Jelly Planet - Food

Jelly Planet- Food

Pirate / Sony
VÖ: 27.01.2003

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Space-Kekse

Eigentlich hätten Jelly Planet das Zeug dazu, von aller ernsthaften Kritik in Grund und Boden gestampft zu werden. Nicht nur, daß das Dortmunder Quartett auf seinem Debütalbum "Food" mit "Anyway" einen Bravo-Hits-tauglichen Powerpop-Song vorlegt. Auch das mit modischem Ethno-Look liebäugelnde Aussehen von Sänger Stephan Hendricks dürfte Zielscheibe spöttischer Äußerungen werden. Wer dies jedoch ignoriert, darf sich über ein Album freuen, das Krautrock ansprechend, wenngleich nicht wirklich bahnbrechend, ins Gewand des 21. Jahrhundert kleidet.

Besagtes "Anyway" eröffnet "Food" mit fröhlich flötendem 7/4-Takt und Mitgröhl-Appeal. Der Song ist aber wenig repräsentativ, sondern eher das Mittel zum Zweck, der da heißt, das Album auch dem Mainstream-Konsumenten zugänglich zu machen. Schon "Light of her galaxy" vollführt die 180°-Wende und zeigt, was die Platte wirklich bestimmt: lange, psychedelische Klangwerke. Nur langsam baut sich der Song auf, Synthesizer schießen Weltraum-Klänge ab. Die Gitarre erhebt sich bedrohlich, um dann noch einmal Luft für ein breitbeiniges Finale zu holen. Da werden Gedanken an legendäre Krautrocker wach - mit zwei Unterschieden. Jelly Planet spielen noch stärker mit der Elektronik und kommen natürlich nicht unbedingt an alte Großtaten heran.

Ihre selbstgewählte Schublade "New Space Rock" wirkt dadurch zwar etwas aufgesetzt, trifft aber durchaus zu. "Cosmic" ist ein weiterer Beleg für den Eklektizismus der Band. In einem Moment wähnt man sich in einem Song von Underworld, im nächsten bei in Zeitlupe spielenden Guano Apes, dann wieder bei Babylon Zoo. Oder doch Queens Of The Stone Age? "Sex in space" hingegen erweist den Elektronik-Pionieren von Kraftwerk seine Ehrerbietung. Niemand hastet zum verkaufsträchtigen Refrain, niemand will auf Melodie-komm-raus Versatzstücke der Popmusik zusammenzimmern. "Food" ist der Beweis, daß es in Zeiten des rasenden Stillstands noch Bands gibt, die ihren Werken Zeit lassen.

Dennoch freundet man sich nicht wirklich mit der Platte an. Viele Songs entwickeln mit der Zeit eine leichte Öde, die sich auf eine gewisse Einfallslosigkeit der Band zurückführen lassen: Die Strukturen der Stücke sind oftmals recht ähnlich. Sie beginnen zögerlich, steigern sich, halten noch einmal inne, um sich schließlich noch einmal zu erheben. Doch wenn der Song schließlich ausbrechen müßte, klingt er aus. Als sei er nur ein verschenktes Intro. Offenkundig tritt diese Schwäche in "Swamp" zutage, dem mit über neun Minuten längsten Song. Für diese Dimension fehlt Jelly Planet schlicht und ergreifend die Substanz. Es ist, als fülle man einen Ballon mit Wasser und drehe, kurz bevor dieser platzt, einfach den Hahn zu. Lediglich ein Song klingt wirklich abgeschlossen: "Eight miles high". Das Dumme nur: Dieses Stück ist eine Coverversion der Byrds.

(Sebastian Dalkowski)

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Highlights

  • Light of her galaxy
  • Eight miles high
  • Happy

Tracklist

  1. Anyway
  2. Light of her galaxy
  3. Billion stars
  4. Eight miles high
  5. Happy
  6. Magic garden
  7. Cosmic
  8. Yesterday you was
  9. Swamp
  10. Gunshot
  11. Permanently out of tune
  12. Sex in space

Gesamtspielzeit: 63:30 min.

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