James Johnston - The starless room

James Johnston- The starless room

Clouds Hill / Indigo
VÖ: 18.11.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ein Paradies in der Hölle

Jetzt schalte mal einen Gang runter. 2016 hat uns alle eiskalt erwischt, Du hast eine Auszeit wirklich mehr als verdient. Zünde eine Duftkerze an. Mach Dir eine Tasse "Innere Gelassenheit"-Tee - in ernsten Fällen hilft auch Glühwein – und schwinge Dich aufs Sofa oder in die heiße Badewanne. Lass für ein paar Stunden die Welt alleine durchdrehen und hör Dir stattdessen "The starless room" von James Johnston an.

Man kann nicht immer kaputt und verzweifelt sein. Dass hat James Johnston nach acht Alben mit seiner Noise-Blues-Band Gallon Drunk auch gemerkt. Für sein erstes Soloalbum wollte sich Johnston deshalb einen völlig anderen Stil aneignen. Gar nicht so einfach, mehrere Jahrzehnte Krach und Krawall hinter sich zu lassen, zumal Johnston mit diesen Komponenten zahllose fesselnde Meisterwerke schuf - wenn er nicht gerade als Bassist für Nick Cave oder PJ Harvey unterwegs war. Schließlich gelang ihm mit dem Song "Dark water" der Durchbruch: Ein ruhiges, aber kraftvolles Stück, das mit einer unschuldigen Pianophrase beginnt und mit den Lyrics zusammen eine gelassene Zuversicht ausstrahlt. Johnston war vollauf zufrieden. Und hängte prompt noch einen zweiten Teil dran, in dem Streicher und Gospelchor die Melodie aufgreifen und bis zur Ekstase steigern.

Inzwischen scheint Johnston völlig in seiner neuen Klangwelt aufzugehen. Auf seinem Youtube-Kanal enthüllt er einige Tricks und Kniffs, mit denen er die unglaublich intime Stimmung auf dem Album heraufbeschwor: So wurde die Klaviermelodie im Titeltrack "The starless room" auf der Toilette des Studios aufgenommen, und zwar auf einem leicht verstimmten Piano mit quietschendem Pedal, das den fragilen Charakter des Songs perfekt unterstreicht. Für "When the wolf calls" wiederum ließ sich Johnston von vom John-Lee-Hooker-Song "The waterfront" inspirieren. Johnston meditierte einfach über dessen warme Atmosphäre, ohne vorher zu üben oder hinterher viel daran zu ändern. Diese Unmittelbarkeit und Spontaneität macht das Album trotz seines einheitlichen Stils durchgehend spannend. Es fühlt sich an wie ein ausgedehnter Spaziergang durch eine endlose Melodielandschaft, mit sanften Klavierhügeln und Streichertälern, die sich bestens dazu eignen, sich für kurze Zeit vor der kalten Welt da draußen zu verstecken. Manchmal lädt die Musik ein, sich in seiner Melancholie zu suhlen. Bisweilen ist da aber auch so viel Geborgenheit, dass man das Kaminfeuer im Hintergrund förmlich knistern hört, während der graue Dezemberschneeregen von außen an die Fensterscheibe fliegt. Und Johnston singt völlig zurecht "This is Heaven in hell".

(Eva-Maria Walther)

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Highlights

  • Dark water
  • Heart and soul
  • When the wolf calls

Tracklist

  1. I'd give you anything
  2. St. Martha's
  3. Starless room
  4. Cold morning light
  5. Dark water
  6. Frozen time
  7. Heart and soul
  8. The light of love
  9. Let it fall
  10. When the wolf calls

Gesamtspielzeit: 39:07 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-12-22 21:10:42 Uhr
Frisch rezensiert.

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