Run River North - Drinking from a salt pond

Run River North- Drinking from a salt pond

Nettwerk / Soulfood
VÖ: 25.11.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Nix wie weg hier

Noch in der US-Wahlnacht brach die Website der kanadischen Einwanderungsbehörde unter den enormen Besucherzahlen zusammen. Als sich abzeichnete, dass Donald Trump das Rennen machen würde, wurde nicht nur vielen Amerikanern angst und bange, sondern den Menschen weltweit. Run River North erscheint in solchen Zeiten wie ein allzu programmatischer Name: den Fluss nordwärts ins gelobte Land. Das Sextett kann ein Lied davon singen, wie es ist, unerwünscht zu sein: Allesamt sind sie Amerikaner mit koreanischen Wurzeln. Hierzulande nennen alte, unsympathische Schwaben solche Menschen "Schlitzaugen", in den USA hat man sie gleich zu Freiwild deklariert. Wie wenig der freudvolle Indie-Rock von Run River North doch zu diesen unschönen Zeiten passt. Nach dem selbstbetitelten Debüt von 2014 erscheint mit "Drinking from a salt pond" der Zweitling der Truppe aus Los Angeles.

"Run or hide", die erste Auskopplung des neuen Albums, nimmt zwar nicht konkret Bezug auf das Trump'sche Amerika, schließlich wurde die Platte in den USA bereits im Februar 2016 veröffentlicht, dennoch beschäftigt sie sich mit der Rassenproblematik und dem letzten Ausweg: fliehen oder verstecken. Zwischen Stakkato-Piano, Breakbeat und säuselnden Chören träumt der Song von einer Welt, in der ein jeder er selbst sein kann und doch keine Äußerlichkeiten mehr entscheidend sind. "Can't come down" lässt an eine Kooperation von Noah And The Whale und Jimmy Eat World denken, sprüht vor Glück, bleibt aber doch im Melancholischen verhaftet. Der hymnische Chorus, umgeben von fixen Pickings, macht Lust auf einen Konzertbesuch.

"We're killing with words and turning the other cheek", beschreibt "Elam" die eigene Doppelmoral: Im Krieg gibt es keine Gewinner. Sänger Alex Hwang erinnert hier stimmlich ganz angenehm an Ben Gibbard. Das folgende "Ghost" ist ordentlich hibbelig, befürchtet es doch, nicht erhört zu werden. Im Wechselgesang mit Keyboarderin Sally Kang und mit einem Refrain, wie ihn sich Nada Surf nur wünschen könnten, offenbart das Stück Hitpotenzial. Bemerkenswert auch das Gitarrensolo nach zwei Minuten. Für das anschließende "Pretender" gilt ausnahmslos dasselbe. Von der Flaute in die Steigerung ist es erneut der Refrain, der das Herz erobert. Diesmal wären The Libertines und Mando Diao neidisch.

Das abschließende "Winter wind" zeigt sich als einziges Moll-Stück auf "Drinking from a salt pond", denn allen Widrigkeiten zum Trotz ist es gerade der Optimismus, der die Protagonisten des Albums durch die Zeiten trägt. Hier jedoch lässt die Band sich einmal zum Abgesang hinreißen: Das Piano klingt herzerweichend, die E-Gitarre weht eisig durch das Geschehen. "Wait for me", ruft dazu Hwang – verängstigt, den Anschluss an seine fliehenden Weggefährten zu verlieren. Glücklicherweise hat der folgende Hidden Track Besseres zu berichten: Endlich angekommen, wo das Gras noch grünt und der Glaube an das Gute wiederhergestellt ist. Und wenn das für so manchen US-Amerikaner Kanada ist – warum nicht?

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Run or hide
  • Ghost
  • Pretender
  • Winter wind

Tracklist

  1. Intro (funeral) parade
  2. 29
  3. Run or hide
  4. Can't come down
  5. Elam
  6. Ghost
  7. Pretender
  8. Anthony
  9. David Robinson
  10. Winter wind

Gesamtspielzeit: 40:37 min.

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User Beitrag

Pascal

Postings: 391

Registriert seit 13.02.2013

2016-11-18 11:54:37 Uhr
Der Folk vom Erstling ist quasi gänzlich verschwunden. Aber das schadet nicht, sie können nämlich auch Indie-Rock!
zu faul sich einzuloggen
2016-11-17 09:53:28 Uhr
Der Erstling war stark, erhoffe mir mehr davon. Libertines und Mando Diao überraschen mich etwas als Referenz, dafür fand ich das erste Album zu folkig. Bin gespannt!

Armin

Postings: 13593

Registriert seit 08.01.2012

2016-11-16 21:23:44 Uhr
Frisch rezensiert.

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