Dave Hause - Bury me in Philly

Dave Hause- Bury me in Philly

Rise / ADA / Warner
VÖ: 03.02.2017

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schema H

Hach, wie war das schön damals. 2011 zog Chuck Ragans Revival Tour mit Brian Fallon und Dan Andriano um den Globus. Highlight vieler Auftritte war jedoch der durch The Loved Ones eher semi-bekannte Dave Hause, welcher mit seiner starken Stimme und einer gehörigen Portion Leidenschaft den anderen Größen regelmäßig die Show stahl. Da wollte man es ihm gar nicht übel nehmen, ebenfalls den völlig ausgelatschten Weg von der Punkband zum etwas folklastigeren Solo-Projekt einzuschlagen. Mit dem sehr hörenswerten Zweitling "Devour" schwanden 2013 gar die Kritiker. Um es also mit einem der uramerikanischen Vorbilder zu sagen: "The future was wide open."

Schon die geradlinige Vorab-Single "With you" verriet, wo es 2017 mit "Bury me in Philly" thematisch hingehen soll. Nämlich in etwa Richtung: "Wir gegen die. Wir müssen hier raus, etwas wagen, denn bald sind wir tot. Dazu brauchen wir wenigstens ein paar Freunde. Und lass uns bloß nicht vergessen, wo wir herkommen." Für einen flotten und launigen Opener kann diese Ansammlung an Genre-Klischees zwar durchaus genügen. Wesentlich mehr gibt es die folgende gute halbe Stunde nur leider nicht zu entdecken, heißen die Songs nun "Dirty fucker", "Shaky Jesus" oder "The ride". Dabei ist es nicht per se schlecht, traditionelle Versatzstücke aufzugreifen, die jedem geläufig sind, der schon einmal etwas von weiteren hemdsärmeligen Künstlern wie Craig Finn, Rocky Votolato oder auch Bruce Springsteen gehört hat. Beispielsweise haben The Gaslight Anthem auf ihrem vor Zitaten und Anspielungen triefenden Meisterwerk "The '59 sound" bewiesen, wie man aus Altbewährtem etwas Eigenes kreiert. Für "Bury me in Philly" trifft der Umkehrschluss zu: Hause zitiert kaum, schafft es aber nicht, aus den bekannten Mustern etwas Eigenständiges oder wenigstens Überraschendes zu formen. Stattdessen sind es lediglich Hause' Stimme sowie dessen druckvolle Herangehensweise, die wie schon zu Zeiten von The Loved Ones aus manch durchschnittlicher Komposition mehr herausholen als eigentlich vorhanden ist.

Subtiles Songwriting mag nie Hause' Steckenpferd gewesen sein, mit "The bridge", "Jane" oder "Before" hat der Amerikaner sich dafür als talentierter Geschichtenerzähler mit dem Herz am rechten Fleck etabliert. Wenn allerdings solche Höhepunkte nicht mehr erreicht werden, sieht man nicht mehr so leicht über "I know I have flinched before / I ain't flinching anymore" aus, klar, "The flinch" hinweg. Ähnlich einfallslos verhält es sich leider auch musikalisch. Zu viele Songs zehren wie "Helluva home" lediglich von einem einzigen netten Einfall, was einfach zu wenig ist, um aus einem dreiminütigen "Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Brücke-Refrain"-Aufbau etwas Gutes zu machen. Da bringt es auch keine wirkliche Abwechslung, wenn hin und wieder ein Piano klimpert, der Beginn vom langweiligen "My mistake" arg nach The Hold Steadys "Stuck between stations" klingt oder "Divine Lorraine" etwas mehr Richtung Americana driftet. Immerhin fängt der abschließende Titeltrack die Energie der mitreißenden Live-Auftritte von Dave Hause ein, womit an den positiven Nebeneffekt von "Bury me in Philly" erinnert sei: Es gibt wieder einen Grund für eine Tour, bei der Hause seine Stärken wesentlich besser einsetzen und sich mit seinen Fans versöhnen kann.

(Marcel Menne)

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Highlights

  • The ride
  • Bury me in Philly

Tracklist

  1. With you
  2. The flinch
  3. My mistake
  4. The mermaid
  5. Shaky Jesus
  6. Divine Lorraine
  7. Dirty fucker
  8. The ride
  9. Helluva home
  10. Wild love
  11. Bury me in Philly

Gesamtspielzeit: 36:21 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 15248

Registriert seit 08.01.2012

2017-05-11 13:20:54 Uhr - Newsbeitrag
Dave Hause & The Mermaid im Juni auf Tour
Dave Hause kommt vom Punk, hat irgendwann den Folk entdeckt und bringt auf seiner neuen Platte alles zusammen. Seine ersten Schritte machte der Songwriter Mitte der 90er Jahre in diversen Hardcore-Bands aus Philadelphia bevor er sich 2004 in melodischere Gefilde begab und The Loved Ones gründet. Zwei Alben und eine EP gehen auf das Konto der Philly-Punks, die die Speerspitze des beseelten, melodiegetriebenen Punkrocks darstellen. Seit 2009 ist Hause solo und zunächst akustisch unterwegs. Sein Singer-Songwriter-Rock schlug in der Szene ein wie eine Bombe. Im diesem Februar nun erschien seine dritte Soloplatte: Mit „Bury Me In Philly“ blickt Hause jetzt gleichzeitig nach vorn und zurück. Letzteres äußert sich vor allem in der Wahl des Produzenten Eric Bazilian. Er ist vor allem durch seine Arbeit als Songwriter und Gitarrist der ebenfalls aus Philadelphia stammenden Poprocker The Hooters bekannt, die Hause als „lokale Helden meiner Kindheit“ bezeichnet. Mit seiner grobkörnigen Produktion legt Bazilian den wahren Kern von Hauses Musik frei, der zwar im Punk fußt, aber viel stärker mit den Tradition des American Songbook und dem Einstehen für die Ideale der Unterdrückten verknüpft ist. Dank dieser Platte hat die einstige Blue-Collar-Metropole Philadelphia jetzt auch ihren moralisch integren Songwriter, der Traditionalismus nicht mit der Anbiederung an rückschrittliche Ideologien verknüpft. Dass das live ganz hervorragend ankommt, bewies die umjubelte Tour, die Dave Hause im März zusammen mit seiner Begleitband, The Mermaid, absolviert hat. Jetzt hat Hause bestätigt, dass er im Juni für zwei weitere Auftritte nach Saarbrücken und Trier kommt.

Präsentiert werden die Shows von Ox-Fanzine & livegigs.de

28.06.2017 Saarbrücken - Kleiner Klub Garage
29.06.2017 Trier - Exhaus

Tickets gibt es für 20,00 Euro zzgl. Gebühren an allen bekannten CTS–VVK-Stellen sowie unter der Hotline 01806 – 853653 (0,20 €/Anruf aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,60 €/Anruf), auf fkpscorpio.com und eventim.de.

Mehr Infos und Musik unter davehause.com, facebook.com/DaveHauseMusic, twitter.com/hausedave, youtube.com/davehausemusic und instagram.com/davehause.

Till

Postings: 102

Registriert seit 19.08.2016

2017-01-26 11:01:05 Uhr
Live auch ohne Band eine verdammt coole Sau. Werde sicher trotzdem mal reinhören, "Devour" hatte schon echt ein paar Kracher.

Armin

Postings: 15248

Registriert seit 08.01.2012

2017-01-25 22:04:34 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 15248

Registriert seit 08.01.2012

2016-12-08 21:06:10 Uhr
Bruce Springsteen-, Billy Bragg- und Chuck Ragan-Fans aufgepasst: Der US-amerikanische Singer/Songwriter DAVE HAUSE hat für Anfang 2017 sein viel erwartetes neues Album und erstmals eine Europa-Tour mit Band angekündigt!

Sein drittes Solowerk „Bury Me In Philly“ erscheint am 03. Februar 2017 über das renommierte US-Label Rise Records. Der Nachfolger zum 2013er-Erfolgsalbum „Devour“ ist nicht weniger als eine Bereicherung für alle Anhänger von hemdsärmeligen, sehnsüchtigen Rootsrock und Alternative Country.

Die 1. Single „With You“ steht ab sofort auf YouTube bereit:



Im März 2017 kommt DAVE HAUSE zudem zum ersten Mal mit seiner Backingband The Mermaid auf Europa-Tour.

DAVE HAUSE & THE MERMAID - live 2017
mit: Dead Heavens und Robyn G Shiels
01.03. DE - Köln - Gloria
02.03. DE - Hannover - Faust
03.03. DE - Berlin - Gretchen
04.03. DE - Münster - Skaters Palace
05.03. DE - Wiesbaden - Schlachthof
06.03. AT - Wien - Arena
07.03. DE - München - Strom
08.03. CH - Zurich - Dynamo
09.03. DE - Stuttgart - Universum
10.03. NL - Rotterdam - Roton
11.03. BE - Hasselt - MOB
Die Tour wird präsentiert von Visions Magazin, Ox Fanzine, Livegigs.de, junge Welt, Melodie & Rhythmus und Ampya.
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