Fufanu - Sports

Fufanu- Sports

Pop Up / One Little Indian / Rough Trade
VÖ: 03.02.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Kaktus, Gulli und ihr Bang

Es ist ein trister, windiger Novembertag im schönen Reykjavík: In Islands wunderbarer Hauptstadt findet das Musikfestival Iceland Airwaves statt, Szenetreffpunkt und willkomene Bühne für Newcomer und etablierte Acts aus der ganzen Welt. Es ist erst 17 Uhr, und doch platzt die "Ananas"-Bar aus allen Nähten. Fufanu, heißgehandelte Emporkömmlinge der Stadt, spielen gleich einen ihrer umjubelten Gigs an diesem Wochenende. "Probably the best new band from Iceland!", schreit der Barkeeper einem noch entgegen, während er das Bier für umgerechnet zirka 9,50 Euro fertigzapft. Und schon stehen Kaktus und Guðlaugur "Gulli" Einarsson – die beiden Haupt-Protagonisten heißen wirklich so und sind nicht verwandt – in den Startlöchern.

Während Vokalist Kaktus zur einsetzenden Bassgitarre mit der Mikroschnur um den Hals auf einen Tisch geklettert ist und die Lampen an der Decke schwingen lässt, poltert das Schlagzeug von (Achtung!) Erling Bang schon mal los und treibt "Sports", das Joy Division huldigende Titelstück des Albums, nach vorn. Bis die Deckenkonstruktion der Bar gar nicht mehr anders kann, als die Extase in Form von Kondens-Schweiß zurückzugeben. Diese Szenerie passt prima zu der raffinierten Eindringlichkeit, mit der Fufanu auf ihrem zweiten Album "Sports" ihre eigenwillige und gerade deshalb so spannende Mixtur aus Post-Punk und New Wave darbieten. Der Sound des Trios lebt dabei von den Takt und Halt gebenden, typischen 80s-Keyboard-Lines, mit denen Gulli seine düster flirrenden und zirkulierenden Gitarrenschichten passgenau ausschmückt – und vom Mut zum Pop.

Offensichtliche Hits wie das zynische "Bad rockets", das Depeche-Mode-meets-The Cure-Stück "Just me" oder der wunderbar geschmeidige Popsong "Your fool" sind aber nur erste Anker, über die man in dieses Album hineinfindet. Bald schon säuselt das fantastische "Liability" vielmehr hinterrücks ins Ohr, getrieben von Leadgitarre und der typischen "Leck mich!"-Attitüde in Kaktus' schnodderigem, abwesend wirkendem (Sprech-)Gesang. Der natürlich nicht zufällig an Damon Albarn erinnert, ist der Blur-Mann doch Fan und Entdecker der Band, bat Kaktus um Mitarbeit am Albarn-Solo-Werk "Everyday robots" und lud Fufanu zu diversen Support-Gigs ein. Meist jedoch wabern und mäandern die Stücke wie etwa das tolle "Tokyo" zunächst im Dunkeln, gehen im Midtempo-Zack in die Beine und funkeln dabei melodisch mit mattem Glanz.

Das zurückhaltende "White pebbles" ist ebenfalls ein Spätstarter, rückt Fragilität statt Destruktion in den Fokus, während die feine Gitarrenmelodie bleibt. Und dass Fufanu auf "Sports" vielleicht nur andeuten, zu welchen Experimenten sie in der Lage sind, offenbaren sie zunächst mit "Gone for more", einer Tech-Beat-Wuchtbrumme, und fast programmatisch zum schönen Abschluss dieses konstant starken Albums, wenn sich dem Hörer in "Restart" die ersten Gehversuche einer Band namens Interpol zurück in die Ohren spielen. Es ist nun früher Abend in der Ananas-Bar. Schwitzende, aber glückliche Menschen hüpfen oder taumeln dem Konzertende entgegen. Nachdem Kaktus neben der Dekonstruktion seines Tischs doch "nur" eine Lampe zertrümmert hat, meint er am Schluss salopp, das sei "ja nochmal gut gegangen" – für "Sports" wäre dieses Urteil eine maßlose Untertreibung.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Sports
  • Tokyo
  • Liability
  • Your fool

Tracklist

  1. Sports
  2. Gone for more
  3. Tokyo
  4. White pebbles
  5. Just me
  6. Liability
  7. Bad rockets
  8. Syncing in
  9. Your fool
  10. Restart

Gesamtspielzeit: 39:07 min.

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eric

Postings: 1950

Registriert seit 14.06.2013

2017-02-09 11:30:22 Uhr
Danke. Hatte die Band auch zufällig entdeckt - auf Island. ;)

MM13

Postings: 1536

Registriert seit 13.06.2013

2017-02-04 13:44:54 Uhr
gute rezi,dadurch mal wieder was neues entdeckt.trifft mit dem 80er wavepunk sound voll meinen geschmack.

Armin

Postings: 13815

Registriert seit 08.01.2012

2017-02-01 22:08:14 Uhr
Frisch rezensiert.



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