Christine Owman - When on fire

Christine Owman- When on fire

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 11.11.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Je dunkler die Nacht

Die Knackwürstchenfotografie liege ihm nicht, sagte einmal Karl Lagerfeld, ihm ginge es um eine poetischere Version der Wirklichkeit. Wenn nun jeder Mensch ein Künstler ist, gibt es nicht nur unendlich viele Varianten der Wirklichkeit, sondern auch unendlich viele poetischere Versionen davon. Der Beweis? Einfach mal durch eine Buchhandlung der eigenen Wahl laufen. Ein Großteil der Menschheit entscheidet sich bewusst für eine rosafarbene Welt im Schutzumschlag. Keine Probleme, keine Angst. Und dann gibt es jemanden wie Christine Owman. Der 35-jährigen Songwriterin ist die Masse egal. Sie will nur kein Teil von ihr sein. Kohlrabenschwarz statt Knackwürstchen auch hier.

Bei der Schwedin ist dies jedoch kein selbst auferlegter Arbeitsauftrag. "Lately I've been asleep for so long", heißt es in "Sleepwalker", jenem Song, in dem Owman gleich noch zugibt, dass sie deswegen Wirklichkeit und Traum nicht auseinanderhalten kann. Wie ein Echo des großen Schlafs hallen die elf Songs ihres dritten Albums in dieser Gegenwelt nach. Owman baut in ihren Stücken viel Atmosphäre mit Synthesizern auf, die Gitarren taucht sie so unter die Oberfläche. "Those eyes" erhebt sich mit all seiner Düsternis unheilvoll über eine einfache Melodie, die Owman dann mehr und mehr in die Weite ihres Sounds trägt. "Don't speak to me again, don't reach for me again." Doch seine Geister wird "When on fire" nicht los. Da hilft selbst der statische Rhythmus im Opener nichts.

Dieses Album erzählt von Zerrissenheit, von Schmerz, von Sehnsucht. Owman hat dafür nicht nur die passende Sprache in ihren Texten gefunden, sondern ebenfalls in ihrem Klang. Alleine "From dusk" hat sie so perfekt auf den Punkt produziert, die Spuren laufen dicht zusammen, nur die Drums dürfen da ein wenig hervorstechen. Doch die einlullenden Melodien von Gitarren, Synthies und ihrem Cello bleiben auf "When on fire" die Albtraumfänger, aus denen Owman ihre Songs webt. Selten schaffen es Künstler, eine Stimmung so konsequent und eindringlich zu verfolgen wie Christine Owman auf diesem Album. Nicht sticht heraus, alles bleibt auf dem Faden, der durch diesen surrealen Irrgarten führt.

Wer mag, kann da natürlich an Filmmusik denken, an den Soundtrack eines Werks, in dem ein Schneesturm eine Kleinstadt einhüllt, in der dunkle Gestalten in der Nacht durch das Treiben der Flocken taumeln. Doch Owman kreiert keine Bedrohung aus diesen Dingen heraus. Sie sind einfach da, die Dunkelheit, das Schiefe, das Wahnsinnige. Sie bettet es nur in einen süßen Sound ein. Die Nacht ist hier nie erzwungen. Eine Künstlerin schreibt aus sich selbst heraus und gibt einen tiefen Einblick in ihr Seelenleben. Eine Wirklichkeit gibt es nicht. "Bridges" nimmt diesen Gedanken und zerbricht ihn in Tausende von Scherben. "Shadows cast beneath the air around me, bleak as silver, soft as silk." Düsterer wird es nicht mehr.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Those eyes (feat. Karolina Engdahl)
  • Sleepwalker
  • Away away away

Tracklist

  1. Those eyes (feat. Karolina Engdahl)
  2. When on fire (feat. Mark Lanegan)
  3. Sleepwalker
  4. From dusk
  5. Denial
  6. Never thought
  7. Bridges
  8. Away away away
  9. That low (feat. SoKo)
  10. Land beyond land
  11. Mountains (feat. Erika Rosén)

Gesamtspielzeit: 41:17 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-11-23 20:48:09 Uhr
Frisch rezensiert.

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