Sleater-Kinney - Live in Paris

Sleater-Kinney- Live in Paris

Sub Pop / Cargo
VÖ: 27.01.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

Durch die Nacht mit ...

Eine Dekade mussten die Fans von Sleater-Kinney warten, dann erschien deren Comeback "No cities to love" endlich. Und nicht nur das: Die Damen nahmen ihr achtes Album auf eine ausgiebige Welttournee mit, im Zuge derer es sie am 20. März 2015 ins La Cigale nach Paris verschlug – irgendwie passend: An jenem Tag, an dem das wie Pech und Schwefel zusammenpassende und doch so grundverschiedene Trio Carrie Brownstein, Corin Tucker und Janet Weiss sich ein weiteres Mal die Bühne teilte, kam es zu gleich drei kosmischen Ereignissen. Und wo Sonnenfinsternis, Supermond sowie Tagundnachtgleiche für staunende Blicke gen Himmel sorgten, gab es bei Sleater-Kinney wie gewohnt was aufs Ohr.

Diese Nacht in Paris war allen Anschein nach also befriedigender als, nun ja, so manch andere, wovon sich dank der Veröffentlichung des ersten Live-Albums in der Bandgeschichte auch all jene überzeugen können, die leider nicht vor Ort dabei sein konnten. "Live in Paris" startet angemessen mit dem wild um sich schlagenden "Price tag", das auch schon "No cities to love" eröffnete, und einer Band in Höchstform: Tuckers Gesang peitscht sich Zeile für Zeile in die Gehörgange, Brownstein schrammelt um die Wette mit Weiss' wütendem Schlagzeugspiel – und das inoffizielle Tourmitglied Katie Harkin verdient sich einmal mehr ein paar Bonuspunkte fürs Sympathiekonto. Die hilft der bekannterweise bassfreien Band nämlich gleich doppelt aus und wechselt wie gewohnt zwischen Gitarre und Percussions.

Dennoch gibt es mehr Spaß denn Stress: Das niemals müde werdende "I wanna be your Joey Ramone" von 1996 heizt das Publikum ebenso an wie das drei Jahre später veröffentlichte "Start together" oder "A new wave" vom letzten Album, das fast schon twang-poppig daherkommt. Derweil gibt es mit zwei Tracks von "Dig me out" auch gleich zwei absolute Highlights: Während "Turn it on" sich erst in Ekstase und schließlich in schwindelerregende Höhen spielt, wischt der Titeltrack den Boden auf: Sleater-Kinney winden sich, verzehren sich, schlagen alles kurz und klein – und bedanken sich am Ende brav dafür, dass sie zum ersten Mal während dieser Tour eine zweite Zugabe spielen dürfen. Die kommt zugleich mit dem endgültigen Finalstück "Modern girl", das in seiner ganzen Dramatik und Melancholie vom anwesenden Publikum begleitet wird.

Dass man die Reaktionen vor der Bühne an so mancher Stelle bestens heraushören kann, liegt an der zugegebenerweise aalglatten Produktion: "Live in Paris" ist kein Album für Liebhaber kratziger Kelleraufnahmen, sondern hört sich aufgrund seiner glasklaren Aufnahme beinahe an, als käme es direkt aus dem Studio. Eine Freude zuzuhören ist es dennoch, etwa wenn Sleater-Kinney in "Oh!" zwischen Sechzigerjahre-Harmoniegesang und purem Chaos schwanken und die Fangemeinde den Kontrast dankbar als genau solchen aufnimmt. Oder wenn zuerst die Comeback-Single "No cities to love" für ähnliche Freudenschreie sorgt wie damals beim ersten Hören und anschließend das von der Bühne kommende, beinahe nebensächliche "We love Paris, by the way" noch mehr Beifall einbringt. Wäre es nicht so albern, würde man die heimische Musikanlage glatt anbrüllen. We love you, Sleater-Kinney! Merci beaucoup!

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Oh!
  • A new wave
  • I wanna be your Joey Ramone
  • Turn it on
  • Dig me out

Tracklist

  1. Price tag
  2. Oh!
  3. What's mine is yours
  4. A new wave
  5. Start together
  6. No cities to love
  7. Surface envy
  8. I wanna be your Joey Ramone
  9. Turn it on
  10. Entertain
  11. Jumpers
  12. Dig me out
  13. Modern child

Gesamtspielzeit: 47:53 min.

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User Beitrag

Underground

Postings: 869

Registriert seit 11.03.2015

2017-01-26 08:37:08 Uhr
Seit wann werden eigentlich auch Live-Alben rezensiert?

Armin

Postings: 13817

Registriert seit 08.01.2012

2017-01-25 22:06:01 Uhr
Frisch rezensiert.

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