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Weyes Blood - Front row seat to Earth

Weyes Blood- Front row seat to Earth

Kemado / Mexican Summer / Al!ve
VÖ: 21.10.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Zum Niederlegen

Wie unbefriedigend es für einige Fanatiker sein muss, die immer wieder meinen, die Welt ginge bald unter, sie sich aber weiterdreht, anstelle in Flammen zu lodern. Natalie Merings Blick auf die Dinge ist da weit trockener und böser: Sie sieht das Ende aller Tage kommen, was aber auch nicht verwundert, klebt sie andauernd am Telefon: "It's not the past that scares me / Now what a great future this is gonna be." Sie schöpft Mut aus dem kaputten Jetzt, dem sinkenden Schiff. Und vermag es, dieses dumme Jugendwort "Yolo" in den Chorus von "Generation why" einzubauen. Ohne dass es lächerlich klingt. Ohne dass es von Häme oder der Apokalypse verschluckt wird.

Denn so dunkel "Front row seat to Earth" auch funkelt: Es ist ein betörend schönes Album. Eines, das erst einmal weit und wild umherspringt: Von der britischen Drogenpsychedelik der 1960er ins Laurel Canyon der darauffolgenden 1970er, als lieber an der Folkgitarre gezupft wurde. Weyes Blood wechselt von warmen, kammermusikalischen Harmonien in ein Kuddelmuddel aus Hall, Bläsern, Orgel. Was nicht minder graziös klingt. Die Kalifornierin hat sogar ihre Mittel gefunden, nicht im Kitsch, wie er etwa in den oberen Gesangnoten einer Enya lauert, unterzugehen. Worauf ihre bisherige Karriere nicht hingedeutet hat.

Zwar ist sie bereits lange Teil dieser kalifornischen Subkultur, hat mit Ariel Pink herum gesponnen, laborierte mit Jackie-O Motherfucker an den Grenzen der ertragbaren Musik oder war erst kürzlich mit den prachtvollen Drugdealer zu hören. Aber auf den sphärischen Wohlklang von "Front row seat to eart" hat wenig gedeutet: "The innocents" war gitarrenzentriert. Geklimper und Schrottlärm zerstörten "The outside room". Nun anders: Mering möchte Liebe erklären, das Einschüchternde an ihr, woran man sich laben kann und was verzweifeln lässt. Das Liebesaus als Weltaus. Das Weltaus als Neubeginn. Und sie findet dafür die denkbar geschmeidigsten und schönsten Klänge, die das Psychedelische aus ihrem Folk ziehen.

"Away above" beginnt etwa mit einer Mering im Bozza-Nova-Modus. "Diary" hat eine herrliche, taumelnde Klavierspur. Der Gesang in "Used to be" und "Be free" wird geflötet und umgarnt von Lautmalerei, einigen "Nana-nas" und "Bada-bas". Bis der instrumentale Titelsong doch noch die Apokalypse vertont hat, als ein Karneval der Missmut, der vorige Melodien aufnimmt und hinausbläst, sie ihrer Anmut beraubt und mit Fanfaren den Weltuntergang begrüßt. Das wirklich Merkwürdige an "Front row seat to Earth" ist, dass man eigentlich meinte, diese 1970er-Ästhetik rund um Singer und Songwriter sei ausgelutscht und überdauert. Stattdessen gab es in 2016 wenige Alben, die derart unzeitgemäß und dabei doch kontemporär wirken. Musik zum Niederknien, noch besser: zum Niederlegen.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Used to be
  • Seven words
  • Front row seat to Earth

Tracklist

  1. Diary
  2. Used to be
  3. Be free
  4. Do you need my love
  5. Generation why
  6. Can't go home
  7. Seven words
  8. Away above
  9. Front row seat to Earth

Gesamtspielzeit: 44:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

saihttam

Postings: 818

Registriert seit 15.06.2013

2017-02-13 10:48:20 Uhr
Hab nur mal in ein, zwei Songs reingehört und hatte ein ähnliches Gefühl. Bin aber ebenfalls nicht sehr mit Ariel Pink bewandert. Irgendwie war mir der Typ immer ein wenig zu weird.

humbert humbert

Postings: 1443

Registriert seit 13.06.2013

2017-02-13 03:41:40 Uhr
Jemand schon die EP mit Ariel Pink gehört? Für mich nur durchschnittlich, klingt als hätten beide paar Songs übrig gehabt, die zu schlecht für die eigenen Alben waren & gehofft, der andere wirds schon richten. (Disclaimer: Kenne kaum was von Ariel Pink)

@Perlchen
Du Schmeichler(in?), du hast ja Weyes Blood schon Monate früher gehört :)
Perlchen
2017-01-04 15:56:23 Uhr
faszinierendes Album, ich mag besonders die von "saihttam" erwähnte mystische Grundatmosphäre.

Seven Words hat es mir dabei besonders angetan, begleitet mich seit August täglich auf dem Weg von / zur Arbeit.

Dem User "humbert humbert" wünsche ich weiterhin ein solch glückliches Händchen beim Eröffnen neuer Threads ;-) ...Danke!

Genau das ist der Grund, warum ich PT schon seit Jahren täglich mehrmals besuche, bei den vielen mir völlig unbekannten Empfehlungen finde ich immer wieder ein Perlchen, das mir besonders gut gefällt.

Dafür ein herzliches "Danke schön" an die komplette PT-Community!

Liebe Grüsse aus dem Wilden Süd-Westen ....

Armin

Postings: 7809

Registriert seit 08.01.2012

2017-01-04 00:01:40 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?


saihttam

Postings: 818

Registriert seit 15.06.2013

2016-12-01 14:06:45 Uhr
Gutes Album! Ihre Stimme ist sehr toll. Gerade diese dunkle, tiefere Tonfärbung passt perfekt zu dem langsamen, pianogetragenen Songs. Dazu liegt über dem Ganzen eine leicht mystische Grundatmosphäre, die dem Album Spannung verleiht und Neugier weckt. Sollte hier definitiv noch rezensiert werden.
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