Talisco - Capitol vision

Talisco- Capitol vision

Roy / Virgin / Universal
VÖ: 27.01.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schwung in die Kiste

Der Franzose Jérôme Amandi, der hinter Talisco steckt, beschreibt sein künstlerisches Vorgehen wie folgt: Er läuft durch die Welt mit einer Kiste unterm Arm, in die er Emotionen, die er interessant findet, stets sofort hineinpackt. Wenn er sich zum Songschreiben an den Tisch setzt, öffnet er diese Kiste und baut die gewünschte Stimmung detailgenau nach. Dramatik, Melancholie und andere große Gefühle lassen ihn dabei völlig kalt. Er interessiert sich eher für die unzähligen Momente des Alltags, die das Leben erträglicher, lustiger oder bunter machen. Dabei bedient er sich einer erstaunlichen Vielfalt an Klangfarben und musikalischen Anleihen.

Man kann nur spekulieren, welche Situationen Talisco da jeweils musikalisch nachgebaut hat. Im Opener "A kiss from LA" stapfen eine Disco-Orgel, eine verzerrte Gitarre und langsame Clap-Beats gemächlich voran und erinnern an die das ruhige Glücksgefühl, früh morgens den im ersten Sonnenlicht leuchtenden Rauch zu betrachten, der aus den Dächern der Stadt emporsteigt. "Thousand suns" erhält seinen Nachdruck von eingestreuten Bläserfanfaren, die den Triumph begleiten könnten, sich den dritten Tag in Folge an seinen Diätplan gehalten zu haben. "Shadows" beginnt mit einer unschuldigen Countryfolk-Melodie und steigert sich dann zu dem Jubelschrei, den man innerlich ausstößt, wenn ein Bekannter öffentlich etwas Nettes über einen selbst sagt. "Loose" mit seinem unbeschwerten Nonsense-Refrain könnte den Adrenalinrausch beschreiben, der noch nachwirkt, nachdem man im letzten Moment in einen abfahrenden Zug gesprungen ist.

Ein echter Hit ist "Stay", zu dessen keckem Bongo-Getrommel es sich gut vor dem Ofen auf und ab tanzen lässt, während man etwas mit Käse überbackt (und sich denkt, dass Diäten doch überbewertet sind). Beim Hören von "The Martian man" freut man sich schon darauf, das Fahrrad aus der Garage zu holen, um zu romantischer Akustikgitarre und Amandis sanfter Stimme durch die frische Frühlingsluft zu radeln. "Behind the river" ist ein Song, der vor allem durch seine Pausen und Bremsungen spannend bleibt und sich bestens dafür eignet, sich völlig utopische Wunschszenarien bis ins kleinste Detail auszumalen. Für den Schlusssong "The race" lässt Amandi einen treibenden Song in bester Indierock-Manier bei einer Surf-Rock-Gitarre und Orgel-Dauerschleife leicht entgleisen. Doch anstatt die so aufgebaute Stimmung für ein pathetisches Finale auszunutzen, hört der Song danach einfach auf. Schmerzlos, undramatisch, wie wenn der Drucker nach drei vergeblichen Versuchen auf wundersame Weise doch noch druckt.

Taliscos Musik will nicht wehtun, sondern positive Energie verbreiten. Dass sich in seiner Wunderkiste neben den gesammelten Alltagserfahrungen auch die Werkzeuge sämtlicher erfolgreicher Indie-Bands wiederfinden, kann man ihm kaum übel nehmen, weil man sich längst mit seinem ansteckenden Optimismus infiziert hat. Und überhaupt, warum sollte man sich das Leben komplizierter machen, als es ohnehin schon ist?

(Eva-Maria Walther)

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Highlights

  • A kiss from LA
  • Stay
  • The race

Tracklist

  1. A kiss from LA
  2. Thousand suns
  3. Monsters and black stones
  4. Shadows
  5. Before the dawn
  6. Lose
  7. Stay
  8. Sitting with the braves
  9. The Martian man
  10. Behind the river
  11. The race

Gesamtspielzeit: 38:30 min.

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Armin

Postings: 13820

Registriert seit 08.01.2012

2017-01-18 22:03:39 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Pepe

Postings: 220

Registriert seit 14.06.2013

2016-11-27 13:34:49 Uhr
Ne.

Armin

Postings: 13820

Registriert seit 08.01.2012

2016-11-25 20:12:43 Uhr
Sehr gut:

Armin

Postings: 13820

Registriert seit 08.01.2012

2016-09-12 22:37:24 Uhr
Der französische Songwriter und Sänger Talisco veröffentlicht am 27. Januar 2017 sein neues Album "Capitol Vision". Die neue Platte erscheint wie auch schon das Debüt vor zwei Jahren bei Virgin Records. Einen ersten Eindruck erhält man mit dem Musikvideo zum Song "A Kiss From L.A.".

Talisco gehört zu den Menschen, die stets in Bewegung sein müssen. "Man könnte sagen, dass ich ein Vagabund bin", erzählt der französische Sänger. In den letzten zwei Jahren war ich eine Menge unterwegs. Auf mein neues Album hatte das einen großen Einfluss." "Capitol Vision" heißt es, und könnte persönlicher kaum sein.

Talisco, der bürgerlich Jérôme Amandi heißt, wurde in Bordeaux geboren. Schon im zarten Alter von elf Jahren begann er Musik zu machen. Mit 20 siegte die Vernunft: Um Geld zu verdienen, nahm er einen Job im Bereich Marketing und Kommunikation an. Zehn Jahre lang ließ er die Musik links liegen – bis sein Onkel ihn ermutigte, seinen Traum zu leben. 2014 erschien schließlich Taliscos Debütalbum "Run". Es bescherte ihm die Hit-Single "Your Wish" und Touren durch ganz Europa und Amerika: Über 200 Konzerte hat er in den vergangenen zwei Jahren gespielt.


"Ich arbeite gerne alleine", sagt der Multiinstrumentalist Talisco zur Entstehung von "Capitol Vision". "Was meine Musik angeht, bin ich ein echter Diktator. Ich hatte eine klare Vision, wie dieses Album klingen soll." Doch nicht nur musikalisch, sondern auch textlich ist das Album zu 100 Prozent Talisco. Während "Run" größtenteils von fiktionalen Charakteren handelte, geht es dieses Mal um wahre Geschichten. "Das Album handelt von all den Dingen, die ich in den letzten zwei Jahren erlebt habe", so Talisco. "Von verrückten Partys, meiner Liebe zu Los Angeles, von Menschen, die ich getroffen habe, aber auch vom Tod." Im April letzten Jahres – Talisco war gerade in Los Angeles – verstarb sein Onkel. Der Onkel, der ihn einst überzeugt hatte, seinem Herzen zu folgen.

"Capitol Vision" von Talisco erscheint am 27. Januar 2016. Davor ist Talisco noch einige Male live in Deutschland zu sehen.

25.11.2016 Köln, Gebäude 9
26.11.2016 Heidelberg, Karlstorbahnhof
28.11.2016 Berlin, Musik & Frieden


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