Keshavara - Keshavara

Keshavara- Keshavara

Papercup / Buback / Indigo
VÖ: 30.09.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Indisches Kurorchester

Mit der Geburtsstadt Bad Pyrmont im Personalausweis ist die Entscheidung eines Musikers, sich im Erwachsenenalter auf eine Reise zu seinen geografischen und musikalischen Wurzeln zu machen, mindestens eine merkwürdige – es sei denn, launige Kurorchester-Sounds sind auch heute noch das persönliche Gebot der Stunde. Ungleich exotischer und spannender gestaltet sich da doch ein indischer Background. Gesegnet mit einem solchen, schickte der Frontmann der Kölner Combo Timid Tiger, Keshav Purushotham, seine Bandkollegen kurzerhand in den Zwangsurlaub, um seine Krallen mit Hilfe seines Solo-Projekts Keshavara Richtung indischer Geburtsstätte auszustrecken.

Und von dieser bringt Keshavara fette Beute nach Hause: beatverliebte Popmusik mit gut austrainierten Melodie-Muskeln. Purushotham, dessen Vater schon Karriere als indischer Jazz- und World-Music-Percussionist machte, schichtet raffiniert Bass auf Melodie, Synthesizer auf Sprachsamples und Analoges auf Digitales – der daraus entstehende Sound-Turm vibriert aufs Angenehmste, ohne ins Wanken zu geraten. Dafür sitzen die einzelnen Musik-Mosaike einfach zu genau. Nach dem chilligen "Creators of rain" und der Wohlfühl-Electronica von "The man who tried to kill the moon", inklusive ihrer zärtlichen Massage der Mageninnenwände, drängelt sich mit "It's raw!" der erste astreine Hit auf die Tracklist. Während die Strophe mit einem Basslauf aus der Madchester-Ära Körper und Geist binnen weniger Sekunden energisch auf die Tanzfläche schubst, buchstabiert der Refrain seinerseits POP mit Versalien und übergroßen Ausrufezeichen.

Auf dem Trip unter dieser indischen Reiseführung entdecken aufgeschlossene Sound-Touristen an den zwölf Album-Zwischenstopps eine ganze Menge: wie Kolibris schwirrende Soundbits, satt schnalzende Leier-Beats, funky Gitarren und allerhand andere musikalische Bemerkenswertheiten. Doch damit nicht genug: So sieht das geistige Auge bei "Melancholy sunshine" eine in weißes Leinen gekleidete Tanzgruppe bekifft um die Cocktailbar tänzeln. Oder eine psychedelische "Traumwurst" halluziniert sich mit gemütlich plusternden Bässen am Horizont entlang, nur um im Anschluss den Tieffrequenz-Vocals aus der Konserve von "5forty5" High-Five zu geben. Obwohl die Grundstimmung eine äußerst relaxte ist und die Songs geradezu geschmiert ineinander gleiten, wahrt jeder Track seine eigene multikulturelle Persönlichkeit. Die Erfahrung Purushothams als Beat-Züchter für Künstler wie Casper und Cro macht sich hier überdeutlich bemerkbar.

Nach dem Besuch eines Shanti-Shops, dem Inhalieren von ein paar Räucherstäbchen inklusive Guru-Lebensweisheiten in der "Neighborhood" und dem lässig funkelndem Instrumental "Hotel zen garden", glüht mit "Salamander" eine weitere musikalische Sternschnuppe aus der Lautsprecherbox. Ein knuspriger Bass knabbert an einer Synthesizer-Melodie für Millionen. Mit der sich dazugesellenden Stimme Keshavaras hebt das Raumschiff dann endgültig in Galaxien ab, die niemals zuvor ein Mensch betreten hat. Fast stürzt unser Himmelsstürmer im Anschluss mit eher aus Verkaufskanal-Sendungen bekannten Schlager-Beats in den Keller der käsigen Fahrstuhlmusik ab. Doch "Not gonna fall in love today", bekommt dann doch noch rechtzeitig die Kurve. Der Rausschmeißer "Surfing in the sewers" entpuppt sich am Ende mit gezupften Delay-Gitarren und Flötentönen eher als charmanter Raus-Schmeichler. An diese Kulturreise werden wir uns noch lange erinnern – hoffentlich wird es nicht die letzte bleiben.

(Oliver Windhorst)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • It's raw!
  • Melancholy sunshine
  • Salamander

Tracklist

  1. Creators of rain (feat. Gio)
  2. The man who tried to kill the moon
  3. It's raw!
  4. Traumwurst
  5. 5forty5
  6. Melancholy sunshine
  7. Neighborhood
  8. In a place like this
  9. Hotel zen garden
  10. Salamander
  11. Not gonna fall in love today
  12. Surfing in the sewers

Gesamtspielzeit: 42:20 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Postings: 15755

Registriert seit 08.01.2012

2016-10-12 22:11:12 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify