Lauri Ainala - Orpokotijuhlat saarella

Lauri Ainala- Orpokotijuhlat saarella

Svart / Cargo
VÖ: 25.11.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Irre aus dem Sumpf

Es dröhnt und dröhnt und dröhnt, solange, bis sich ein beträchtliches Dauerdröhnen ausgebreitet hat. Und dann, zehn merkwürdige Songs später, die eigentlich nur ein einziger, langer, sich oft verirrender sind, kommt das Ohr auch nicht zur Ruhe. Dort dröhnt und pocht es weiter. Der Finne Lauri Ainala hat mit "Orpokotijuhlat saarella" eine Musik entworfen, die zweifelsohne zu den eigenartigsten und rücksichtslosesten Kreationen des Jahres zählt. Es ist eine schwere, brachiale, rohe, kaputte und dennoch wunderschöne Liturgie. Inspiration war Lutherische Kirchenmusik, die nie so genannt werden wollte und zeitweise im Reformierten Gottesdienst verboten war – aus Angst davor, dass die Schönheit vom Inhalt ablenkt.

Daran orientiert sich Ainala, denn er begräbt, was in der Kirche erhaben wirkt: die in Harmonien verflochtenen Stimmen, die bebenden, gravitätischen Orgeln, also die Grazie. Sie wird verschluckt von einem dunklen Sumpf aus Drone-Sounds und Instrumenten, die verzweifelt lärmen, als entstammten sie einem beliebigen Schrottplatz. "Orpokotijuhlat saarella", das ist eine neue Sprachlosigkeit: Die Songs wurden nicht betitelt, nur aufeinanderfolgend nummeriert. Die Bedeutung der Chorgesänge, die sich hinter der Lärmwand wonnevoll formen, sie sind unverständlich. Und dennoch hat diese abstrakte Komposition eine Anmut. Man kennt es von Portishead, etwa deren Song "Magic doors", wenn das Percussiondurcheinander, die Störgeräusche, quasi die ganze Ablenkung kurz verschwindet und eine Klarheit aufhellt. Ainala hingegen, der bespielt das Helle andauernd mit dem Dunklen, das Schöne mit dem Verstörenden. Und anders als Drone-Künstler wie Sunn O))) versucht er sich nicht an der meditativen Repetition.

"Orpokotijuhlat saarella" ist experimentell im besten Sinn, denn es strebt nur weiter ins Sich-Verändernde. Dieses Album ist Ambient mit einem scharfen Industrialstampfen in "04" oder dem Versuch, eine Stille zu vertonen in "08", die dann doch gestört wird von aufflackernden, verängstigenden Geräuschen. Selbst das Nichts wird hier ein Rauschen. Paavoharju, die Band, in der Ainala sonst mit seinem Bruder Klänge zertrümmert, sind mit diesem Klotz verglichen geradezu massentauglich. Wäre dieses Album eine TV-Serie, dann wäre es ein humorloses, verschrobeneres "Twin Peaks". Wäre es ein Buch, dann eines, an das man sich nicht wagt, weil es zu dick und in einer unverständlichen Sprache geschrieben wurde. Wäre es ein Kunstwerk, dann ein mit dicken, schwarzen Schlieren übermaltes. Wirklich irre, dieser Sumpf.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

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Tracklist

  1. 01
  2. 02
  3. 03
  4. 04
  5. 05
  6. 06
  7. 07
  8. 08
  9. 09
  10. 10

Gesamtspielzeit: 35:46 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2017-01-04 00:01:50 Uhr
Frisch rezensiert.

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