Kate Bush - Before the dawn

Kate Bush- Before the dawn

Parlophone / Warner
VÖ: 25.11.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Wände bleiben heil

Arme Kate Bush. Einige ihrer Fans haben es aufgegeben, sie nur zu bewundern und sich in eine Obsession gesteigert, einem manischen, beinahe existenziellen Verlangen nach der Britin. Sie wurde gestalkt, ihr wurde mit Selbstmord gedroht, wenn sie nicht wieder neue Musik veröffentlicht, die in ihrer besonderen Schönheit diese Welt erträglich macht. So zumindest im Roman von John Mendelssohn. Dieses verzweifelte Warten auf Kate setze kurz aus, für 22 Konzerte in 2014, der ersten kleinen Tour seit 35 Jahren. Je nach Quelle waren die Tickets nach sieben oder zehn Minuten ausverkauft. "Before the dawn" möchte nun diejenigen versöhnen, die nicht zugegen waren. Und es gelingt ein wenig, mit diesem Monstrum, diesen 29 Songs.

Zweieinhalb Stunden hangelt sich die Grande Dame des Avantgarde-Pop an dem entlang, was die New York Times einmal über sie geschrieben hat: Dass sie ein Genie sei und diese würden eben zu weit gehen. Weshalb manchmal derart Scheußliches dabei herauskäme, dass sich die Farbe von den Wänden blättert. Um die Wände muss sich bei "Before the dawn" niemand sorgen. Bush hält sich zurück, gerade stimmlich. Ihr gelingen noch die Höhen von "Hounds of love", das sie allerdings in eine positive Leidenschaft verwandelt. Sie kann noch schreien, dass es ins Mark schneidet, wie in "Top of the city" und trifft die inbrünstigen, kraftvollen Töne im majestätischen "King of the mountain". Sie singt erdiger, tiefer. Das Schrille ist der Mittfünfzigerin abhandengekommen, weshalb sich diese Aufnahmen gerade als eine Werkseinführung eignen. Sie klingen bombastisch, wurden ausufernd arrangiert, gerade im ersten Akt, einer Art Best-Of.

Wobei mit dem zweiten und dritten Akt die eigentliche Show beginnt. Erst wird "The ninth wave", die B-Seite von "Hounds of love", als Ganzes aufgeführt. Dann folgt mit "A sky of honey" die Suite von "Aerial". Es sollte ein Kunstwerk entstehen, inszeniert von Adrian Noble, dem einstigen Leiter der Royal Shakespeare Company. Das Wuseln auf der Bühne dringt selten ins Ohr. Das Besondere dieser Performance, der Ausdruckstanz, die Marionetten, Schattenspiele, Videoprojektionen, sie werden schmerzlich vermisst. Videoaufnahmen davon gibt es. Bush möchte sie nicht veröffentlichen. Obwohl diese Konzertreihe bereits als eine der denkwürdigsten der 2010er-Jahre ausgerufen wurde.

Man hört den größenwahnsinnigen Chor in "Under ice", hofft mit dieser Schiffbrüchigen in "Little light", begleitet sie in ihren Fieberträumen und Halluzinationen, aber man würde es zu gerne auch sehen. Gerade im letzten Drittel, als das Londoner Hammersmith Apollo aufhellte, allerlei gefiederte Wesen auftraten. So begnadet die Begleitmusiker auch aufspielen, gerade David Rhodes, sonst Gitarrist für Peter Gabriel, so erquickend deshalb "The morning fog" gerät, so gebieterisch das abschließende Dramolette um "Aerial", "Among angels" und "Cloudbusting" übertreibt – "Before the dawn" kann nicht vollends einfangen, was an diesen Abenden geschehen ist. Auch weil die analogen Konzertaufnahmen an einigen Stellen unzeitgemäß klingen. Kate Bush bleibt größenwahnsinnig, sie bleibt eigen und auch schüchtern, was einige Fans weiter anhimmeln werden, andere aber in ihrem Verlangen verzweifeln lässt.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Top of the city
  • King of the mountain
  • Aerial
  • Among angels
  • Cloudbusting

Tracklist

  • CD 1
    1. Lily
    2. Hounds of love
    3. Joanni
    4. Top of the city
    5. Never be mine
    6. Running up that hill
    7. King of the mountain
  • CD 2
    1. Astronomer's call
    2. And dream of sheep
    3. Under ice
    4. Waking the witch
    5. Watching them without her
    6. Watching you without me
    7. Little light
    8. Jig of life
    9. Hello Earth
    10. The morning fog
  • CD 3
    1. Prelude
    2. Prologue
    3. An architect's dream
    4. The painter's link
    5. Sunset
    6. Aerial tal
    7. Somewhere in between
    8. Tawny moon
    9. Nocturn
    10. Aerial
    11. Among angels
    12. Cloudbusting

Gesamtspielzeit: 154:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
die 4. Generation
2017-07-08 06:32:26 Uhr
will se auch käufen

Michael

Postings: 336

Registriert seit 13.06.2013

2016-12-17 02:40:58 Uhr
Kaufen, klar. Ich geb Dir bei Nichtgefallen 'ne Geld-zurück-Garantie. ;)
Fräger
2016-12-16 10:53:22 Uhr
Kaufen oder nicht kaufen, das ist hier die Frage. Ich bin hin-und hergerissen.

Michael

Postings: 336

Registriert seit 13.06.2013

2016-12-16 08:55:39 Uhr
Guck mal in die Amazon-Rezensionen - da bist Du bei weitem nicht der Einzige. Scheinbar ist dieser analoge Sound aber von Kate Bush ausdrücklich so gewollt und war schon bei "Director's Cut" Bestandteil von endlosen Diskussionen unter Fans.
KT
2016-12-15 12:49:23 Uhr
Kein Zweifel, tolle Sache, hab mich sehr über das Album gefreut und lese nur von Begeisterungsstürmen.
Nur hab ich echt ein Problem mit dem Sound. Bin ich denn der einzige der den grottig findet? Total dumpf..hat mich bei den letzten beiden Alben schon gestört, aber diesmal echt heftig.
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