Neo Rodeo - Bingo Ringo

Neo Rodeo- Bingo Ringo

Tapete / Indigo
VÖ: 15.07.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

So schaut's aus, Klaus

2013 wurden Neo Rodeo mit ihrem Debüt "Mein junges und sorgloses Herz" an dieser Stelle mit 8/10 und dem Titel "Album der Woche" ausgezeichnet – übrigens die höchste Wertung, die der Rezensent bis dato vergeben hatte. Und der Zweitling? Vergessen? Aussortiert? Nicht so schlimm, Jim! Als "vergessene Perle" wird "Bingo Ringo" hiermit ein knappes halbes Jahr später nachgereicht. Die Freiburger – mittlerweile zumindest teilweise in Berlin ansässig – haben erneut ganze Arbeit geleistet. Weggefallen ist dabei der allzu klare Country-Einschlag, geblieben aber sind die Singalongs und der aufbegehrende Ausdruck im Indie-Rock des Fünfers.

Weiterhin stilprägend: die Stimme von Frontmann Johannes Winter, der stets aus voller Kehle singt – selbst, wenn es einmal stiller wird. So zum Beispiel in "Von unserem Sofa aus", das die Revolution vom heimischen Sitzmöbel aus startet und von Akustischer und Breakbeat begleitet über eine hübsche Bridge hinweg seine Gemütlichkeit im Aufstand findet. Gute Idee, Che! Beendet wird die Revolte im verliebten "Zu sexy für die Welt". Eingangs erscheint das Album aber durchaus zackiger: "Was auch ist immer es ist" klingt ein bisschen nach Tomte zu "Heureka"-Zeiten. Marschierend, zwischen Stampfern und Handclaps bewegt sich "Herr Schmidt" voran, das die Geschichte eines umbenannten Otto Normalverbrauchers erzählt und dabei Erinnerungen an Max Schröder & Das Love weckt.

Sollen wir es sagen? Na gut, Knut: Hamburger Schule. Das Titelstück behandelt ein Zwiegespräch, das immer wieder die Musik streift. "Du, der Sound ist echt gut", heißt es da und zuvor genanntes Stichwort fällt. Da passt der träumerische Chorus genauso gut wie die klimpernden Tasten und der hintergründige Chor. Aufbrausend kommt "Ich bin müde" daher, das mit seiner wilden Leadgitarre auffällt. Zwei weitere schwungvolle Hits liefern Neo Rodeo mit "Good ol' discoboy" und "Hifi Reichenberg": Ersteres klatscht einem den Beat in den Nacken wie der Schulschläger seinerzeit die flache Hand – gar nicht laut, aber wer da nicht mitwippt, ist schon tot. Zweiteres hat es nicht ohne Grund auf den Jahressampler des Rezensenten geschafft: Kleinere Drone-Spielereien und eine schiefe Orgel bestimmen das Geschehen, der Rhythmus mäandert durch eine graue Welt, die einzig der Gang ins Plattengeschäft erhellt.

Der letzte Titel "Schlimmer geht's immer" schwankt zwischen zynischem "Besser als Krebs" und wertschätzendem "Wird wieder ok, René". Mit gedrosseltem Tempo und einer Prise Hall auf den Vocals wird der Abgesang ein- und die Platte ausgeleitet. Der Abschluss einer mehr als unterhaltsamen Dreiviertelstunde, die sich in die Gehörgänge gräbt wie der Penisfisch ins Genital. Auch mit "Bingo Ringo" beweisen Neo Rodeo wieder ein Händchen für eingängige Popmusik mit viel Stil. Tja, das war's, Lars.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Bingo Ringo
  • Ich bin müde
  • Good ol' discoboy
  • Hifi Reichenberg

Tracklist

  1. Was auch immer es ist
  2. Herr Schmidt
  3. Bingo Ringo
  4. Von unserem Sofa aus
  5. Ich bin müde
  6. Zu sexy für die Welt
  7. Good ol' discoboy
  8. Hifi Reichenberg
  9. Dos amigos
  10. Wenn man alt wird
  11. Foxtrott Showdown
  12. Schlimmer geht's immer

Gesamtspielzeit: 45:09 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
herr beischlaf
2017-01-10 17:53:43 Uhr
lego hatte anscheinend recht. komisches hickhack von plattentests, wenn dann doch ne 7/10 rausspringt.

Armin

Postings: 8398

Registriert seit 08.01.2012

2017-01-04 00:00:22 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

@S.v.K.:
2016-09-16 18:59:25 Uhr
Falls es der "Indie-Seite" Plattentests nur um Klicks (bzw. Geld) geht macht deine Aussage Sinn. Sollte es in erster Linie um das präsentieren von guter Musik gehen, nicht.
Neo Rodeo sind mir übrigens unbekannt.

Die Redaktion von PT darf sich natürlich auch, oder besser vor allem, angesprochen fühlen.

S.v.K.

Postings: 111

Registriert seit 13.06.2013

2016-09-16 14:43:48 Uhr
das musst du nicht mich, sondern die redaktion von plattentests fragen. es ist aber doch irgendwie nachvollziehbar, dass die rezension eines albums einer bereits bekannten band auch dann auf ein gewisses interesse stößt, wenn es total beschissen ist.
20:23
2016-09-12 20:27:53 Uhr
Verkaufe ein "M".
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