Rag'n'Bone Man - Human

Rag'n'Bone Man- Human

Columbia / Sony
VÖ: 10.02.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Das B in R'n'B

Fun fact: Als Liquido Anfang 1999 ihr Debütalbum veröffentlichten, versteckten sie ihren Düdel-Hit "Narcotic" aus dem vorigen Jahr hinter einem sehr obskuren Cover – und auf Position sieben in der Tracklist. Möglich, dass man nicht immer nur auf den einen Song reduziert werden will, aber da es auf der Platte sonst nicht viel zu holen gab, war das vielleicht ein wenig überambitioniert. Nun ist der Engländer Rory Graham alias Rag'n'Bone Man sicher drei Mal talentierter als alle Nasen von Liquido zusammen und "Human" im Vergleich zu "Narcotic" eine Offenbarung. Aber auch Graham musste sich Gedanken machen, in welcher Form er nach dem Mega-Erfolg der Single sein erstes Album präsentiert. Er geht den entgegensgesetzten Weg: Nicht nur heißt die Platte ebenfalls "Human", der Titeltrack darf zudem gleich als Opener ran. Hat Rag'n'Bone Man also nichts mehr in der Hinterhand? Achtung vor voreiligen Schlüssen.

Ganz frei heraus: Am Ende ist "Human" durchaus der beste Song aus diesem Dutzend. Wie seltsam das war, seinen schwer atmenden Groove das erste Mal im Radio zu hören. Und sich unwissend zu wundern, ob das Algiers sind, die nun tatsächlich den Durchbruch geschafft haben. Der Sound von Rag'n'Bone Man ist eine Anomalie in den Charts, auch wenn er sich aus bekannten Zutaten zusammensetzt. Handclaps, verhuschte Reverb-Stimmen, stampfender Beat – nicht ungewöhnlich. Doch es ist eine Gravität und Abseitigkeit mit im Spiel, die sich trotz der beiden wahnsinnig eingängigen Hooks innerhalb des Tracks nicht verleugnen lässt. Das Album folgt in diesen Fußstapfen, ohne die Single platt zu kopieren. "Human" ist als nachgereichte Visitenkarte eine erfreuliche Erscheinung und entspricht den Erwartungen voll und ganz.

Rag'n'Bone Man macht Rhythm'n'Blues im ganz wörtlichen Sinne: Trottende Beats stellen das Fundament dar und verweisen auf die HipHop-Wurzeln des 32-Jährigen. Der Fokus liegt jedoch ganz klar auf der blueslastigen Stimmung dieser erdigen, schweren Kompositionen, auch wenn Graham zumindest ein einziges Mal in "Ego" tatsächlich sehr überraschend anfängt zu rappen. Das macht er solide, stellt aber anderweitig seine voluminöse Singstimme passender in die Dienste der Stücke. Das überzeugt vor allem in einer reduzierten Ballade wie "Love you any less", bei der Graham selbst mehr Dramatik erzeugt als die Streicher und das Klavier. Selbst Adele dürfte hier anerkennend nicken. Auch der die reguläre Version abschließende A-cappella-Track "Die easy" lässt in dieser Hinsicht nichts zu wünschen übrig.

Vor allem in den ersten sechs Songs schafft Graham mühelos den Spagat zwischen unglaublicher Eingängigkeit und songwriterischer Tiefe, abgerundet durch geschmackvolle Details wie das verschmitzt klimpernde Piano und den kratzigen Beat von "Be the man" oder den kurzen Falsett-Ausflug im Refrain von "Bitter end". Und doch klingt es zu hart, die zweite Hälfte als schwächer zu bezeichnen, denn ein Ausfall lässt sich hier ebenfalls weit und breit nicht finden. Vielleicht ist es nur die geringere Ausgefeiltheit der Tracks gegen Ende, welche einen leicht windschiefen Eindruck ob der Highlight-Verteilung entstehen lässt. Womit wir wieder beim Ausgangsthema wären – das Motto "best foot forward" hält Rag'n'Bone Man durchaus ein. Trotz des Schattens, den "Human" über das entsprechend benannte Album wirft, besitzen die übrigen Songs jedoch genügend eigene Strahlkraft, damit der kräftige Hüne auf eine lange Karriere hoffen kann. Länger als die einer Sinsheimer Rockband mit Sicherheit.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Human
  • Bitter end
  • Be the man
  • Love you any less

Tracklist

  1. Human
  2. Innocent man
  3. Skin
  4. Bitter end
  5. Be the man
  6. Love you any less
  7. Odetta
  8. Grace
  9. Ego
  10. Arrow
  11. As you are
  12. Die easy

Gesamtspielzeit: 41:51 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Früge:
2017-02-15 10:50:58 Uhr
Was ist denn ein Rag-and-Bone-Mann??

MM13

Postings: 1168

Registriert seit 13.06.2013

2017-02-10 18:59:17 Uhr
irgendwie krieg ich den typ(aussehen) und seine musik nicht zusammen,scheint irgendwie nicht zupassen dennoch respektables album geworden.

Felix H

Postings: 1386

Registriert seit 26.02.2016

2017-02-10 12:05:47 Uhr
"Wolves" wird von offizieller Seite aber nur als EP bezeichnet und "Human" folglich als erstes Album.
Das kann man anhand der Spielzeit sicher anders sehen, aber ich wollte mich in der Rezension zumindest daran halten.
Michael Martens
2017-02-10 12:01:41 Uhr
Warum sprechen eigentlich alle immer von seinem ersten Album?
Es ist das zweite.
Das 2015 erschienene Wolves beinhaltet zwar nur 9 Songs, zeigt aber trotzdem schon auf beeindruckende Weise das Potential von Rory Graham.

Sollte man sich unbedingt anhören!!
rettich
2017-02-09 11:55:22 Uhr
bin gespannt auf morgen. skin ist auch ne gute single wieder.
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