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Modern Baseball - Holy ghost

Modern Baseball- Holy ghost

Big Scary Monsters / Al!ve
VÖ: 20.05.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Sorry!

Meine Güte, manchmal liegt man halt ordentlich daneben. Nur so vorneweg, zur Erklärung. Für alle, die an dieser Stelle ganz berechtigt fragen, warum zum Teufel die Rezension zu Modern Baseballs neuem Album "Holy ghost" so spät kommt. Monate nach dem eigentlichen Veröffentlichungstermin. Und nun ja, die Gründe für die Fehleinschätzung, dieses Album mit einer 6/10 durchs Raster fallen zu lassen, sie liegen tatsächlich im Nebel. Irgendwo zwischen all den guten Emo-Veröffentlichungen des Jahres von Joyce Manor über Tiny Moving Parts bis The Hotelier den Überblick verloren? Schon möglich. Keine Lust auf Emo-Klischees und Kajal-Witzchen gehabt? Wahrscheinlich. Die fulminante Langzweitwirkung dieser elf Stücke einfach gewaltig unterschätzt? Ganz bestimmt.

Wie dem auch immer sei: Man kann sich gar nicht oft genug entschuldigen, die Klasse von "Holy ghost" nicht gleich erkannt zu haben. Dabei hüpft Sie einem von der ersten Sekunde an geradezu ins Gesicht. Da kann der Opener und Titeltrack noch so unschuldig und schüchtern mit seiner Akustikgitarre anschlurfen: Das Hitpotenzial des Einstiegs lässt sich unmöglich verstecken. Die simple Gitarrenidee von "Wedding singer" geht direkt in die Vollen, weigert sich aber auch bei exzessiver Wiederholung standhaft, auch nur ein Stückchen langweilig zu werden. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit man diesem fiesen Hit über den Weg läuft: Die Arme sind in der Luft. Die Beine zappeln unkontrolliert. Und weil die Band gerade so schön dabei ist, klettert "Note to self" direkt hinterher tatsächlich noch eine Qualitätsetage höher. Weil Hitpotenzial gegen tänzelnde Melancholiegitarren eingetauscht wird. Weil der Refrain, der in der finalen Feststellung "There will be no more fucking around today" kulminiert, schlichtweg unzerstörbar geraten ist.

Fast möchte man fragen, was die Band jetzt eigentlich noch besser machen will. Die lacht jedoch nur über derlei Gedankenspiele, serviert im zurückgenommenen Mittelteil das funkelnde "Hiding" und macht sich im Anschluss daran, eine veritable Verwandlung zu durchleben. Dann nämlich übergibt Jake Ewald das Songwriting-Zepter an Brendan Lukens. Mit weitreichenden Konsequenzen. Der textlastige, storytelling-artige Vortrag weicht einem aufgewühlten Gesang, der schon in "Breathing in stereo" an einen gewissen Brandon Flowers denken lässt. Allerdings ohne irgendwelchen Human-Dancer-Las-Vegas-Glitzerkäse. Lukens, der in der deutschen Wikipedia witzigerweise den falschen Vornamen Brandon zugeschrieben bekommt, macht vielmehr das Beste aus den Ähnlichkeiten und haut zunächst mit "Apple cider I don't mind" einen Song raus, den auch die Killers ganz gerne mal wieder auf die Kette bekommen würden. Nur um ganz ans Ende mit "Just another face" einfach mal den besten Killers-Song seit "Hot fuss"-Zeiten zu setzen. Ob beabsichtigt oder nicht: ein Statement.

Aber doch nicht die größte Leistung dieses bemerkenswerten Albums. Wo die liegt, zeigt allein dieser Text schon recht deutlich auf: Obwohl zu Beginn von Emo und Akustikgitarren erzählt wird, landet man zum Schluss bei Brandon Flowers und Co. Und das ohne unterwegs rechts ranfahren und nach dem Weg fragen zu müssen. "Holy ghost" ist trotz seiner offensichtlichen Zweiteilung ein rundes, nachvollziehbares Album. Und hey: Davon mal völlig abgesehen macht das Teil einfach höllisch Spaß. 6/10? Lächerlich!

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Wedding singer
  • Note to self
  • Hiding
  • Just another face

Tracklist

  1. Holy ghost
  2. Wedding singer
  3. Note to self
  4. Mass
  5. Everyday
  6. Hiding
  7. Coding these to Lukens
  8. Breathing in stereo
  9. Apple cider I don't mind
  10. What if
  11. Just another face

Gesamtspielzeit: 27:24 min.

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User Beitrag

DerZensor

Postings: 1

Registriert seit 13.06.2013

08.06.2016 - 10:54 Uhr
Warum gibt's denn hier keinen Thread dazu? Müsste doch eigentlich genau auf der Plattentests-Wellenlänge sein.

Toller Throwback-Emo, der aber auch an Weakerthans und Hold Steady erinnert. Ganze Scheibe ist nur 27 Minuten lang, praktisch jeder Song allerdings ein Volltreffer.

https://www.youtube.com/watch?v=MJXGscQdKyQ

MartinS

Postings: 313

Registriert seit 31.10.2013

09.06.2016 - 13:39 Uhr
Daran bin ich wohl schuld, fürchte ich. Hab das Album mit einer 6/10 aussortiert, da es in meinen Augen zwar ein gutes Album ist, aber halt auch nur in der Masse mitschwimmt.
Und mit so einer "joaa, ganz okay-7/10" wäre wohl auch niemand geholfen.

Armin

Postings: 7365

Registriert seit 08.01.2012

04.01.2017 - 00:00 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?
fakeboy
05.01.2017 - 10:01 Uhr
Wie bitte? The Weakerthans nicht bei den Referenzen? Dabei klingen manche Songs (bspw. Wedding Singer) fast schon wie 1:1-Kopien von John K. Samson und Co. Das ist auch der Grund, weshalb ich die Platte nie zuende gehört habe. Spätestens nach dem dritten Song greif ich lieber zu "Left & Leaving" oder "Reconstruction Site".
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