Moon Relay - Full stop etc.

Moon Relay- Full stop etc.

Hubro / Broken Silence
VÖ: 30.09.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Zum Heulen

Manchmal gibt es Alben, die hört man nicht einfach. Die legt man nicht auf, abends, bei einem Gläschen Wein, um sich zu entspannen und vielleicht ein paar Seiten zu lesen. Die wählt man nicht aus, wenn man eine weitere Fahrt zurücklegen muss und die Stille im Auto durchbrechen will. Die hört man nicht beim Spazierengehen, beim Joggen, allein oder mit Freunden, nur um sie überhaupt zu hören. Für manche Alben muss man sich bewusst entscheiden, wenn man sie sich erarbeiten will. Die kosten Nerven. Und ab und zu zahlt man sogar drauf.

Auch "Full stop etc." der norwegischen Band Moon Relay will erobert werden. Sieben Instrumentals auf zwei Schallplatten-Seiten, noch dazu mit absurden Titeln, die sich aus einer vermeintlich wahllosen Zeichenfolge zusammensetzen und die man nie aussprechen können wird. Muss man auch nicht. Über "Full stop etc.", das nur digital und auf LP erscheint, sollte ohnehin nicht zu viel nachgedacht werden, sonst fällt der Kopf am Ende womöglich auf die Tastatur und sorgt für ein ähnliches Buchstaben-Chaos wie die Tracklist. Jazz, Krautrock, Psychedelic-Experimental-Prog-Pop, an allem versucht sich das Quartett, alles gelingt ihnen, alles hört sich interessant an, nichts davon macht schlauer.

Überlegt sich der neugierige Hörer gerade noch, was zur Hölle "7 / / _" bloß bedeuten soll, wurde er auch schon vom offensichtlichsten Hit des Albums über den Haufen gefahren. Nach einem Spaghetti-Western aus der Zukunft klingt das, mit ein paar Horror-Elementen, irgendwo gibt es sicher einen Helden im Raumanzug mit Cowboy-Hut. Der sollte sich sputen: Das tiefschwarze Bassmonster "_) ;" macht keine halben Sachen und ist mit Sicherheit nicht zu Scherzen aufgelegt. Klingt böse? Ist es auch. Und ein bisschen unheimlich. Aber dieser Mond will ja auch angeheult werden – um jeden Preis.

Fast schon traditionell noise-rockig kommt "… , , y" daher, das seine eigenen messerscharfen Stromgitarren aber schließlich dank einer Weltraumpistolen-Attacke langsam und einsam verenden lässt. Da wird auch R2D2 traurig, der hier ein paar herzzerreißende Laute von sich zu geben scheint. Immer noch nicht überzeugt? Dann hilft nur noch die volle Breitseite mit dem abschließenden Zehnminüter "… . / __ ( ; ; ; "___" , , , )", der die Kullertränen schon im Namen zu haben scheint: Zwischen Schrammelklängen, TripHop-Beat, Bläsern aus der Unterwelt, Synthies aus den Achtzigern und harmonischem Final-Chor aus Omas Kirche lässt sich sicher das eine oder andere Taschentuch zücken. Wenn man sich traut.

(/ /….,,, >__- Jennifer Depner ;; \\__-–)

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Highlights

  • 7 / / _
  • … , , \ \ y

Tracklist

  • CD 1
    1. O , , , ,__
    2. 7 / / _
    3. >– - )
    4. - ; ;
  • CD 2
    1. … , , y
    2. _) ;
    3. … . / __ ( ; ; ; "___" , , , )

Gesamtspielzeit: 35:14 min.

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User Beitrag

zurueck_zum_beton

Postings: 161

Registriert seit 07.07.2013

2016-11-24 10:13:44 Uhr
Gebongt! Das hast du jetzt auch nur stellvertretend abgekriegt für all die Rezensionen, die mit zugezogenen Jalousien, einem Joint oder Sturzbetrunken kommen, um den Modus darzustellen, in welche Stimmung man zwingend sein muss, um Album XY zu mögen.

Jedenfalls: Mit Erkältung ist das tatsächlich eher unangenehm zu hören. Joggen darfst du aber auch nicht, wenn erkältet :-)

Jennifer

Postings: 1565

Registriert seit 14.05.2013

2016-11-23 22:56:48 Uhr
In Anbetracht dessen, dass ich die Rezension mit Erkältungs-Kopf geschrieben habe, nimmst Du es mir hoffentlich nicht allzu übel, zurueck_zum_beton. Immerhin finden wir beide das Album gut, das ist ja schon mal was. :)

zurueck_zum_beton

Postings: 161

Registriert seit 07.07.2013

2016-11-23 21:08:46 Uhr
Hervorragendes Album, schön, dass das hier auftaucht.

Kleine (weigehend Negativ-)Kritik zu Rezension: Dieses Befindlichkeits-Geschwurbel und die Frage, wie überdreht man sein muss, um mich Platte XY widmen zu können, finde ich so abgekaut und 100-fach schon als Einleitungs-Idee gelesen. Das unangenehme "man" macht dann aus Jennifers Subjektivität oder Selbstbefragung eine unangemessene Anmaßung, wie sich wohl auch andere fühlen müssen, um sich der Platte zu stellen.
Die Behäbigkeit, wie's aufgrunddessen hinein in den Text geht, kann ich nicht nachvollziehen; grundsätzlich nicht, aber vor allem nicht bei einem Album, das platzt vor Facettenreichtum.
Die Rezension beschreibt's insgesamt gut und gar nicht so oberflächlich, wie sich meine Meckerei liest, aber etwas Griffiger und Plattitüdenärmer wäre angemessen, turn up!

Armin

Postings: 14831

Registriert seit 08.01.2012

2016-11-23 20:47:33 Uhr
Frisch rezensiert.

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