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L'Âme Immortelle - Als die Liebe starb

L'Âme Immortelle- Als die Liebe starb

Matrix Cube / Trisol / EFA
VÖ: 03.02.2003

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Tragödienstadl

Weiße Schminke. Lack und Leder. Spinnweben im Haar, S&M im Bett. Noch ein paar Klischees zum aktuellen State-of-Gothic gefällig? Bitte sehr. Bedeutungsschwangere Bandnamen, dazu noch trächtigere Texte, vorgetragen von heiserem Kerl und operettenhafter Diva. So weit, so vorhersehbar. Natürlich paßt all dies auch auf L'Âme Immortelle wie Faust aufs kajalgeschwärzte Auge. Und doch heben sie sich durchaus aus dem nervigen Schwarzkittel-Einerlei empor.

Da wären zunächst die bisweilen sogar unpeinlichen Songs auf "Als die Liebe starb". "Have I ever?" zum Beispiel, in dem sich quietschende Elektronik und sanft schreddernde Riffs dank Sonjas Kraushofers Gesang zu einem echten Ohrwurm entwickeln. Da stört nicht einmal der teutonische Akzent ihres rauhen Gegenparts. Das rührselige "Letting go" badet im Pathos der Streicher, während im pianobetupften "Disharmony" fast Philosophisches gehaucht wird: "Letters that once made up words / Don't have a meaning anymore." Immerhin angenehm geweint.

Selbst wenn sich L'Âme Immortelle schamlos den Stereotypen ihrer rüschenbewehrten Artgenossen hingeben, bleibt der eine oder andere nette Augenblick länger hängen als vermutet. Das mag an der punktgenauen Produktion von John A. Rivers (Dead Can Dance) liegen. Jedenfalls rocken sich "Aus den Ruinen" oder "Im Tod vereint" trotz der albern düsteren Titel ordentlich den Schmalz aus den Netzstrumpfhosen. Da sieht man auch mal gerne über den Text hinweg. "Ich lebe noch, ich bin nicht tot / Dieser Sturm tief in mir tobt." Hui buh! Die Vorabsingle "Tiefster Winter" spielt mit den obligatorischen Übertreibungen - der Winter so kalt, der Schmerz so aua -, aufgeplustertem Bombast und einer wirklich schicken Melodie. Da darf man schon mal überrascht mitpfeifen.

Und auch eigentlich Ärgerliches wie die betont gruftige Krächzerei wie in "21. Februar" sorgt bei Kennern für echte Lacher. Erstaunlich, wie die Österreicher zwischen Wittschem Wortwitz ("Das Licht des Wandels tat so weh / Als es an meine Augen drang"), schepperndem Industrial ("Krach", "Knirsch", "Dengel") und jaulenden Sechssaitern ("Dröhn", "Wimmer") ein Beziehungsende-Drama zu verstecken wissen. Hasch mich, ich bin die Trennung. Das kitzelt sogar Sargschläfern am Zwerchfell. Oder war es am Ende gar nicht als Witz gemeint?

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Have I ever?
  • Disharmony

Tracklist

  1. 21. Februar
  2. Tiefster Winter
  3. Have I ever?
  4. Letting go
  5. Aus den Ruinen
  6. Certainty
  7. Lake of tears
  8. Betrayal
  9. Im Tod vereint
  10. Disharmony

Gesamtspielzeit: 48:14 min.

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