Calla - Televise

Calla- Televise

Quartermass / EFA
VÖ: 03.02.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

The big sleep

Die Stadt, die nie schläft, erwacht wieder. Natürlich hat es seine Zeit gedauert, bis New York den 11. September verdaut hatte. Schock, Hilflosigkeit und Trauer überwunden waren. Nun kehrt aber doch langsam wieder der Zustand ein, der im Big Apple der Normalität am nächsten kommt. Börsenbroker führen ihre 5.000 $-Anzüge aus. Coffeeshops verticken überteuerte Frühstücks-Bagles. Taxi-Fahrer mißachten Verkehrsregeln. Und nicht zu vergessen die Musikszene, die sich in den vergangenen 18 Monaten endlich wieder ihrer Bestimmung bewußt wurde und mehr Ausnahmetalente hervorbrachte als sämtliche deutsche Casting-Shows zusammen.

Eine Band wie Calla will da so gar nicht in den Aufwärtstrend passen. Dieses Trio ist toter als tot. Einst von Texas nach NY übergesiedelt, mussten sie mittlerweile die schmerzhafte Erkenntnis schlucken, dass es doch kein Entrinnen vor George W. gibt. Möglich, daß sie deshalb ihre Musik der ganz gemeinen Art zelebrieren. Träge Gitarren umkreisen hilflose Hörer, schaukeln sich langsam zu haushohen Feedbackmauern hoch. "Something's gotten into your head" zischt eine Stimme. Sie ist nicht mehr als ein Flüstern. Störgeräusche fuschen dazwischen. Die nackte Angst. "I can get the same effect / If you strangle me". Die Gänsehaut weiß gar nicht, wie ihr geschieht.

Es ist die unerträgliche Langsamkeit ihres Seins, mit der Calla Drahtseilnerven in Bindfäden verwandeln. Selbstvertrauen in Selbstmitleid. Dicke Hose in Hose voll. Die vertrackten Gitarrengemeinheiten des Openers "Strangler" reißen tiefe Wunden in wehrlose Nervenkostüme, der hinkende TripHop-Beat des düsteren "Monument" legt genüßlich den Finger rein. Obwohl sie niemals laut wird, weiß man, daß diese Musik gefährlich ist. Blickt sich aufgeregt um, wenn der infernale Steigerungslauf von "As quick as it comes / Carrera" die Apokalypse beschwört. Und zuckt bei jedem Schlag auf die Snare zusammen, wenn das beunruhigend ruhige "Surface scratch" das Gruselkabinett beschließt. Hannibal Lecter könnte sowas beim Kochen hören. Kuschelrock für Serienkiller.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Strangler
  • Don't hold your breath
  • As quick as it comes / Carrera
  • Surface scratch

Tracklist

  1. Strangler
  2. Monument
  3. Astral
  4. Don't hold your breath
  5. Pete the killer
  6. Customized
  7. As quick as it comes / Carrera
  8. Alacran
  9. Televised
  10. Surface scratch

Gesamtspielzeit: 46:09 min.

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