Helmet - Dead to the world

Helmet- Dead to the world

Ear / Edel
VÖ: 28.10.2016

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Auf den Magen

Eben noch einmal in "Meantime" reingehört. Schwer vorstellbar, wie man sich jemals dem Groove dieses Albums inklusive der Hit-Benchmark "Unsung" entziehen könnte. Danach dem Longplayer "Betty" einen Besuch abgestattet. Selten waren Helmet experimentierfreudiger, fesselnder, konzentrierter. Ein Anti-Sedierungs-Track wie "Biscuits for Smud" demonstrierte damals zusammen mit dem Bratgitarren-Generator "I know", warum die New Yorker einst ebenso anziehend für Lederkutten- wie auch Flanellhemden-Träger waren. Das war 1994. Und danach? Danach kam zugegebenermaßen trotz einiger Alben nicht mehr allzu viel Relevantes. Doch was Chef-Helmträger Page Hamilton nach zahlreichen Auflösungen, Wiedervereinigungen und Neubesetzungen jetzt mit "Dead to the world" präsentiert, ist ein Schlag in die Magengrube eines jeden verbliebenen Fans. Schmerzverzerrt und ungläubig wandert der Blick auf den einstigen Überflieger im Sinkflug. Oder sollte hier das Wort Absturz benutzt werden?

Als Totalverweigerer auch nur des kleinsten Ansatzes einer Weiterentwicklung schrubben Helmet das Plagiat eines charakterlosen Helmet-Imitates herunter. Den Beginn des langsamen und langweiligen Dahinsiechens in elf Kapiteln macht "Life or death". In diesem singt Hamilton von irgendwelchen Punchlines – ist im selben Moment von diesen leider so weit entfernt wie nur irgend möglich. Der Mann klingt müde: müder Groove, müder Sound, müdes Songwriting. Dazu gibt's vom Hörer – ein müdes Lächeln. Das Traurige ist, dass aus dieser Müdigkeit Wut wird. Denn fast jeder Song auf "Dead to the world" folgt der gleichen vorhersehbaren Blaupause. Rote Karte für das x-te Mal Strophe, Refrain, Gitarrensolo, Strophe, Refrain, Ende. Wäre nicht weiter schlimm, wenn die Riffs kicken und die Vocals zupacken statt solide rumschlurfen würden. Doch das Lauschen nach einem Sound zum Aufhorchen ist vergebens. Stattdessen wiederholt sich außergewöhnlich Gewöhnliches wie "I love my guru", das selbst so etwas wie "Oh oh oh"-Lyrics in den Mund nimmt.

So bitter es klingt: Helmet leisten sich auf ihrer Setlist nicht einen einzigen Ausreißer nach oben, dafür eine von vorne bis hinten konsequent durchgespielte Null-Linie. Nein, früher war nicht alles besser. Helmet allerdings schon. Am Ende bleibt die Gewissheit, dass in diesem Fall eine Vergangenheit mit stilprägendem Einfluss in der Gegenwart leider nicht das Zeug für eine ebensolche Zukunft hat.

(Oliver Windhorst)

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Highlights

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Tracklist

  1. Life or death
  2. I love my guru
  3. Bad news
  4. Red scare
  5. Dead to the world
  6. Green shirt
  7. Expect the world
  8. Die alone
  9. Drunk in the afternoon
  10. Look alive
  11. Life or death (slow)

Gesamtspielzeit: 36:54 min.

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User Beitrag

maria

Postings: 1

Registriert seit 28.12.2016

2016-12-30 07:20:15 Uhr
This album is not bad!
dd
2016-11-05 17:26:03 Uhr
Album ist doch hammergeil...3/10 ist lächerlich.
Nicolas Chains
2016-11-02 18:36:30 Uhr
Das Album ist ja dann doch ganz passabel geworden. Unvergleichlich bessere Produktion als noch auf Seeing Eye Dog. Die Songs gehen nahtlos ineinander über, insgesamt hat das Album einen weitaus besseren Flow als der Vorgänger und funktioniert auch als solches besser. Hamilton versucht aber und zu auch das Singen an sich, ist aber viel zu nasal und sollte er sein lassen.
Beste Tracks: Red Scare, I Love My Guru (furchtbare Lyrics, instrumental geil), beide Life and Deaths, Look Alive. Das Costello-Cover hätte es, vorsichtig formuliert, nicht gebraucht.
Borchöltchen
2016-10-28 14:14:02 Uhr
Ich liebte Betty und Aftertaste, daß hier gefällt mir leider gar nicht. Klingt alles, ich weiß nicht... Langweilig und einfallslos.
Peter Hamilton
2016-10-27 21:42:39 Uhr
Du hast keine Ahnung von guter Musik!
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