The Pretenders - Alone

The Pretenders- Alone

BMG / Warner
VÖ: 21.10.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Frischkäse

"Du bist wie ein guter Käse. Du wirst nicht älter, sondern reifer." Da ist sie schon wieder, eine dieser schrecklichen Geburtstagskarten mit ungemein witzigen Sprüchen, bei denen einem das Lachen im schon wieder älter gewordenen Hals stecken bleibt. Während für die Mehrheit das mit dem Älterwerden immer noch ein Problem ist, hätte sich die gute Chrissie Hynde von den Pretenders über so ein Kärtchen zu ihrem 65. Geburtstag gefreut. In einem Alter, bei dem in vielen Ländern die Rente anklopft, meint die Amerikanerin tatsächlich, gerade ihr bestes Album geschrieben zu haben. 36 Jahre nach dem Debüt wirft "Alone" zunächst aber eher eine große Frage auf. Wieso steht da eigentlich The Pretenders drauf, wenn neben Chrissie Hynde doch eigentlich nur Multitalent Dan Auerbach und seine Freunde von The Arcs mitgewirkt haben? Zieht der Name einfach mehr als das selbstbetitelte Soloprojekt von Chrissie Hynde, mit dem sie vor ein paar Jahren überzeugen konnte? Doch Fakt ist: Der Bandname ist das einzige Fragezeichen, das "Alone" aufwirft.

Dan Auerbach also als Produzent. Hat Chrissie Hynde etwa bei Plattentests.de vorbeigeschaut und sich nach einer 7/10 gesehnt? Der Mann von The Black Keys sorgte mit seinen letzten beiden, prominenten Mischpult-Ausflügen bei Lana Del Rey und Cage The Elephant zumindest diese durchweg sehr gute Wertung – und auch hier scheint das Team zu harmonieren. Auerbach bringt seinen rotzigen Bluesrock-Gitarrensound ein und lässt Hynde damit ungewohnt frisch klingen. Die Dame mit der tiefen Stimme spricht und singt sich durch den Opener "Alone": "What am I gonna do today? / Walk to the newsstand." Alles normal im Leben der 65-Jährigen. Unaufgeregt führt sie durch das schunkelnde "Roadie man". Nur selten gibt es musikalisch voll auf die Zwölf. Im treibenden "Gotta wait" räumt Hynde den crunchenden Gitarren viel Platz ein – und wieder erkennt man Auerbachs Handschrift . Dabei nimmt sich diese angenehm dezent aus. "Let's get lost" ist beispielsweise ein großartiger The-Pretenders-Song in Midtempo, dem eine Slide-Gitarre ein besonderes Gesicht verleiht.

Es ist tatsächlich schwer vorstellbar, dass die Dame, die so gefühlvoll und zerbrechlich ins Mikrofon säuselt, sich schnurstracks aufs Pensionsalter zubewegt. Natürlich hat das Album wenig mit der Jugendlichkeit der ersten beiden Alben der Pretenders zu tun. Hynde singt aber weiterhin über Dinge, die auch die jungen Hüpfer verstehen. In "I hate myself" wiederholt sie die Titelzeile so oft, dass es fast schon wieder grotesk wird. Aber auch im luftigen "Never be together" kommt nie das Gefühl auf, dass Hynde sich verstellt. Die Dame macht einfach ihren eigenen Käse. Deswegen dürfte es auch ihr Geheimnis sein, wieso die starke Single "Holy commotion" nur als Bonustrack Verwendung findet und wieso ihre (immer noch existenten) Bandmitglieder zwar mit auf Tour dürfen, aber nicht am Album mitwirken. Letztendlich ist das aber komplett egal. Denn auch wenn nicht jeder Song ein Hit ist und der Mittelteil ein bisschen viel Geplänkel enthält: Was Auerbach und die Jungs von The Arcs zusammen mit Chrissie Hynde angestellt haben, hätten wohl nur die wenigsten für möglich gehalten: zwölf frische Songs, die zeigen, dass der Sound von The Pretenders auch im 21. Jahrhundert weiterleben kann. Da kann man schon mal eine Glückwunschkarte verschicken.

(Till Bärwaldt)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Never be together
  • Let's get lost
  • Holy commotion

Tracklist

  1. Alone
  2. Roadie man
  3. Gotta wait
  4. Never be together
  5. Let's get lost
  6. Chord lord
  7. Blue eyed sky
  8. The man you are
  9. One more day
  10. I hate myself
  11. Death is not enough
  12. Holy commotion

Gesamtspielzeit: 46:18 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Ernst G. Meinte-Frage
2016-10-28 11:49:46 Uhr
Warum ist da Tom Petty auf dem Cover?

Armin

Postings: 15740

Registriert seit 08.01.2012

2016-10-26 21:02:03 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Herr

Postings: 863

Registriert seit 17.08.2013

2016-09-18 15:35:26 Uhr
Und die Preejaculators?
Frage
2016-09-18 11:56:59 Uhr
Kennt noch jemand die Preluders?

noise

Postings: 633

Registriert seit 15.06.2013

2016-09-17 22:46:49 Uhr
Hier kann man den ersten Song hören:

http://teamrock.com/news/2016-09-09/pretenders-stream-holy-commotion

Die Dame hat immer noch eine großartige Stimme. Aber ansonsten ist es nicht meine Musik.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum