Such A Surge - Rotlicht

Such A Surge- Rotlicht

Columbia / Sony
VÖ: 10.02.2003

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Communication breakdown

Hach, endlich! Der Fan frohlockt und schiebt voller Vorfreude die neue Scheibe von Such A Surge in den Player. Nach den diversen Solo- und Nebenprojekt-Platten von Pain In The Ass, Revolver, Originalton und Dennis Graef liegt mit "Rotlicht" jetzt also der heiß erwartete Nachfolger des "Surge-Effektes" vor. Die Pause dauerte immerhin mehr als drei fanquälende Jahre, denn die Compilation "10 Jahre" hat ja mit nur drei neuen Songs höchstens einen "Tropfen" auf dem heißen Stein verdampfen lassen, und die Nebenprojekte mußte man in ihrer Unterschiedlichkeit nicht alle lieben. Jetzt ist wieder alles in Ordnung und die Surger sind wieder unter einem Hut vereint. Gespannt wartet der Fan auf die ersten Klänge und die düsteren, introvertierten Texte, von denen im Vorfeld die Rede war.

Punkt. Absatz. Ja, so könnte man einen Review des neuen Werks aus Braunschweig beginnen. Der frustrierte Musikkritiker aber kann und will so nicht schreiben. Klar, die Fakten sind alle irgendwie korrekt verarbeitet, und er befürchtet sogar, daß die Erwartungen der Fans nicht enttäuscht werden. Das ist auf der einen Seite irgendwie kalkulierbar und unglaublich langweilig, andererseits zeigt sich hier die große Verläßlichkeit einer Band, die sich entwickelt ohne sprunghaft zu sein. Alles eine Frage des Standpunkts. Der verbitterte Schreiberling weiß genau, wo er steht und wie er die Sache sieht. Er hat einen Ruf zu verlieren. Keinen guten vielleicht, aber immerhin.

Auch die neue inhaltliche Ausrichtung kann den Nörgler nicht überzeugen. Düstere Stimmungen sollen das Album beherrschen, und zugunsten wirklich treffender Formulierungen wurde diesmal ausschließlich die deutsche Muttersprache benutzt. Was in den werbenden Texten der Plattenvermarkter noch vollmundig klingt, reduziert sich beim Anhören von "Rotlicht" überwiegend auf die egozentrische Verarbeitung zwischenmenschlicher Probleme. Der unterbezahlte Griffelhalter grinst humorlos. Eine Erinnerung stampft durch sein Elefantenhirn, eine Formulierung schießt durch seinen Kopf, verspricht das Vergnügen später Rache. Man wundert sich bei Menschen, die ihre Gesprächbereitschaft mit Worten wie "Er soll kommen und sich mir vorstellen, dann reden wir in Ruhe darüber, bevor wir ihn fesseln, mit Teer und Federn übergießen und dann mit einem großen Betonklotz an den Füßen in die Oker werfen." zeigen (nachzulesen hier), nun mal nicht ernsthaft über Beziehungsprobleme. Befriedigt verläßt der bedauernswerte Kleingeist die Szene.

Keine Frage, "Rotlicht" ist nett gemacht, klingt direkt, druckvoll und zeigt eine Band, die sich in langer Zeit und trotz recht gegensätzlicher musikalicher Interessen nicht auseinandergespielt hat. Such A Surge haben ihren Weg gefunden, sie wissen, daß sie ihn gemeinsam gehen können, was abseits des ausgetretenen Pfades passiert, erkunden sie lieber allein. Im Gegensatz zu Pain In The Ass machen die Braunschweiger ihre Sache mit Such A Surge nicht schlecht. Natürlich gibt es Leute, die nach zehn Jahren Musikmachen etwas erwachsener und reifer sind, genauso wie es auch auch sensiblere und vor allem differenziertere Möglichkeiten gibt, die eigene Gefühlswelt zu betrachten und auszudrücken. Hier und da holpert der Flow der Texte etwas zu sehr und die musikalische Umsetzung wirkt bisweilen etwas eindimensional. Trotzdem findet man die eine oder andere interessante Selbsterkenntnis auf "Rotlicht": "Vielleicht hab ich meine letzte Chance verpaßt. Vielleicht hab ich hier noch niemals reingepaßt. Vielleicht alles von Anfang an falsch angepackt. Vielleicht immer nur mich und nicht Dich gehaßt." Möglich wär's.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • Kann alles sein

Tracklist

  1. Sag jetzt nichts
  2. Aktion
  3. Alles muss raus
  4. Hypochonder
  5. Augenblick
  6. So viele Fragen
  7. Fremdkörper
  8. Nie genug
  9. Aufstehen
  10. Kann alles sein
  11. Keinen Schritt weiter (Bonus Song)

Gesamtspielzeit: 48:55 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
...
2003-02-24 13:40:36 Uhr
@stretchlimo
ich denke mal er meint den stand des bewertungsbalken. nicht die postings hier im forum.
2nice
2003-02-21 14:05:04 Uhr
trotzdem, die neue Scheibe ist ueberall total unterbewertet in meinen Augen... Ihnen geht halt ein schlechter Ruf vorraus leider.
captain kidd
2003-02-20 17:45:23 Uhr
ich habe meinen frieden mit dieser band gemacht. und nicht nur weil sie beinah neben uns einen proberaum in bs haben... sie machen was ihnen gefällt.
huibuh
2003-02-19 21:39:00 Uhr
Ich begrüße den Weg zurück zu den Roots. Der Surge Effekt war doch ziemlich poppig ausgefallen.

Musikalisch sind sie vielleicht nicht mehr relevant, aber die Texte sind jedenfalls hier in Deutschland ziemlich einzigartig...
Stretchlimo
2003-02-19 15:34:16 Uhr
Alle beide? ;-)
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