Sofia Härdig - And the street light leads to the sea
Solaris Empire / Broken Silence
VÖ: 20.01.2017
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
Girl in a band
"What's it like to be a girl in a band?", fragte Kim Gordon dereinst zu Beginn von Sonic Youths Schwanengesang "The eternal". Ein Problem, welches die Schwedin Sofia Härdig bisher überhaupt nicht kannte. Seit bereits über einem Jahrzehnt schraubte sie abseitige, wütende und psychotische Songkonstrukte weitestgehend alleine an ihrem Laptop zusammen – nennenswerte Notiz nahm davon höchstens nur die Szenejournaille aus ihrem Heimatland. Ihr fünftes Album "And the street light leads to the sea" lässt hingegen die Vermutung zu, dass ihr mit der Zeit das Eremitendasein zu blöde wurde. Alle Zeichen stehen auf Flucht nach vorne: die satte Bandinstrumentierung, die ansprechende Optik, die bessere Produktion. Dabei ist hier aus kompositorischer Sicht nichts neu. Die frisch eingespielten acht Songs stammen ursprünglich alle von den Vorgängeralben, zwei Remixe füllen zudem am Ende die Spielzeit aus. Klingt nach Sparpackung, ist aber ein größerer Sprung nach vorne, als es theoretisch den Anschein hat.
Vom idyllischen Albumtitel und der ästhetischen Gestaltung sollte man sich keinesfalls blenden lassen. "And the street light leads to the sea" ist alles andere als ein Spaziergang, es brennt in den Augen und ziept in den Haaren. Erinnerte Härdig auf den Originalfassungen stellenweise an eine Art weiblichen Trent Reznor, ist nun dank der vollwertigen Begleitband die frühe PJ Harvey als Referenz deutlich näher. Ihr wisst schon, damals, als jene noch mit imaginärer Gemächtsgröße prahlte anstatt von Kaffeefahrten durch Armenviertel berichtete. Katharsis ist für Sofia Härdig das Grundprinzip. Der Opener "Streets" erfährt durch die Neubehandlung eine massive Aufwertung, profitiert von muskulösen Grooves und Härdigs exaltiertem Vortrag. Welcher – das sei gesagt – keine niedrige Einstiegshürde darstellt. Wer beispielsweise die erschöpfenden, zeternden vier Minuten von "Swim" unfallfrei durchstehen will, braucht ein dickes (Trommel-)Fell.
"And the street light leads to the sea" ist in gewisser Hinsicht ein gemeines, zerstörerisches Album – sich selbst und dem Hörer gegenüber. Atempausen gibt es nicht, dafür ziehen sich Feedbackattacken und Störgeräusche quer durch Songs wie "The norm". Härdig driftet hier zwischen Spoken-Word-Territorium und keifendem Gesang hin und her, der Groove mahlt derweil unbekümmert weiter. Eigentlich passt auf dem Papier nichts zusammen und ergibt doch ein beeindruckendes Ganzes. So wie auch im kontrapunktreichen "Closed eyes", das im später folgenden Remix durch die elektronisierte TripHop-Note tatsächlich noch verbessert wird. Und seinen Teil dazu beiträgt, dass Sofia Härdigs Standortbestimmung nach Einreißen der eigenen Gewohnheiten und Neukonstruktion des Sounds so rundum geglückt ist. Bleibt nur abzuwarten, wie lange es die frisch zusammengezimmerte Band mit dieser impulsiven Naturgewalt im Studio aushält.
Highlights
- Streets
- The norm
- Closed eyes (Remix)
Tracklist
- Streets
- Swim
- The norm
- Sitting still
- Closed eyes
- Low and slow
- Bring it home
- Little delight
- Closed eyes (Remix)
- Bring it home (Remix)
Gesamtspielzeit: 41:01 min.
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Randwer Postings: 3128 Registriert seit 14.05.2014 |
2017-01-11 22:10:28 Uhr
Sehr schön. Das könnte mir gefallen. |
Armin Plattentests.de-Chef Postings: 27219 Registriert seit 08.01.2012 |
2017-01-11 21:55:45 Uhr
Frisch rezensiert.Meinungen? |
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Referenzen
PJ Harvey; Sonic Youth; Rose Kemp; Scout Niblett; Elysian Fields; Lisa Germano; Sleater-Kinney; Esben And The Witch; The Breeders; BOL; Pharmakon; Melissa Auf Der Maur; Patti Smith; Anna Von Hauswolff; St. Vincent; Cat Power; Hole; Courtney Love; The Dresden Dolls; Tori Amos; The Velvet Underground; Throwing Muses
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- Sofia Härdig - And the street light leads to the sea (2 Beiträge / Letzter am 11.01.2017 - 22:10 Uhr)