The Devils - Dark circles

The Devils- Dark circles

Tapemodern / Artful / Fulfill / Universal
VÖ: 10.02.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Simple minds

Tonbänder. Kassetten. Ferro oder Chromdioxid. Ja, ja, das waren noch Zeiten. Damals, als die Eltern der heutigen Generation MP3 gerade mit dem ersten Sommerferienverdienst auf ihren ersten eigenen Recorder sparten, hatten die Punks gerade ihre Sicherheitsnadeln gegen Schminke getauscht. Mit Plastik am Körper und schnaufenden Analog-Synthesizern an der Hand versuchte plötzlich jeder, so etwas ähnliches wie Musik zu machen. Am Ende der Siebziger herrschte wahrhaft kreatives Chaos. Kurze Zeit später jedoch hatten gegelte Krawattenträger und süffisante Hosenanzüge längst allen Schwung ausgelutscht und das Jahrzehnt der Neonröhre eingeleitet. Manierierte Schönlinge wie Duran Duran landeten plötzlich reihenweise an der Spitze der Charts.

Dabei hatten auch die hübschen Jungs aus Birmingham mit reichlich schrägem Kram angefangen. 1978 war noch ein gewisser Stephen Duffy dabei, der später mit "Kiss me" einen kleinen Pophit hatte und mit The Lilac Time ziemlich übersehenen, aber immerhin schönen Folkpop zustande brachte. Und während auch sein Ex-Kollege Nick Rhodes langsam, aber sicher zu einer der vielen Fußnoten der Musikgeschichte wurde, gammelte irgendwo in einem Schreibtisch ein altes Tape mit Aufnahmen von einst herum. Jugendsünden. Schülerband-Niveau. Und doch nicht ohne Reiz. Rhodes und Duffy staunten nicht schlecht, als ihnen diese Mitschnitte in die Hände fielen. Bald wurden aus dem Staunen echte Begeisterung. Die beiden packten den großen Staubwedel aus, entmotteten die mittig antiquierten Gerätschaften von damals und machten exakt dort weiter, wo sie vor fünfundzwanzig Jahren aufgehört hatten. Overdubs mal anders.

Auf "Dark circles" nehmen uns The Devils mit in die eigene Vergangenheit. Aber nicht daß jemand glaubt, es hier mit trockener Vergangenheitsbewältigung zu tun. Nein, das süffige Leichenfleddern macht durchaus Spaß. Mindestens den beteiligten Musikern. Während Rhodes zu den archaischen Songskizzen recht eckigen Elektrofunk zusammenbastelt, versucht sich Duffy an authentischen bis amüsanten Verkörperungen von Iggy Pop, David Bowie, Peter Murphy (Bauhaus) und Howard Devoto (Magazine). Die aus dem Rauschen geretteten Gitarrendissonanzen und die herrlich nach Plastik schmeckenden Beats tun ihr übriges, um für reichlich Atmosphäre zu sorgen.

Zwischen den mal verschrobenen, mal verkitschten Ergebnissen bekommt das Duo sogar ein paar wirklich nette Songs hin. "World exclusive" hüpft lässig an vollmundigen Gitarren vorbei, und in "Lost decade" zirpen analoge Grillen zu Duffys augenzwinkerndem Crooning. Die beseelten Frauenchöre wirken derart aufgesetzt, daß man gleich merkt, wie wenig ernst sich die Devils nehmen. Es ohoot und ahaat zu trashigen Keyboard-Flächen und schon steigt einem der bittersüße Pop-Duft in die Nase, den die Klasse von 1978 verbreitete. Zum Glück riecht der nur ein ganz kleines bißchen muffig.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Big store
  • Come alive
  • World exclusive
  • Lost decade

Tracklist

  1. Memory palaces
  2. Big store
  3. Dark circles
  4. Signals in smoke
  5. Come alive
  6. Hawks do not share
  7. Newhaven-Dieppe
  8. World exclusive
  9. Aztec moon
  10. Lost decade
  11. Barbarellas
  12. The tinsel ritual

Gesamtspielzeit: 48:12 min.