Moon Duo - Occult architecture Vol. 1

Moon Duo- Occult architecture Vol. 1

Sacred Bones / Cargo
VÖ: 03.02.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das Gegensatz-Paar

"Ying und Yang, Yang und Ying, Du das mit den beiden, das ist schon so'n Ding." Sangen die hessischen Nonsens-Barden Badesalz einmal unter leichter reimdienlicher Abwandlung des sich anziehenden Gegensatzpaares aus der chinesischen Philosophie. Ein spezieller Fall sind von jeher auch Moon Duo aus Portland, Ripley Johnsons zweites Standbein neben Wooden Shjips und den stets bedröhnt zu Werke gehenden Psych-Rockern nicht unähnlich. Allerdings mit dem Unterschied, dass Sanae Yamada an den Keyboards bei Moon Duo stets für eine entrückt-säuselige Note sorgt, die aus Songs wie "When you cut" von "Mazes" bewusstseinserweiternde Klöpferchen machte und die stets präsente, haarscharf an weißem Rauschen entlangdelirierende Lärmkulisse dabei tapfer ignorierte. Yin und Yang, da waren sie wieder. Nur folgerichtig also, dass Johnson und Yamada dem Thema gleich zwei Alben hintereinander widmen. Mit vielversprechendem Auftakt.

"Occult architecture Vol. 1" setzt sich als Kontrast zum hellen Yang mit den Merkmalen des dunklen Yin auseinander, was an mehreren Songtiteln unschwer zu erkennen ist – zu monoton durchlaufender Beatbox, schneidendem kosmischem Geblubber und stählernen Saitenvibrationen. Und es war nicht anders zu erwarten: Ausgefeilte Kompositionen, musikalische Ideen im Überfluss und eine blendende High-End-Produktion kann man bei Johnson und Yamada wie üblich wacker vergessen. Teils zweistimmige, selbstvergessen durch die dichten Soundschwaden geisternde Vocal-Anrufungen und gelegentliche zwirbelige Lead-Ausflüge müssen reichen, um den sieben Songs wenigstens eine Ahnung von Melodieseligkeit zu verleihen. Und das ist auch auf dem vierten Moon-Duo-Longplayer gut so, nachdem "Circles" 2012 ein wenig schwächelte und "Shadow of the sun" mit "Animal" zuletzt gar einen mehr oder weniger waschechten Punkrocker enthielt. Ein solcher fehlt diesmal – doch auf die Zwölf gibt es trotzdem.

"Cold fear" nimmt sich neben dem monolithischen Uptempo von "Creepin'" beinahe wie reduziert zischelnder Cold Wave aus – wäre da nicht die dezent knurrige Ascheimergitarre, die das Stück beständig aufraut. Und da wir gerade beim Uptempo waren: Ungleich hitziger geht es im hyperventilierenden "Cross-town fade" zu, wo die Rhythmusspur als Dampfhammer fungiert, der die gummiartig dazwischenhüpfenden Elektro-Tupfer wirksam zermalmt. Und jagt Johnson halluzinogene Hochtöner in Ad-Lib-Manier durchs Effektgerät, während der Song allmählich auseinanderfällt, hat Sigue Sigue Sputniks Stumpf-Klassiker "Love missile F1-11" plötzlich einen bösen, doppelt so langen Zwilling. Womöglich der "Will of the devil", der sich in vergleichsweise feinsinnigen Synthie-Figuren äußert und kurz vor Schluss ein weiteres fideles Highlight auf "Occult architecture Vol. 1" pflanzt. Und als nächstes erwarten wir vom bald folgenden Yang-Gegenstück harmonische Vielfalt und himmlische Sphärenklänge. Okay, war ein Witz.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Cold fear
  • Cross-town fade
  • Will of the devil

Tracklist

  1. The death set
  2. Cold fear
  3. Creepin'
  4. Cross-town fade
  5. Cult of Moloch
  6. Will of the devil
  7. White rose

Gesamtspielzeit: 47:02 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2017-01-25 22:05:15 Uhr
Frisch rezensiert.

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