Various Artists - We're a happy family - A tribute to Ramones

Various Artists- We're a happy family - A tribute to Ramones

Columbia / Sony
VÖ: 10.02.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Familienverplanung

"Gabba gabba hey!" "One, two, three, four!" "Hey ho, let's go!" Poetische Reduktion aufs Nötigste. Die Ramones waren wohl die lautesten Minimalisten, die je in schwarzen Lederjacken und Jeans steckten. Sie standen für drei Akkorde, Rock'n'Roll in Reinkultur und jede Menge Spaß. Dabei standen bei den vier New Yorkern eigentlich nie ihre musikalischen Fähigkeiten im Vordergrund, sondern vor allem die Rotznäsigkeit, mit der sie einem ihre Instant-Ohrwürmer um die Ohren schlugen. Immer direkt auf die Zwölf. Und obwohl sie in den zwanzig Jahren Bandgeschichte nie den wirklichen kommerziellen Erfolg fanden, beeinflußten sie doch eine schier unüberschaubare Anzahl von Bands - und zwar auch über die Grenzen von Sicherheitsnadel und Irokesenschnitt hinweg.

Wer sich einmal von Songs wie "Rockaway beach", "Rock'n'roll high school", "We want the airwaves", "Now I wanna sniff some glue" oder "Cretin hop" hat mitreißen lassen, weiß vielleicht, warum sich für "We're a happy family" die derzeitige Rock-Elite (oder das, was sich dafür hält) versammelte, um unter der Federführung von Rob Zombie den rumpelnden Helden des Rock'n'Roll mit seinen viel zu früh gen Rockhimmel entschwebten Mitgliedern Joey und Dee Dee die Ehre zu erweisen. Mit "hochkarätig" wäre die Besetzung dieses nach "The song Ramones the same" zweiten Tribute-Albums nämlich noch reichlich untertrieben beschrieben. U2, Metallica, Red Hot Chili Peppers, Eddie Vedder, Marilyn Manson, Kiss, Garbage, Green Day und und und. Das muß man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Die Namen sind jedenfalls das reinste Lutschbonbon.

Aber, und das haben solcherlei Tribute-Alben schon immer gezeigt, auch große Namen sind kein Garant für Spaß. Wenn sich nämlich Innovationsallergiker wie The Offspring oder Rancid weitgehend nutzfrei durch "I wanna be sedated" oder "Sheena is a punk rocker" pflügen, fragt man sich wirklich, warum zur Hölle man nicht das ungleich genialere Original hören sollte. Gut, bei den Ramones ist eine solche Frage eigentlich fast immer angebracht. Die derbe Wucht der unsterblichen Punk-Familie und vor allem Joey Näseln sind nun einmal schwer zu toppen. Wenn man dann aber hört, wie Altmeister Tom Waits "The return of Jackie and Judy" in schepprigen Blues verwandelt, Marilyn Manson den Ku Klux Klan mit einem schaurigen 6/8-Takt aufs Glatteis führt, der Vedder Eddie mit den Haudrauf-Brüdern von Zeke den Rocker in sich wiederentdeckt oder die Peppers "Havana affair" völlig verschleichen, hört man gerne noch ein zweites Mal hin.

Natürlich kann man sich mit der versuchten Ehrerbietung auch reichlich die Nase platt drücken, wie es der ohnehin noch nie unter Subtilitätsverdacht stehende Zombie ("Blitzkrieg bop") oder die plump daher dreschenden Metallica ("53rd and 3rd") vormachen. Richtig schlimm ist aber eigentlich nur das verkitschte "Do you remember rock and roll radio?" von Kiss. Hatten nicht die Ramones gerade gegen solchen völlig aufgebrezelten Stadionrock ihre Verstärker aufgerissen? Immerhin für amüsiertes Gelächter sorgen U2 im überdrehten "Beat on the brat" und Garbage beim in Plastik gewickelten "I just wanna have something to do". Besinnlicher wird es, wenn sich die Pretenders ("Something to believe in") oder Frischling Pete Yorn ("I want to be you boyfriend") der sensiblen Seite der Ramones nähern. Da bleibt kein Auge trocken. Auf die eine oder andere Weise.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • I believe in miracles (Eddie Vedder with Zeke)
  • The KKK took my baby away (Marilyn Manson)
  • I wanna be your boyfriend (Pete Yorn)
  • Return of Jackie and Judy (Tom Waits)

Tracklist

  1. Havana Affair (Red Hot Chili Peppers)
  2. Blitzkrieg bop (Rob Zombie)
  3. I believe in miracles (Eddie Vedder with Zeke)
  4. 53rd & 3rd (Metallica)
  5. Beat on the brat (U2)
  6. Do you remember rock and roll radio? (Kiss)
  7. The KKK took my baby away (Marilyn Manson)
  8. I just want to have something to do (Garbage)
  9. Outsider (Green Day)
  10. Something to believe in (The Pretenders)
  11. Sheena is a punk rocker (Rancid)
  12. I wanna be your boyfriend (Pete Yorn)
  13. I wanna be sedated (The Offspring)
  14. Here today, gone tomorrow (Rooney)
  15. Return of Jackie and Judy (Tom Waits)
  16. Daytime dilemma (Dangers of love) (Eddie Vedder with Zeke)
  17. Today your love, tomorrow the world (John Frusciante)

Gesamtspielzeit: 49:06 min.

Referenzen

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