Neil Young - Peace trail

Neil Young- Peace trail

Reprise / Warner
VÖ: 09.12.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Poltert, Ihr Geister!

Es ist ein sinnbildliches Eingeständnis, kaum hat sein 37. Album "Peace trail" begonnen: Neil Young kann nicht aufhören, das singt er zu unaufgeregtem Gitarrenfolk mit sanften Drums, bis eine E-Gitarre aufjault. Arbeiten, das zehrt zwar an seinem Körper, aber heilt seine Seele und wird für diesen gealterten Hippie-Revoluzzer die einzige Möglichkeit sein, auch einmal durchzuschnaufen. 2016 war für ihn ein Jahr mit einigen Schockstarren, das ist in den vielen Videos zu sehen, in denen ein etwas fahrig wirkender Young gegen Donald Trump, Ölkonzerne und all die großen Bösen wettert. War sein erst vor wenigen Monaten erschienenes Livealbum "Earth", das die letztjährige Tour dokumentiert und Young-Klassiker mit Krähenschreien und lauten Windstößen verfremdet, noch halbherzig bemüht und angestrengt, was die klimarettende Botschaft betrifft, ist "Peace trail" der besänftigende Jahresabschluss.

Zumindest vonseiten der Musik. Innerhalb von vier Tagen wurde aufgenommen, in den naturgrünen Shangri-La-Studios von Rick Rubin, auch wenn dieser eben nicht produziert hat. Jim Keltner spielte Schlagzeug, Paul Bushnell den Bass, Neil Young hat den Rest übernommen, was das Album knapp und schmucklos klingen lässt, weil soviel gesagt, kommentiert, gesungen und verstanden werden muss. Keine Revolte der Inbrunst, eher eine sanfte Verwunderung ist zu hören. Das beginnt mit dem voranwälzenden Titelsong, einem Duett zwischen zwei Neil Youngs, von denen einer durch den Vocoder gescheucht wird, was diese kindliche, unschuldige Stimme noch verletzlicher und eingeschüchterter klingen lässt. Wie ein hauchender Geist.

Ebenjener pinselt auch "Indian givers", in dem Young den Sioux-Indianern zur Seite springt, die gegen eine Öl-Pipeline protestieren, die vier US-Bundesstaaten und eines ihrer Reservate durchqueren soll. "I wish somebody would share the news" heißt es dort, in diesem schlichten, gitarrenakustischen Weckruf, der mit einer inneren Spannung auskommt. Wer diese Nachricht teilen könnte? Zumindest verändert sich das US-Trumpland, wenn, wie kürzlich verkündet wurde, seriöse libertäre Blätter wie der New Yorker einen großen Zuwachs an Abonnenten verzeichnen. Und sollte dies nicht ausreichen, dann gibt es ja noch Neil Young, der mit "Terrorist suicide hangliders" gegen die stumpfe Angst ansingt, in jedem Einwanderer einen Terroristen zu vermuten, oder der in "John Oaks" die Black-Lives-Matter-Bewegung und deren Schrei nach Freiheit und Gerechtigkeit und gegen Polizeibeliebigkeit unterstützt. Nur der Sänger selbst, der schreit nicht mehr. Die Songtexte von "Peace trail" regen sich auf, die Songs selbst bleiben leise und klarer als die Verfremdungsexperimente auf "Le noise" von 2010.

Ein wenig verloren kommt er sich dennoch vor, dieser Grantler, der nur wenige Wochen vor der Veröffentlichung von "Peace trail" 71 Jahre alt wurde. Weshalb er in "My pledge" ganz offenherzig zugibt, dass er eben aus einer anderen Zeit, einer anderen Generation stammt und diese an den Smartphones daddelnden, sich nur oberflächlich politisch gebenden Jugendlichen nicht versteht. Was er auch nicht versteht: Roboter, die in "My new robot" von Amazon stammen und sprechsingend staubsaugen. Ein schwacher Song mit schwachem Humor. Aber davor liegt noch "Show me", das ähnlich unverwüstlich klingt wie "Heart of gold". Und wenn die Welt schon durchdreht, hofft Neil Young weiter auf das Gute. Ob mit goldenem Herz oder ohne.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Peace trail
  • Show me
  • My pledge

Tracklist

  1. Peace trail
  2. Can't stop workin'
  3. Indian givers
  4. Show me
  5. Texas rangers
  6. Terrorist suicide hangliders
  7. John Oaks
  8. My pledge
  9. Glass accident
  10. My new robot

Gesamtspielzeit: 38:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Benjamin
2017-01-22 17:03:26 Uhr
Für mich das müdeste und langweiligste Album von ihm seit vielen Jahren.
Jouueee
2016-12-01 14:20:22 Uhr

HAb mir drei songs auf amzon 30sec angehört und kann schon sagen, dass das album klasse wird, schöne melodien von einer giatarrenlegende

Armin

Postings: 8398

Registriert seit 08.01.2012

2016-11-30 23:20:51 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 8398

Registriert seit 08.01.2012

2016-11-04 16:57:51 Uhr
Neil Young kündigt neues Studioalbum 'Peace Trail' für den 09. Dezember an

"You have a voice, raise it!" - man könnte meinen, dies sei das Credo von Neil Young. Der Meister der politischen Protestsongs wird der Kritik an gesellschaftlichen Missständen nicht überdrüssig und veröffentlicht mit 'Peace Trail' sein drittes Album in diesem Jahr. Am 09. Dezember werden Songs wie 'Terrorist Suicide Hang Gliders' oder 'Indian Givers' zu hören sein, mit denen Young sowohl globale, als auch lokale Themen aufnimmt und sie in altgewohnter Art und Weise an den Pranger stellt.

'Peace Trail' enthält zehn neue Songs, die Young in diesem Jahr geschrieben hat. Die gleichnamige erste Single kann hier gehört werden.

https://play.spotify.com/album/4mwR0ibQ7M6DXeIzIaNLcP


Das Video zu 'Indian Givers...' darf geteilt werden:
https://www.youtube.com/watch?v=CM-NkM-dIDA

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Tracklist 'Peace Trail':
1. Peace Trail
2. Can’t Stop Workin’
3. Indian Givers
4. Show Me
5. Texas Rangers
6. Terrorist Suicide Hang Gliders
7. John Oaks
8. My Pledge
9. Glass Accident
10. My New Robot

Mr Oh so

Postings: 1081

Registriert seit 13.06.2013

2016-10-26 15:04:42 Uhr
Haha, der zweite Titel. Selbstironie?
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