Sparks - Lil' Beethoven

Sparks- Lil' Beethoven

Artful / Fulfill / Universal
VÖ: 10.02.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ironie. Eine Variation.

Die Sparks kennt man besonders als schräge Vögel. Schon damals, als sie als sarkastische Glamrocker mit Beinahe-Hits wie "This town ain't big enough for both of us" von sich reden machten, war es neben raffinierten Melodien vor allem die spitze Zunge der Brüder Ron und Russell Mael, die auf- und gefiel. Mehrere Metamorphosen später, die sie im Vorbeischlendern zu Vorreitern von Punk, New Wave, Synthpop und, ja, Euro-Trash machten, gelang ihnen dann 1994 mit "When do I get to sing 'My way'?" ihr größter Hit. Selten konnte man herzhafter über aufgesetzte Träume zu kirmestauglich wummerndem Klimbim lachen.

Die zweiten fünfzehn Minuten Ruhm waren zwar ebenso schnell vorbei, wie sie aufgetaucht waren, brachten die Sparks aber einmal mehr auf den Geschmack. Und nachdem die Vorgänger "Plagiarism" und "Balls" mit dem wieder aufgekochten '94er Erfolgsrezept im eigenen Kitsch steckenblieben, variieren die Ironiker aus Los Angeles für "Lil' Beethoven" wieder ihren Ansatz. "Also haben wir ein Jahr im Studio verbracht, um herauszufinden, wie man Popsongs macht, ohne jegliche Pop-Konventionen zu erfüllen." Schon der Opener "The rhythm thief" deutet an, was uns erwartet: "Where did the groove go?" fragen verdutzte Chöre. Und wirklich, die zuletzt so aufdringlichen Bubblegum-Beats sind verschwunden. Statt dessen fühlt man sich wie mitten im Orchestergraben. Aber wenn die Maels den Taktstock schwingen, darf man sich sicher sein, daß man vor nichts sicher ist.

So kommt es, daß die fast operettenhaften Arrangements mit elektronischen Sprengseln gespickt werden, einen loungigen Anstrich verpaßt bekommen und den Hörer bisweilen ratlos zurücklassen. Mal taucht Queenscher Bombast circa "Bohemian rhapsody" auf, mal albern die Maels wie die Marx Brothers durch niedliche Vaudeville-Liedchen. Und wem das noch nicht amüsant genug erscheint, darf sich von trockenem Hintersinn wie "I married myself" oder "What are all these bands so angry about?" das Zwerchfell massieren lassen: "Hey everybody, they called our bluff / Our profane ain't profane enough." Mittlerweile flucht man eben mit bestimmtem Artikel vor dem Bandnamen. Aber ein "The" haben die Sparks nicht zu bieten.

Der so verspottete Zorn der jungen Wilden ist den Maels längst fremd geworden. Selbst in den höchst seltenen Momenten, in denen Ex-Faith-No-More-Aushilfe Dean Menta die Gitarren sägen darf, ergehen sich die Sparks in einer vulgärpsychologischen Betrachtung über den Reiz, den häßliche Kerle auf hübsche Mädels ausüben. Doch wenn auch die allgemeine Zerfahrenheit in "Ugly guys with beautiful girls", bei dem sich Kitsch und Punk gegenseitig Beinchen stellen, wunderprächtig funktioniert, kann sie doch nicht darüber hinwegtäuschen, daß zwischen all den Witzchen und Seitenhieben den meisten Songs nicht nur die Rhythmussektion fehlt. In den aufgetakelten Arrangements von "Lil' Beethoven" geht die melodische Treffsicherheit ein paar Mal zu oft verloren. Mit Sarkasmus alleine schafft man es nicht ins Scheinwerferlicht. Aber da würden die Sparks ja doch nur herumfeixen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • The rhythm thief
  • My baby's taking me home
  • Ugly guys with beautiful girls

Tracklist

  1. The rhythm thief
  2. How do I get to Carnegie Hall?
  3. What are all these bands so angry about?
  4. I married myself
  5. Ride 'em cowboy
  6. My baby's taking me home
  7. Your call's very important to us. Please hold.
  8. Ugly guys with beautiful girls
  9. Suburban homeboy

Gesamtspielzeit: 40:57 min.

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