Run The Jewels - Run The Jewels 3

Run The Jewels- Run The Jewels 3

Cooking Vinyl / Sony
VÖ: 25.12.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Endlicher Spaß

Was hast Du zu Weihnachten bekommen? Ein lustiges Buch, aha. Neue Socken, kennt man ja. Teeservice, soso. Aber hast Du nicht was vergessen? In der Nacht zum 25. Dezember 2016 warfen nämlich Killer Mike und El-P alias Run The Jewels ihr langersehntes und oft verschobenes drittes Album in die Welt hinein. Als Gratis-Download, Ehrensache. Man hätte bereits die Ankündigung "A Christmas fucking miracle" auf der ersten Platte für voll nehmen sollen. Seitdem sind die beiden zusammen längst größer, als sie es einzeln je waren – die neuen OutKast quasi. Nur mit weniger gutem Benehmen, dafür mit noch mehr Wumms. Killer Mike, der nach schwindendem Erfolg eigentlich schon kurz vorm Aufhören stand. Und El-P, der ordentlich Arbeit mit dem eigenen Label hatte und als Produzent und Rapper über den Geheimtipp-Status nie hinauskam. Allerspätestens als Amerikas Lieblings-Trendgazette "Run The Jewels 2" ganz oben auf der Jahresendliste stehen hatte, merkten auch immer mehr HipHop-Fremdlinge, dass hier was zu holen ist. "Run The Jewels 3" hat sich derweil spürbar eine Mission auferlegt. Größer, brillianter, umfassender soll es diesmal sein. "Blockbuster night" – jetzt erst recht.

Der dritte Teil der Erfolgsgeschichte spannt einen klaren Bogen über die gesamte Spielzeit. Fallen zu Anfang noch die gewohnten Stimmungsmacher mit energischer Präsenz und stetem Fluss ineinander hinein, verdunkelt sich die Atmosphäre im Verlauf der Platte, ohne dass ein konkreter Punkt des Umschlagens erkennbar wäre. Der Opener "Down" leiht sich gleich mal in bester Fennesz-Manier angebrutzelte Elektro-Kreationen aus, um in der Folge mit Sängerin Joi Gilliam in einen süßlichen Refrain zu münden. Im Folgenden wird der Fan bestens bedient: "I'm dirt, motherfucker, I can't be crushed", lässt El-P in "Talk to me" verlauten. "Your life can end like in 'Godfather 1' / You get the gun as I christen my son", spuckt Killer Mike in "Legend has it" hinterher. "Call Ticketron" gerät besonders mitreißend und fräst sich durch einen eingängigen Beat ins Gedächtnis, Danny Brown darf derweil anschließend wieder beweisen, dass er über wirklich jede Beat-Grundlage problemlos rappen kann.

Während Hälfte eins also das Ping-Pong-Spiel zwischen den Rappern in den Vordergrund stellt, legen die Songs zu fortgeschrittener Spielzeit zunehmend mehr Wert auf eine gewisse Nachdrücklichkeit und Ernsthaftigkeit. "How long before the hate that we hold / Lead us to another Holocaust?", fragt Killer Mike zu Beginn des von der US-Präsidentschaftswahl geprägten "2100", das im Anschluss in einen der besten Beats des Albums verfällt, aber vom energischen "Panther like a panther" gleich noch rechts überholt wird. Im Closer darf sogar der alte Maschinengegner Zack de la Rocha überraschend und in der Tracklist unangekündigt nach dem 2015er Hit "Close your eyes (and count to fuck)" einen weiteren Vers abliefern. Davor aber steht der eindeutig melancholischste Moment: "Thursday in the danger room", eine Widmung an zwei verstorbene Freunde, ergeht sich dank Kamasi Washingtons wunderbarem Saxophon in elegischer Schönheit. Im Dauerfeuer der ersten beiden Platten wäre ein solcher Track nur schwer denkbar gewesen, hier ist er Teil des natürlichen Übergangs.

Die Zutaten mögen sich ansonsten zwar nicht grundsätzlich geändert haben, aber "Run The Jewels 3" ist bei weitem nicht die Nummer Sicher, die sich Killer Mike und El-P locker hätten leisten können. Die deutlich längere Spielzeit und der höhere Anteil an nachdenklichen und düsteren Songs laufen konträr zu dem, was "Run The Jewels 2" in der Hauptsache ausmachte: Witz, Schlagfertigkeit und Kompaktheit. Eindrucksvoll zeigen Run The Jewels stattdessen, dass sie als Duo noch zu weit mehr fähig sind, als sich bislang abzeichnete. Kein unendlicher Spaß mehr, der Ernst der Realität wird zusätzlich kongenial eingefangen. Es wird sich herausstellen, an welchem Tag das nächste "fucking miracle" hervorgebracht wird – ein Feiertag dürfte es aber so oder so sein.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Down (feat. Joi)
  • Call Ticketron
  • 2100 (feat. Boots)
  • Panther like a panther (Miracle mix) (feat. Trina)
  • Thursday in the danger room (feat. Kamasi Washington)

Tracklist

  1. Down (feat. Joi)
  2. Talk to me
  3. Legend has it
  4. Call Ticketron
  5. Hey kids (Bumaye) (feat. Danny Brown)
  6. Stay gold
  7. Don't get captured
  8. Thieves! (Screamed the ghost) (feat. Tunde Adebimpe)
  9. 2100 (feat. Boots)
  10. Panther like a panther (Miracle mix) (feat. Trina)
  11. Everybody stay calm
  12. Oh Mama
  13. Thursday in the danger room (feat. Kamasi Washington)
  14. A report to the shareholders / Kill your masters

Gesamtspielzeit: 51:37 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 8044

Registriert seit 07.06.2013

2017-06-17 20:50:45 Uhr
WIEDDER reingehört. HipHop höre ich eher phasenweise.

Rote Arme Fraktion

Postings: 2032

Registriert seit 13.06.2013

2017-06-17 19:14:32 Uhr
Jetzt erst reingehört? Oder als Langzeitwirkung zu sehen?

The MACHINA of God

Postings: 8044

Registriert seit 07.06.2013

2017-06-17 18:32:37 Uhr
Geiles Album mal wieder.

Rote Arme Fraktion

Postings: 2032

Registriert seit 13.06.2013

2017-01-08 23:02:45 Uhr
Panther like a Panther

Das reguliert gerade so richtig. Was für ein Song.

Mister X

Postings: 1691

Registriert seit 30.10.2013

2017-01-07 07:40:37 Uhr
Kann mal einer Armins Facebook-Bild nehmen und nen Basecape,Sonnenbrille,Joint und Goldkette dazufuegen und es bei upload oder so hochladen. waere meeega :D
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