Dungen - Häxan

Dungen- Häxan

Smalltown Supersound / Rough Trade
VÖ: 18.11.2016

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das mystische Chaos des Prinzen Achmed

Zu Beginn von "Häxan" nahen aus der Ferne leise Klänge heran. Vorsichtig tastet sich ein Schlagzeug an den weiten Raum, noch zaghaft pendelt es voran und ebnet so den Weg für alles was noch kommen mag. Mit dem zweiten Stück gerät schon alles mehr in Fahrt, die glimmenden Melodien sowie die Drums werden aufgeregter. Die Vocals bleiben diesmal aus, doch projiziert das erste rein akustische Album von Dungen auch ohne diese flirrende Stimmung vor das innere Auge. Es ist, als würde etwas Mystisches vorbereitet werden und der Vorhang noch ins richtige Licht gesetzt um Spannung zu erzeugen. Noch einmal Stille, Augen zu, Augen auf, schwerer Samt fällt zu Boden und blitzartig rauscht es um die Ohren. Das Drumset scheint auf Knopfdruck in Rage zu geraten, eine aufgeregte, fast wahnsinnige Gitarre spielt enge Kurven und eine wirre Flöte ergänzt disharmonisch. Es fühlt sich ein bisschen überfahren, als das Rauschen auch schon wieder in den nächsten Track übergeht und wie entschuldigend kurz eine kindlich, fröhliche Melodie herumklimpert. Dann ein Klavier, etwas dominierend, wie um die Gemüter der Zuhörer aufzuräumen. Die nervösen Trommeln kommen mit in diese nächste Phase, nun etwas strukturierter als zuvor. Und auch das bisschen Wahnsinn zieht sich weiter, diesmal durch leiernde Gitarrensounds im Hintergrund.

Als Dungen 1998 von Frontsänger Gustav Ejstes gegründet wurden, klangen sie noch vorsichtiger, gelegentlich nach harmlosen Singer-Songwritern, doch wagten sie sich immer weiter vor. Die Alben waren bereits früh von experimentellen Songs gespickt und die Band gewann mehr und mehr an Temperament, bis hin zu Stücken, bei denen sich Psychedelic-, Progressive- und Post-Rock die Hand reichten. Mal ruhiger, mal aufbrausender. Genau hier findet sich das Album "Häxan", das als Soundtrack für einen der weltweit ältesten Animationsfilme "Die Abenteuer Des Prinzen Achmed", 1926 von Lotte Reiniger produziert wurde, wieder. In einem aufregendem Raum zwischen Ruhe und Sturm. Die Gitarren werden zeitweise wilder, die mystischen Melodien geheimnisvoller bis sich fragiles Träumen einstellt.

Die erste Hälfte ist ein bisschen rauer, doch wird die Anstrengung spätestens durch den Song "Kalifen" mit Harmonie belohnt. Melancholie und ruhige psychedelische Gitarre legen einen warmen Schleier um das vorher Aufgekratzte. Spätestens jetzt wird interessant, wie der Film wohl sein mag. Bis kurz vor Schluss bleibt es dann eher ruhig und rhythmisch. Kurz verirrt sich ein etwas zu fröhliches Stück und damit es nicht zu gemütlich wird, schießen zuletzt noch einmal die scharfen Gitarren. Sie klirren und schreien in alle Richtungen und hinterlassen ein aufgeregtes, fast verwirrtes Gefühl von musikalischem Erleben. Schön, dass sich die Schweden weiter aus dem Fenster lehnen und ihre Möglichkeiten künstlerischer Entfaltung demonstrieren. Ein bisschen mehr Stringenz und ein bisschen weniger Chaos hätten es aber auch getan.

(Fee Josten)

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Highlights

  • Jakten genom skogan
  • Kalifen

Tracklist

  1. Peri banu vid sjön
  2. Jakten genom skogen
  3. Wak-Wak's portar
  4. Den fattige Aladdin
  5. Trollkarlen och fågeldräkten
  6. Grottan
  7. Häxan
  8. Aladdin's flykt över havet
  9. Kalifen
  10. Achmed flyger
  11. Aladdin och lampan, del 1
  12. Aladdin och lampan, del 2
  13. Achmed och Peri Banu
  14. Andarnas Krig

Gesamtspielzeit: 36:42 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-12-22 21:06:35 Uhr
Frisch rezensiert.

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