Charlie Cunningham - Lines

Charlie Cunningham- Lines

Dumont Dumont / Rough Trade
VÖ: 27.01.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Spanische Hand

Charlie Cunningham ist zwar Brite, die Chance, ihm 2015 oder 2016 in Deutschland über den Weg gelaufen zu sein, war aber gar nicht so gering. Mit seinen bislang drei veröffentlichten EPs "Outside things", "Breather" und "Heights" zog es ihn immer wieder zu uns, als Support-Act, zu Festivals und in schnell zu klein geratene Venues. Cunninghams bloßes Erscheinungsbild schenkt ihm eine Aura der Grundsympathie; die verschobenen Mundwinkel lassen ihn beim Singen obendrein verschmitzter wirken, als es die wärmespendenden Stücke und die weiche, leicht verschnupfte Stimme des Singer-Songwriters hergeben.

Sicher gibt es aufregendere Settings als Stuhl, Mann, Gitarre, Mikro. Weil Cunningham sein Instrument aber als rhythmischen Sidekick anstellt, bleiben ermüdende Abnutzungserscheinungen aus. Gelernt und abgeguckt hat er sich den perkussiven Einsatz der Klampfe beim Flamenco, als er auszog nach Sevilla. Cunningham adaptiert die spielerische Form aber eben zu seiner eigenen Ausdrucksform, beispielsweise im Refrain von "Lights off" oder "You sigh". Der Effekt verstärkt sich noch einmal mehr durch den Raumklang auf "Lines", der jedem Klopfen auf das Gitarrengehäuse noch ein zartes Echo spendet. Manchmal streut der Wahl-Londoner – wie zum Dank für die Möglichkeit, sich dergestalt ausdrücken zu können – ein paar "spanische Pickings" in die Anfangssaiten von "Born" oder dem eher als Interlude fungierenden "Molino", dem spanischen Wort für Mühle.

"I'm not hear to pick a fight / But we can if you like", singt Cunningham in "I can be". Die Fetzen sind hier, wenn überhaupt, tags zuvor geflogen. Sporadisch mögen noch Reste durch die Gegend schweben. Wie Aschefunken, die der Wind dem Lagerfeuer entführt. So ist dann auch der Einsatz weiterer Instrumente zu sehen: Cello, gedämpfte Bläser und synthetische Lebensadern und Faserungen sind federleichtes aber vitalisierendes Beiwerk für "An opening" oder den Titeltrack.

Cunningham wirkt auf Veränderungen im Kleinen hin. Die Ballade "How much" spielt er am Piano, was die anfängliche, tiefe Intonation in ein anderes Licht rückt. Bei "Breather" wiederum jongliert er mit Tempo und unterschiedlichen Mikrofonen. Gäbe es ein Hotel mit José-González-Komfort und spartanischer The-Slow-Show-Abendunterhaltung, liefe dort "Minimum" – das ausgerechnet das Maximum an Dynamik auf "Lines" beherbergt – sicher nach Junips "Line of fire". Nicht nur, weil die Zeile tatsächlich Erwähnung findet. Wir haben nach Banalitäten gesucht und uns lieber in der Melodiösität verloren.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • An opening
  • Minimum
  • How much
  • Breather
  • You sigh

Tracklist

  1. An opening
  2. I can be
  3. Born
  4. Lines
  5. Lights off
  6. Minimum
  7. Answers
  8. How much
  9. Breather
  10. Molino
  11. You sigh
  12. While you are young

Gesamtspielzeit: 36:54 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2017-01-18 22:00:33 Uhr
Frisch rezensiert.

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