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Childish Gambino - Awaken, my love!

Childish Gambino- Awaken, my love!

Caroline / Universal
VÖ: 02.12.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Aufstand im Schlaraffenland

Donald Glover kann viel: Der Mann versuchte sich bereits als Schreiber, Schauspieler, Produzent und Regisseur. Die von ihm entwickelte Serie "Atlanta" gehörte 2016 zum Besten, was im Fernsehen stattfand. Eine zweite Staffel wurde bereits geordert, bis dahin wird Glover den neuen Spider-Man-Film aufmischen und sich als Lando Calrissian im Star-Wars-Universum umschauen. Und musikalisch ist der 33-Jährige auch noch. Als Childish Gambino – das Ergebnis eines Wu-Tang-Clan-Namensgenerators – veröffentlichte er 2011 sein Debütalbum "Camp", zwei Jahre später folgte "Because the internet".

Das ganz große Ding wollte Glover damit nicht gelingen. Die HipHop-Karriere des Mannes, der so vieles so gut kann, schien eine Hürde zu sein, über die er, zudem stets hinter seinen rappenden Kollegen, nur mit Mühe zu springen vermochte. Mit "Awaken, my love!" wagt der Kalifornier nun einen dritten Versuch – und überrascht. Der Titel ist Programm: Als wäre Glover aus einer Art Tiefschlaf erwacht, ist er so frisch erholt kaum wiederzuerkennen. So entdeckt er auf dem Album den Funk und Soul der Sechziger- und Siebzigerjahre für sich und schafft es etwa im entspannt tanzbaren "Redbone", die Black-Lives-Matter-Bewegung und eine vermeintlich unglückliche Beziehung clever miteinander zu verbinden.

Das erinnert stellenweise an den "Superfly"-Soundtrack von Curtis Mayfield oder auch an "There's a riot goin' on" von Sly & The Family Stone. Und tatsächlich probt Glover nicht nur im völlig irren Song "Riot" selbst den Aufstand: Gegen jegliche Grenzen, gegen eine Welt voller Angst und Hass, vor der er sein Kind schützen will, und vor allem auch gegen das gestörte Verständnis von Sexualität, das gerade im HipHop seit jeher Einzug hält. "Awaken, my love!" gibt sich bewusst sexy und mysteriös, das verdeutlicht auch das Cover, das an Funkadelics "Maggot brain" angelehnt ist. Klar, dass das nicht jedem gefallen wird. Gerade jene, die die ersten beiden Alben mochten, dürften von den elf Tracks enttäuscht werden.

Schon die erste Single "Me and your mama", die das Album eröffnet, wendet sich ab vom Alten und hin zum Neuen. Die Mischung aus Psychedelic-Soul und Funk ist für einen wie Glover sicher riskant, wird von ihm aber auf beeindruckende Weise gemeistert. Gut zwei Minuten dauert es, bis hier wirklich etwas passiert, bis es zur Explosion kommt, bis aus dem ehemaligen Rapper Childish Gambino ein waschechter Soul-Barde wird, der sich fast schon exzessartig in ungeahnte Höhen singt. Auch in "Baby boy" versucht sich Glover gelungen am Falsett und schafft mit Leichtigkeit ein Wiegenlied der etwas anderen Art – das ausgerechnet zum Song an seinen Sohn zukünftig andere Söhne und Töchter gezeugt werden, dürfte außer Frage stehen.

Ausgelassener wird es in "Have some love", das sich an George Clinton und Funkadelic orientiert und zum entsprechenden Aufruf an seine gesamte Hörerschaft mutiert. Wie wohl sich Glover in seiner neuen Haut fühlt, hört man auch in der fast schon tropisch angehauchten Hymne an seine Heimat: Lustig klingt das, wie er in "California" singt, und doch geht es unweigerlich von den Ohren direkt in die Beine. Stillstand gibt es hier eben nicht – sei es in der rhythmisch starken Wortspiel-Akrobatik "Boogieman" oder im dramatisch startenden und sich immer mehr auflockernden Abschlusstrack "Stand tall". 2016 mag in vielerlei Hinsicht vollkommen aus dem Ruder gelaufen sein – aber dieser letzte Aufstand zum Jahresende stimmt immerhin mal hoffnungsvoll.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Me and your mama
  • Boogieman
  • Redbone
  • Baby boy

Tracklist

  1. Me and your mama
  2. Have some love
  3. Boogieman
  4. Zombies
  5. Riot
  6. Redbone
  7. California
  8. Terrified
  9. Baby boy
  10. The night me and your mama met
  11. Stand tall

Gesamtspielzeit: 49:04 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 7365

Registriert seit 08.01.2012

22.12.2016 - 21:05 Uhr
Frisch rezensiert. "Album der Woche"!

Meinungen?

Nick
23.12.2016 - 22:47 Uhr
Habe lange gehofft, dass eine Review hierzu kommt! Freut mich :) Bin schwer angetan von dem Album - Geht einem wirklich in Mark und Bein - Eventuelle Verleitungen der "sexy" Klänge werden intensiv getestet!
Zum kompletten Thread

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