Pain Of Salvation - In the passing light of day

Pain Of Salvation- In the passing light of day

InsideOut / Sony
VÖ: 13.01.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Zurück ins Leben

Es war verdammt knapp. Viel hat nicht gefehlt, und diese Rezension wäre ein Nachruf geworden. Denn die zunächst eher beiläufige Bemerkung im Jahr 2014, Daniel Gildenlöw müsse sich kurzfristig in ärztliche Behandlung begeben, entpuppte sich beim genaueren Lesen der Pressemitteilung (sowie mit etwas Recherche im Fachwerk "Pschyrembel", was halt so im Haushalt herumliegt) als äußerst lebensbedrohliche Gewebeinfektion beim Frontmann von Pain Of Salvation. Oder, um es boulevardesk auszudrücken: Gildenlöw ist dem Tod so eben noch von der Schippe gesprungen. Nun sind Alben der schwedischen Prog-Metaller schon immer lyrisch tief gehende Konzeptalben gewesen. Insofern ist die Nachricht, dass Gildenlöw überhaupt wieder Musik machen kann, die deutlich größere Überraschung als die Information, dass "In the passing light of day" das Vehikel des Sängers und Gitarristen ist, diese Zeit der Ungewissheit und der schweren Operationen für sich zu verarbeiten.

Wer nun meint, die Platte würde in Larmoyanz versinken, sieht sich allerdings umgehend eines Besseren belehrt. Denn "On a Tuesday" beginnt durchaus ruppig, so ruppig wie lange nicht bei den Schweden. Und doch treffen die ersten geflüsterten Textzeilen wie ein Keulenschlag: "I was born in this building / It was the first Tuesday I've ever seen / And if I live to see tomorrow / It will be my Tuesday number 2119." Die Erkenntnis also, an der eigenen Geburtsstätte dem Tod entgegen zu dämmern, muss niederschmetternd sein. Gildenlöw kanalisiert diesen Gefühlsstrudel mit einem der spannendsten Prog-Metal-Songs, die seit langer Zeit aus seiner Feder geflossen sind. Da rattern Stakkato-Riffs, nur um rüde die Bremse zu treten, da wechselt die Stimmung von Verzweiflung zu Depression zu Wut, steigert die Spannung in einer wüsten Metal-Eruption – und breitet dann die Arme zu einem epischen Refrain aus.

Auch die folgenden Songs werden von dieser Schwermut dominiert, walzen drohend alles nieder. Riffgebirge türmen sich auf, aus denen Gildenlöws Gesang, mal flüsternd, mal schreiend, verzweifelt auszubrechen versucht. Was für eine Intensität, was für eine Dichte. Und plötzlich erneut der emotionale Tritt in die Magengrube. Superlative sind bekanntermaßen immer gefährlich, aber man muss verdammt lang in der Diskographie der Schweden suchen, um eine ähnlich unfassbare Gesangsleistung ihres Frontmanns wie bei der tieftraurigen Ballade "Silent gold" zu finden. Auf der Vinyl-Ausgabe dieses Albums müsste diese Großtat eigentlich am Ende der A-Seite platziert sein, damit diese Wucht wenigstens für die Dauer des Umdrehens der Platte noch ein wenig nachwirken kann. So muss "Full throttle tribe", eine Eloge auf die Band, die von ihrem Sänger im zarten Alter von elf Jahren gegründet wurde, nochmals alle Anstrengungen unternehmen, um hier nicht unterzugehen. Was schade wäre, gibt es doch gerade hier eine Fülle an Referenzen auf die musikalische Vergangenheit der Skandinavier zu entdecken.

Und als sollte das alles nochmals in einem einzigen Track zusammengefasst werden, tritt "Reasons" auf den Plan. Vordergründig ein reinrassiger Prog-Metal-Song, explodiert die Nummer im Mittelteil in eine Vielzahl von Spielereien, die mitnichten wie Stückwerk wirken, sondern wie eine Achterbahn durch die Genres hetzen. Und der Satzgesang zu Beginn grüßt die alten Freunde von Transatlantic. Auf ähnlichem Niveau wie übliche Releases der Prog-Supergroup bewegt sich "In the passing light of day". Doch während die amerikanisch-britische Zweckgemeinschaft, die von Gildenlöw auf der Bühne verstärkt wird, eher durch anspruchsvolle Frickeleien auffällt, verblüfft der Schwede bei seiner Hauptband durch Songdienlichkeit, auch wenn ausgerechnet das abschließende "The passing light of day" vielleicht ein bis zwei Minuten kürzer hätte ausfallen können. Erstaunlich angesichts des Themas, doch wenig überraschend im Vergleich zum bisherigen Schaffen. Fast könnte man also tatsächlich meinen, dass hier ein Künstler seinen eigenen Nachruf geschaffen haben könnte. Gottlob ist dies nicht der Fall. Möge es Daniel Gildenlöw vergönnt sein, mit Pain Of Salvation noch viele Alben auf diesem Niveau produzieren zu dürfen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • On a Tuesday
  • Silent gold
  • Reasons

Tracklist

  1. On a Tuesday
  2. Tongue of God
  3. Meaningless
  4. Silent gold
  5. Full throttle tribe
  6. Reasons
  7. Angels of broken things
  8. The taming of a beast
  9. If this is the end
  10. The passing light of day

Gesamtspielzeit: 71:49 min.

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javra

Postings: 7

Registriert seit 29.07.2014

2017-02-15 18:16:46 Uhr
Ich finde, das Album hat etwas zu wenige Punkte abbekommen hier. Ist doch definitiv ihr bestes seid Remedy Lane...
maad
2017-01-18 13:23:40 Uhr
In der Prog-Szene gibt es wohl gerade eine Bewegung der Rückbesinnung: Pineapple Thief kehren mit "Your Wilderness" nach ihrem Pop-Ausflug zum Artrock/Prog zurück, Pain of Salvation haben mit "In the Passing Day of Light" ihr Blues/Hardrock-Experiment endlich beendet, Devin Townsend lässt mit "Transcendence" auch endlich seine Versuche, seinen Sound mainstreamtauglicher zu machen. Jetzt muss nur noch Phideaux's "Infernal" nach seiner Rückbesinnung von den Live-Band-Eskarpaden zurück zum One-Man-Studio-Projekt so gut werden wie "Doomsday Afternoon", dann bin ich bereit zu sagen: Wir haben ein neues goldenes Zeitalter für Progger.

Donny-

Postings: 52

Registriert seit 19.12.2016

2017-01-14 12:48:08 Uhr
Dem stimme ich zu!
Wolfgang
2017-01-14 11:49:35 Uhr
Sehr gutes Teil. Grandiose Mischung aus ihren Anfängen und den Road Salt-Alben (Songwriting und Sound).

Armin

Postings: 8926

Registriert seit 08.01.2012

2017-01-11 21:56:17 Uhr
Frisch rezensiert.

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