Apocalyptica - Reflections

Apocalyptica- Reflections

Island Mercury / Universal
VÖ: 10.02.2003

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Vergeigt

Die celloschwingenden Finnen sind wieder da. Bekannt geworden durch ein Album mit Metallica-Coversongs, haben sich die studierten Musici bereits auf dem Vorgängeralbum "Cult" mit durchaus stimmigen Eigenkompositionen hervorgetan. Nun liegt mit "Reflections" der vierte Longplayer der zum Trio geschrumpften Metal-Cellisten vor, und ein Blick auf die Tracklist verrät, daß hier erstmals sämtliche Stücke der eigenen Feder entfleuchten.

Die Herren Toppinen, Lötjönen und Kivilasko sind Mattenschüttler par excellence. Das behaupten sie nicht nur, denn auch die intensive Live-Präsenz, bei der das Spielgerät auch mal zu Bruch geht, untermauert dies. So legen die drei mit "No education" los, als gäbe es kein Morgen mehr. Unterstützt von Doublebass-Legende Dave Lombardo (Ex-Slayer) bricht ein wahres Riffgewitter über den Hörer her, wie man es von Apocalyptica in einer derart extremen Form nicht erwarten konnte. Dabei schaffen sie es, die Celli stets dermaßen nach Gitarre klingen zu lassen, daß man sich vergewissern will, ob nicht doch ein Klampfer mitgeholfen hat.

In "Faraway" zeigt Mastermind Eicca Toppinen, daß er durchaus der alten Komponistenschule zuzurechnen ist. Hier wird die Sonatenhauptsatzform in Perfektion dargeboten. Ein eigentlich eher simples Thema wird aufgegriffen, kunstvoll variiert und mit subtilen Steigerungen in der Dynamik zu einer spannenden Ballade verfeinert. Dennoch folgt bereits bei "Somewhere around" die erste Ernüchterung. Irgendwie meint man, das Riff schon mal gehört zu haben. Dazu hämmert Lombardo seinen ewig gleichen Stiefel herunter und zeigt, daß er zwar Geballer auf höchstem Niveau beherrscht, aber eben doch nur ballern kann.

Waren Toppinens Kompositionen, die ja schon seit Apocalypticas Zweitling nach und nach die Metal-Nachbauten verdrängten, auf der "Cult" noch echte Highlights, verirren sie sich nun zunehmend im verqueren Stilmischmasch zwischen Kammermusik, Orchester, Thrash und, ja, Nu-Metal-Riffs. Verzweifelt versuchen Apocalyptica möglichst viele Stile gleichzeitig unterzubringen, scheitern aber am Zusammenbau des Puzzles. So scheitert "Reflections" an seinen eigenen Ambitionen. Mit Sicherheit finden sich auch hier echte Höhepunkte, aber in Summe eben zuviel Durchschnittsware. Lebten die Coverversionen noch von der Überraschung, vom ungewöhnlichen Weg, bekannte Metal-Klassiker neu zu entdecken, muß die junge Truppe eingestehen, daß man dieses Mal nicht nur zuviel wollte. Das Konzept, so ungewöhnlich und einzigartig es auch erscheinen mag, ist erst einmal ziemlich durch.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • No education
  • Cohkka
  • Conclusion

Tracklist

  1. Prologue (Apprehension)
  2. No education
  3. Faraway
  4. Somewhere around nothing
  5. Drive
  6. Cohkka
  7. Conclusion
  8. Resurrection
  9. Heat
  10. Cortège
  11. Pandemonium
  12. Toreador II
  13. Epilogue (Relief)

Gesamtspielzeit: 49:05 min.

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