Crowbar - The serpent only lies

Crowbar- The serpent only lies

Steamhammer / SPV
VÖ: 28.10.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Trockenlegung

Wenn Kirk Windstein an einem freien Wochenende mal einen ruhigen Tag im Grünen verbringen möchte, setzt er sich wahrscheinlich mit einer Flasche Whisky in den stinkenden Morast des Mississippi-Deltas, streicht sich über den Rauschebart, brütet für sich hin und denkt an früher. Das anstrengende Leben auf Tour ist ja auch nicht mehr das, was es einmal war, und man wird schließlich nicht jünger. Und immer dieser Alkohol! Ab und zu fragt er sich dann bestimmt, was da eigentlich los war, als er vor fast drei Dekaden Crowbar erschaffen hat und damit ein Monster namens Sludge aus den Sümpfen von New Orleans, Louisiana zerrte. Vielleicht fragt er sich auch, womit er es eigentlich verdient hat, zwischenzeitlich als einziges Crowbar-Gründungsmitglied übriggeblieben zu sein und trotzdem nicht blubbernd unterzugehen. Und ob es eine gute Idee war, vor drei Jahren bei Down auszusteigen. Aber jetzt ist ja erst mal alles wieder gut: Crowbar melden sich mit "The serpent only lies" zurück, und mit Todd "Sexy T" Strange am Bass ist sogar ein Gründungsmitglied wieder mit an Bord. Ist Papa Windstein jetzt also zufrieden? Schwer vorstellbar.

Es gibt kaum eine Band, die so viel Heaviness an den Tag legt wie Crowbar, auch heute noch. Schon das schleppende Intro-Riff beim Opener "Falling while rising" schiebt so dermaßen brachial an, dass auch gestandene Sludge-Heads freudig aufhorchen. Laut Windstein ist "The serpent only lies" ein Remake der Oldschool-Crowbar aus der Pre-Hardcore-Ära, als dieser Sound noch die ungehörte Härte darstellte. In der Tat erinnern die zermalmenden Gitarren, die grimmigen Vocals und die Fuck-You-Attitüde an die frühe Phase der Bands aus New Orleans, als "Vulgar display of power" von Pantera als heiliger Gral des US-Metal galt und die Südstaaten ein Epizentrum dieser neuen musikalischen Brutalität wurden. Sogar noch tiefer in der Hard-and-heavy-Mottenkiste hat Windstein gewühlt, hat Saint Vitus auf dem Friedhof ausgegraben und Melvins im Sanatorium besucht. Die fast schon antiken Doom-Einflüsse markieren auch den Titeltrack, mutieren immer wieder zu melodischen Uptempo-Parts und rufen die End-90er-Releases "Odd fellows rest" und "Equilibrium" ins Gedächtnis.

Die Texte standen bei Crowbar noch nie im Fokus, und das tun sie auch nach knapp 30 Jahren nicht. Letztlich sind Lyrics mit Allerwelts-Message à la "Bist du arbeitslos, such dir nen Job / Bist du drogenabhängig, hol dir Hilfe" sowieso eher eindimensional. So viel Hass kann selbst Windstein nicht in die Zeilen packen, um gegen seine Riffs anstinken zu können. Vielleicht ist das auch besser so, denn die einst so mächtige Stimmgewalt des Crowbar-Chefs war auch schon mal eindrucksvoller, abzulesen unter anderem im heiser gekrächzten Refrain von "Embrace the light", ansonsten ein Highlight des Albums. Lemmy, bist du das etwa?

Bei "Surviving the abyss" vertrocknet die schleimige Sumpflandschaft dann zu einer staubigen Stoner-Metal-Wüste. Passend dazu ein italienisches Sprichwort: "Wer einen Sumpf trockenlegen will, darf nicht die Frösche fragen." Aber das käme Windstein sowieso nicht in den Sinn. "The serpent only lies" ist eine Hommage an die eigene beachtliche Vergangenheit, ohne einer besseren Zeit nachzutrauern, als die Sumpfdotterblumen noch blühten. Obwohl aus dem gemächlich-epischen "Song of the dunes" durchaus noch uralte, stinkende Sludge-Nostalgie trieft. Aber mal ehrlich, wer hört schon auf einen Text? Auch das fragt sich Windstein wahrscheinlich, wenn er vor sich hinbrütet, während langsam alles um ihn herum eintrocknet. Zur Sicherheit nimmt er noch einen Schluck.

(Felix Mildner)

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Highlights

  • Falling while rising
  • The serpent only lies
  • Embrace the light

Tracklist

  1. Falling while rising
  2. Plasmic and pure
  3. I am the storm
  4. Surviving the abyss
  5. The serpent only lies
  6. The enemy beside you
  7. Embrace the light
  8. On holy ground
  9. Song of the dunes
  10. As I heal

Gesamtspielzeit: 45:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Na ja
2016-11-02 10:50:53 Uhr
Dass Phil Anselmo ein ziemlicher Pfosten ist, ist ja schon länger bekannt. Allerdings fühlen sich viele Arbeiter und Bauern, also das gemeine Fußvolk in den USA von ihrer Politikelite wie Obama und Clinton total abgehängt und da haben sie auch recht. Aber in Deutschland ist es bei den Linken ja offenbar hip geworden, Arbeiter und Bauern nur noch als Wutbürger zu diskreditieren. Natürlich wird ein Trump den kleinen Leuten genausowenig helfen, aber dass die von ihren abgehobenen (und psychopatischen) Elite-Hillarys die Schnauze gestrichen voll haben, kann man schon verstehen.
Nola is Down
2016-11-02 10:17:59 Uhr
Ich kann Kirk und leider auch fast den ganzen Rest der Nola Clique (ja besonders auch den kleinen Phil) auf Grund ihrer politischen Einstellungen und Aussagen einfach nicht mehr Ernst nehmen.
Ebenso leider die Mucke die sie machen. Vielleicht gibts ja genug Rednecks und Trump Wähler die ihnen die Treue halten damit die Kohle für den Schnaps reicht, ich bin jedenfalls raus.
front helvete
2016-10-30 19:40:00 Uhr
nightwish ist trve
front helvete
2016-10-30 19:34:06 Uhr
untrve mucke, deafheaven is real
Fanta-G/J/Zürgen
2016-10-30 18:45:16 Uhr
Goile Mucke, ey.
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