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Broilers - (sic!)

Broilers- (sic!)

Skull & Palms / Warner
VÖ: 03.02.2017

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Und nicht anders!

Es hat wohl etwas zu bedeuten, wenn sich eine Band nach schlappen 25 Jahren und bislang sechs Alben zum Jubiläum ein ganz unbescheidenes "So!" als Albumtitel gönnt. Im Falle von Broilers meint das in erster Linie eine klare Positionierung. Musikalisch wie politisch. Schließlich ist man ja nicht einst als schunkelnde Volksfestband losgezogen. Zumal es in Düsseldorf ja schon eine schunkelnde Volksfest-Punkband gibt, an die man sich im Laufe vieler Jahre und Alben nicht nur in Sachen Produzentenwahl angenähert hat. Viel mehr war man sich in den langsameren, ruhigeren Momenten zuletzt gar nicht mehr sicher, ob da nicht doch irgendwo Campino mitmacht. Tage wie diese möchte die Band wohl nicht mehr erleben. "(sic!)" soll derlei Ungemach auf keinen Fall widerfahren.

Das zumindest suggeriert der furiose Auftakt mit einer gehörigen Portion Nachdruck. "Nur ein Land" serviert zunächst ein ein Intro-Durcheinander aus Hymnen, bevor das Quintett sich an Rechtsruck, Verschwörungstheorien und anderweitigen, lauter werdenden patriotischen Gefühlen abarbeitet. Dass Zeilen wie "Doch Du bist nur ein Land / wir gestalten Dich / Du wirst regiert / Du regierst mich nicht" aus recht grobem Holz geschnitzt sind und die Breitwand-Powerchords sicher nicht für feingeistige Feuilleton-Beiträge geschaffen wurden, das passt dabei ganz hervorragend. Weil die hier verteilten Ansagen in all ihrer Dringlichkeit keine Zwischentöne vertragen. Da darf es auch mal deftiger zugehen. Dementsprechend macht die Band nicht lange rum und zeigt klare Kante. "Keine Hymnen heute" konstatiert "Schlechte Menschen haben keine Musik", "Meine Familie" verhandelt in drastischen wie lakonischen Worten die ungeliebte Familienbande und "Die beste aller Zeiten" bringt in der Erzählung von der (natürlich) räudigen Jugend immerhin Dickens unter.

War sonst noch was? Ach ja, die Musik! Auch hier zeigen sich die Düsseldorf wesentlich entschlossener als noch zuletzt. "(sic!)" packt ordentlich zu, wenn es denn grad sein muss, ohne aber irgendjemandem auch nur ansatzweise weh zu tun. Das macht nichts, schließlich geht man das Uptempo von "Bitteres Manifest" trotz bedrückender Thematik gerne mit. Und auch sonst bringen Broilers ordentlich Songmaterial auf die Habenseite: Den Ska-Ausflug von "Zu den Wurzeln" etwa, der wohl kein Tanzbein dieser Welt unberührt lassen dürfte. Oder die Extraportion Melodie von "Die beste aller Zeiten" und die an dieser Stelle mehr als passenden "Oh-oh"s von "Irgendwas in mir". Kurzum: ("sic") erspart sich Peinlichkeiten, wie sie der Vorgänger "Noir" noch mit unsäglichen Powerballaden ("Nur nach vorne gehen", anyone?) angehäuft hatte. Ja sogar der Rausschmeißer "Und hier steh' ich", der mitsamt gruseligem Titel, gemächlichem Tempo und Akustikgitarre alle Voraussetzungen mitbringt, auf dem großen Schrottplatz der unhörbaren Punkrock-Balladen zu landen, geht klar.

Nein, besser noch: Nach all den harten Worten und schnellen Akkorden entpuppt sich das rührselige Schlussstück sogar als unvermutetes Highlight. Hätte man so am Anfang von "(sic!)" auch nicht für möglich gehalten. Und warum dann 'nur' 6/10? Nun, erst mal, weil man Zeug wie "Zu schätzen wusste ich erst was ich hab' / Als ich es nicht mehr hatte" einfach nicht singen darf. Auch und gerade wenn man als Band schon ein viertel Jahrhundert auf dem Buckel hat. Und außerdem, weil sich das Album um die Mitte herum eine qualitative Auszeit gönnt. "Gangster, Gangster" geht zum Beispiel auch beim 42. Versuch einfach nicht klar. Und auch "Ihr da oben" und "Unsere Tapes" kommen über das Attribut 'gut gemeint' einfach nicht hinaus. Ansonsten gerät "(sic!)" allerdings zum durchaus beachtlichen Lebenszeichen, das zeigt, wie es mit der Band weitergehen kann: Genau so eben.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Nur ein Land
  • Die beste aller Zeiten
  • Zu den Wurzeln
  • Und hier steh' ich

Tracklist

  1. Nur ein Land
  2. Bitteres Manifest
  3. Keine Hymnen heute
  4. Die beste aller Zeiten
  5. Irgendwas in mir
  6. Gangster, Gangster
  7. Ihr da oben
  8. Unsere Tapes
  9. Meine Familie
  10. Zu den Wurzeln
  11. Woran glauben?
  12. Als das alles begann
  13. Und hier steh' ich

Gesamtspielzeit: 44:19 min.

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User Beitrag
unpolitisch!?
2017-02-11 01:30:52 Uhr
cool, punkbands die regieren?!?

Armin

Postings: 8178

Registriert seit 08.01.2012

2017-02-10 20:11:14 Uhr
Broilers regieren die Offiziellen Deutschen Charts



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Die kompletten Top 100 der Offiziellen Deutschen Single- und Album-Charts gibt es jeden Freitag live auf Viva.tv (VIVA Top 100) und jeden Sonntag um 12.00 Uhr auf VIVA.



Die Offiziellen Deutschen Charts werden von GfK Entertainment im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie e.V. ermittelt. Sie decken 90 Prozent aller Musikverkäufe ab und sind das zentrale Erfolgsbarometer für Industrie, Medien und Musikfans. Basis der Hitlisten sind die Verkaufs- bzw. Nutzungsdaten von 2.800 Einzelhändlern sämtlicher Absatzwege. Dazu zählen der stationäre Handel, E-Commerce-Anbieter, Download-Portale und Musik-Streaming-Plattformen.

manfredson

Postings: 183

Registriert seit 14.06.2013

2017-02-09 22:35:18 Uhr
@Ansgar: Melodische, hymnische Rockmusik mit Punk- und Ska-Einflüssen.
Isabell
2017-02-09 19:30:34 Uhr
'Zu den Wurzeln' ist für mich auf jeden Fall auch ein Highlight des Albums. Aber ich persönlich zähle auch 'Ihr da oben' und 'Als das alles begann' zu den besseren songs der Platte. Insgesamt gefällt sie mir auch um einiges besser als die 'Noir'. Freue mich auf jeden Fall schon die neues songs live zu hören
Ansgar Brinkmann
2017-02-09 18:56:11 Uhr
@manfredson: Um welches Genre handelt es sich denn?
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