Wakrat - Wakrat

Wakrat- Wakrat

Earache / Warner
VÖ: 11.11.2016

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Feuer mit Feuer

Wieder einmal bietet die aktuelle US-amerikanische Politiklandschaft einen blubbernden Nährboden für Protestmusik. Das Spannungsfeld zwischen Establishment und Counterculture ist seit Woody Guthrie, Pete Seeger und nicht zuletzt Bob Dylan ein Fixpunkt der amerikanischen Musik. Spätestens mit der Ankunft der Punk-Bewegung in den Staaten bekam die Kultur der Auflehnung schließlich eine harte Kante. Tim Commerford lebt für eben diese Rebellion, zuerst im Umfeld von Rage Against The Machine, später bei Audioslave, heute bei den Protest-Allstars von Prophets Of Rage. Nun hat Commerford, der Bassist mit dem großflächigen Tattoo und der noch größeren Wut im Bauch ein neues Projekt namens Wakrat aus dem Boden gestampft. Ist das noch Revolution, oder kann das weg?

Das Mittel zum Zweck beim selbstbetitelten Debüt von Wakrat lautet "schnell, hart, laut". Dieses Konzept ist so banal wie altbewährt: Feuer mit Feuer bekämpfen. Immerhin veröffentlicht das Trio bei Earache Records, die nicht gerade für ihren Kuschelkurs bekannt sind. Leider sind die Feindbilder mittlerweile zu vielschichtig geworden, um ihnen mit so simplen Songs wie "Generation fucked" und derart uninspirierten Zeilen wie "You fucking son of a bitch" entgegenzutreten. Ergänzt wird diese verdächtige Blutleere von einem faden Beigeschmack: Commerford bezeichnet sich selbst als Verschwörungstheoretiker, glaubt an Machtverstrickungen hinter internationalen Kulissen. Im Interview erklärt er, dass er nicht aufhören kann, Informationen zu finden die ihn wütend machen und dann darüber zu schreiben. Wie tief sitzt da der Aluhut auf der Stirn, der die Sicht auf die Realität verdeckt? Jedenfalls tiefer als das musikalische Niveau von Wakrat. Und das will was heißen. Auf dreiminütigen Riffkanonen kotzt sich Commerford mit rauem Gekeife mal so richtig aus. "I've got nothing to say", schreit er bei "The number". Ironie an oder aus? Ansonsten: Ein knapp halbstündiger Roundhouse-Kick gegen alles, was gerade als Gegner herhalten muss. Fäuste in die Luft, Gehirn aus, Verstärker am Anschlag, Punkrock-Attitüde. Hat früher funktioniert, kann man auch heute noch machen.

Dazwischen: Introspektion, beispielsweise bei "Knucklehead" mit seinen gefährlichen Messern und Pistolen, welches bereits im September 2015 als Single erschien. Unkonventionelle Hooks lockern das schnöde Geschrubbe zwischendurch immer wieder auf. Immerhin: So belanglos die Texte auch sein mögen, die neun Tracks bieten in ihrer Überschaubarkeit durchaus Grundlage zum stumpfen Straßenkampf-Soundtrack, wenn auch ohne viel dahinter. Das Gute daran: Wenn das die neue Protestkultur sein soll, wirkt das Establishment doch gleich viel erträglicher.

(Felix Mildner)

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Highlights

  • Generation fucked
  • Knucklehead

Tracklist

  1. Sober addiction
  2. The number
  3. Generation fucked
  4. Nail in the snail
  5. La liberté ou la mort
  6. The thing
  7. Knucklehead
  8. New car
  9. Pigs in a blanket

Gesamtspielzeit: 25:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

embele

Postings: 384

Registriert seit 14.06.2013

2016-12-01 20:48:01 Uhr
Sach ich doch ... nur hier gibt es keine Resonanz !?

Robert G. Blume

Postings: 410

Registriert seit 07.06.2015

2016-12-01 12:28:20 Uhr
Ich finds ehrlich gesagt ziemlich geil, die Musikpresse hat hingegen wenig gute Worte für die Band über.
Aber was die musikalisch hier hinzaubern, ist im Detail schon ziemlich ausgefuchster Frickelkram. Dazu ist es wütend und ballert ganz schön los. Und Tom C macht seinen Job am Mikro überraschend gut. I like it.
Realtalk!
2016-11-23 22:12:52 Uhr
Auch in der Rezension wird ein Bezug zu Punkrock hergestellt, ebenso wie im Thread hier. Stand das im Waschzettel des Labels?

Armin

Postings: 14834

Registriert seit 08.01.2012

2016-11-23 20:48:55 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

embele

Postings: 384

Registriert seit 14.06.2013

2016-11-12 07:27:18 Uhr
Aha, na dann...
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