Train - A girl, a bottle, a boat

Train- A girl, a bottle, a boat

Columbia / Sony
VÖ: 27.01.2017

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Wo ist die Party?

Musikerinnen und Musiker weltweit sind sich dieser Sache bewusst: ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich in jeder Hinsicht ungeniert. Manch einer setzt sich dann im Vollrausch ans Autosteuer, andere sind schon froh, wenn ihnen unvorteilhafte Paparazzi-Fotos sowieso nicht mehr negativ angerechnet werden können. Der Großteil aber nutzt die neu gewonnene Freiheit für künstlerischen Output: endlich nicht mehr tiefer sinken können.

Die Veröffentlichung einer Vielzahl von Platten kann einen ähnlichen Freiraum schaffen: Klar, sich immer wieder auf seine ausgetüftelten Fähigkeiten als Band zu beschränken, kann sich bewähren. Andererseits, wieso nicht einfach irgendwann eine ganz andere Richtung einschlagen? Theoretisch sind es optimale Bedingungen, mit denen Train ins Studio gegangen sind, um ihre Muse zu entfalten, praktisch ist Musik aber eben das, was man daraus macht.

Und tatsächlich hat das Gespann aus San Francisco bei seinem achten Studioalbum "A girl, a bottle a boat" noch den Überraschungseffekt auf seiner Seite. Nachdem das 2014 erschienene Werk "Bulletproof Picasso" mit brennendem Cadillac auf dem Cover noch der Versuch eines authentischen Rockalbums war, schlägt der Nachfolger jetzt wieder eine deutlich seichtere Richtung ein. So wird ein aufdringlicher Musikwunsch an den DJ in "Play that song" zur Schunkelballade. Dass Frontmann Pat Monahan auch schon besser darin war, die Töne zu treffen, sollte spätestens hier klar sein. Mit Sprechgesang und unglücklich hohen Tönen balanciert er zwischen einem Grad, bei dem das ganze noch als Radiosong taugen würde und einer absolut fragwürdigen Aneinanderreihung von Geräuschen.

Die Formation, für die es schon seit ihrem Debüt nie mehr wirklich bergauf ging, wagt immer wieder zaghafte Versuche, Partyhymnen einzusingen. "The lottery", "Silver dollar" und "Lost and found" daddeln ohne Spannungsbogen umher. Nur der erzwungen jugendliche Sound, der noch am ehesten mit den frühen Maroon 5 vergleichbar scheint, ist auffällig.

Der einzige Rettungsanker, den Train sich mit ins Boot geholt haben, ist die Sängerin Priscilla Renea, welche sich beste Mühe gibt, Monahan zurecht aus dem Mittelpunkt zu drängen. Mit der kurzen Bridge, die ihrer außergewöhnlichen Stimme in "Loverman" zugeteilt wird, ist das aber kaum möglich, obwohl ihr Part auch wirklich das Einzige ist, was zum Schluss noch im Gedächtnis bleibt. Trotz all der guten Voraussetzungen: Train scheinen nicht nur wie Comicfiguren, die mit jeder Veröffentlichung mehr nach Anerkennung lüstern, sie sind es auch. Und die lang ersehnte Muse hat sie schon seit "Drops of Jupiter" verlassen.

(Lena Zschirpe)

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Highlights

  • Loverman (feat. Priscilla Renea)

Tracklist

  1. Drink up
  2. Play that song
  3. The news
  4. Lottery
  5. Working girl
  6. Silver dollar
  7. Valentine
  8. What good is saturday
  9. Loverman (feat. Priscilla Renea)
  10. You better believe

Gesamtspielzeit: 37:09 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2017-01-25 22:06:11 Uhr
Frisch rezensiert.

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