Koria Kitten Riot - Songs of hope and science

Koria Kitten Riot- Songs of hope and science

Vild / Cargo
VÖ: 10.02.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Finnischer Optimismus

Die Menschheit ist so unfassbar undankbar: Da reißt man sich als eh schon aufgrund der heimatlichen Klimalage gebeutelter Finne den musikalischen Popo auf und bringt es dann nach drei Alben noch immer nicht auf eine vierstellige Like-Anzahl bei Mark Zuckerbergs persönlicher Datensammlung. So mag es gewiss vielen Künstlern gehen, doch einen wirklichen Trost stellt das nicht dar. Ob Koria Kitten Riot deswegen "Songs of hope and science" veröffentlichen, sozusagen als aufmunternde Durchhalteparolen? Mitnichten, denn vielmehr haben diese eine weitaus bedeutsamere Aufgabe: Hoffnung in dieser trostlosen Epoche verbreiten. "The Earth will spin around" eben – sowohl individuell als auch global. Dazu passt die musikalische Entwicklung der Band, denn die ersten beiden Veröffentlichungen lang flüsterte der aus Helsinki stammende Antti Reikko akustische Kleinode alleine vor sich hin und umarmte dabei nicht gerade die Welt. Mit seinem dritten Werk "Rich men poor men good men" schließlich wuchs neben der personellen Anzahl auch der Sound, und der alternative Klangkosmos ist seitdem um einen skandinavischen Vertreter reicher.

Dabei beginnt der Nachfolger zunächst, den behutsamen Wurzeln nahe, äußerst wind- wie stimmschief und mit einer märchenhaften Eröffnungsharfe. Nach einem noch etwas verträumten Auftakt folgt dann mit "The laughing man" der Grund, warum die fünf Finnen direkt ins Herz geschlossen werden müssen: Hier treffen Cargo Citys Simon Konrad auf die wie immer mehr als angeheiterten Schweden von Friska Viljor, die pausenlos flüssigen Nachschub garantieren. "Hold on tight" versammelt kurze Zeit später alle Beteiligten ans Lagerfeuer, und mit leicht lädierten Kehlen und langsam schwindenden Kräften werden kollektivbildende Zeilen wie "But sometimes you've got to hold on tight / Praying that evertything's gonna be alright" eingestimmt.

Im weiteren Verlauf schimmern immer wieder die Folk-Wurzeln durch. Dezente Drum-Computer, psychedelische Elemente und Harmonie-Gesänge sorgen für einen insgesamt konventionellen, aber keinesfalls altbackenen Indie-Rock-Sound. Ganz so hoffnungsvoll wie eigentlich beabsichtigt kommt "Songs of hope and science" dann aber doch nicht daher. Das beweisen allein Songtitel wie "The good old days are never coming back" oder "Forever's going to be a long, long time", die keinesfalls als Worthülsen dienen, um auf eine falsche Fährte zu locken, sondern eben genau das erwartete Maß an Melancholie versprühen. Koria Kitten Riot wirken jedoch zu keinem Zeitpunkt resigniert, sondern von Grund auf entspannt. Vielleicht können Finnen schlichtweg nicht mehr Optimismus aus sich herausholen, was vollkommen zu verkraften ist, wenn daraus ein so sympathisches und eingängiges Gesamtwerk entsteht.

(Christian Laude)

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Highlights

  • The laughing man
  • Hold on tight
  • Anything at all

Tracklist

  1. Hope and science
  2. The Earth will spin around
  3. The laughing man
  4. High on cigarettes
  5. Hold on tight
  6. Anything at all
  7. The good old days are never coming back
  8. White trash kids
  9. Hanging on a dream
  10. Forever's going to be a long, long time

Gesamtspielzeit: 32:52 min.

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