe The Rubberbandits die Chose aus. Und eine subtile Perle wie "Silk" von Wolf Alice geht im umgebenden Getöse schlichtweg unter. Während der originale "Trainspotting"-Soundtrack den Zeitgeist festnagelte und neben dem Film selbst zur Ikone wurde, bleibt trotz starker Songs beim Nachfolger im Gesamten nur Kopfkratzen übrig. Choose your own tracklist.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Lust for life (The Prodigy Remix) (Iggy Pop)
  • Silk (Wolf Alice)
  • Get up (Young Fathers)
  • Rain or shine (Young Fathers)

Tracklist

  1. Lust for life (The Prodigy Remix) (Iggy Pop)
  2. Shotgun mouthwash (High Contrast)
  3. Silk (Wolf Alice)
  4. Get up (Young Fathers)
  5. Relax (Frankie Goes To Hollywood)
  6. Eventually but (Spud's letter to Gail) (Underworld & Ewen Bremner)
  7. Only God knows (Young Fathers feat. Leith Congregational Choir)
  8. Dad's best friend (The Rubberbandits)
  9. Dreaming (Blondie)
  10. Radio ga ga (Queen)
  11. It's like that (Run-DMC vs. Jason Nevins)
  12. (White man) In Hammersmith Palais (The Clash)
  13. Rain or shine (Young Fathers)
  14. Whitest boy on the beach (Fat White Family)
  15. Slow slippy (Underworld)

Gesamtspielzeit: 58:44 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
@Fiep
2017-02-09 17:08:00 Uhr
Konzertalbum?
Fiep()
2017-02-09 17:02:23 Uhr
Gespalten.

Soundtracks die von ein-em/er Musiker/in gemacht wurden machen sin, sind quasi sowas wie ein Konzertalbum zum film.

Soundtracks die sich aus bereits veröffentlichen Songs zusammensetzen weniger. wie Felix schreibt können die sich selbst gut tragen, was eigenes entwickeln etc... aber bei so vielen guten indie Veröffentlichungen die nicht rezensiert werden, weil keine Veröffentlichung durch ein Label vorhanden ist, finde ich die Ressourcen bei effektive Samplern mit alten Tracks etwas vergeudet.

MopedTobias

Postings: 8494

Registriert seit 10.09.2013

2017-02-09 16:39:49 Uhr
Der eine der beiden Blickwinkel ignoriert aber das einem Soundtrack zugrundeliegende Konzept völlig. Als würde man ein Album wie Let Them Eat Chaos bewerten und dabei nicht auf die Texte achten.

Elektrolyte

Postings: 194

Registriert seit 20.09.2016

2017-02-09 11:20:12 Uhr
Ein Soundtrack kann doch beides sein. Ein gutes Album und eine Begleitung zum Film. Ich muss Felix recht geben, Lost Highway ist ein gutes Beispiel für einen Soundtrack, der für sich allein auch funktioniert. Und aus beiden Blickwinkeln lässt sich das bewerten.
Eigentlich hätte ich den Film schon sehen können, aber wegen Krankheit fiel das flach. Ärgerlich, bin sehr gespannt darauf.

MopedTobias

Postings: 8494

Registriert seit 10.09.2013

2017-02-09 11:05:38 Uhr
Bin da bei musie, siehe auch meinen Beitrag im Thread zum La la Land-Soundtrack. Filmsoundtracks sollten hier a) gar nicht b) nur im Filmkontext oder c) ohne Filmkontext aber dafür konsequenterweise ohne Wertung rezensiert werden. Warum? Weil ein Filmsoundtrack NIE dafür konzipiert ist, für sich alleine stehen zu können (auch wenn er das in nicht wenigen Fällen durchaus schafft), und ein komplettes Ignorieren des Kontexts den Machern damit Unrecht tut. Ob ein Soundtrack "gut" ist, hat rein gar nichts damit zu tun, ob er auch außerhalb des Films funktioniert.
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