Asian Dub Foundation - Enemy of the enemy

Asian Dub Foundation- Enemy of the enemy

Labels / Virgin / EMI
VÖ: 03.02.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Warriors of the world

Ach, die Asian Dub Foundation gibt's also auch noch. Was nicht weiter schlimm ist, sondern in gewisser Weise sogar beruhigend. Denn so langsam sterben sie aus, die modern rockenden Klassenkämpfer. Allen voran streckten Rage Against The Machine vor ein paar Jahren die Waffen und im Jahre 2003 folgten ihnen nun auch die britischen Industrialrocker von Pitchshifter. Doch nun die Preisfrage: Was hatten die genannten Bands, abgesehen von links-anarchistisch angehauchter Agitation, gemeinsam? Die Antwort: ein Händchen dafür, körperbetonten Rock mehrerlei Couleur mit HipHop, Funk oder Elektro-Beats zu einer recht zündenden Melange zu vermengen. Aber leider gibt's auch eine weitere Gemeinsamkeit: Trotz fortschreitend aktualisierter Inhalte der Predigten drängt sich eine nicht zu verleugnende Stagnation in musikalischer Hinsicht auf.

Und, ohne den Advocatus Diaboli spielen zu wollen, einem ähnlichen Schicksal scheint auch die Asian Dub Foundation nicht zu entrinnen. Denn den Vorkämpfern der Londoner Asian Community droht ihrem vierten regulären Album die Suppe im indisch-londinischen Meltingpot ein wenig fad zu werden. Nicht daß das bislang immer noch unerreichte Verquicken von straightem Crossover-Rock, Drum'n'Bass-Geboller, Reggae und runderneuerten Elementen und Rhythmen asiatischen Ursprungs auch mit ausgewechselten MCs nicht weiterhin funktionieren würde. Nur: Das gab's auch alles schon auf den Vorgängern zu bewundern und beklatschen. Und dort fand man auch schlicht die besseren Songs.

Allerdings gibt es auch auf "Enemy of the enemy" einige Lightblicke. So zum Beispiel der einfach verdammt gut groovende Hitkandidat "La haine" oder das einfühlsame "1000 mirrors", das intoniert von Gastsängerin Sinéad O'Connor das Beinahe-noch-Tabu-Thema häuslicher Gewalt thematisiert. Auch die erste Single "Fortress Europe" ist durchaus genießbar, wenn auch für ADF-Verhältnisse extrem tanztempeltauglich und locker produziert. Die volle Breitseite bleibt jedoch aus.

Das spürbar differenziertere Knöpfchendrehen ist es dann aber, welches das Album doch noch rettet. Wurde auf dem direkten Vorgänger "Community music" fast durchweg auf die Zwölf gegangen, so hinterließ dies mitunter einen recht fahrigen bis stressigen Eindruck. In dieser Hinsicht ist "Enemy of the enemy" durchweg auch am Stück genießbarer. Dies gilt umso mehr, als die im Booklet inklusive Musterinterpretation abgedruckten Weltverbesserungs-Botschaften gegen Ende dankenswerterweise spärlicher werden. Interessant und wichtig sind solche engagierten Klagen natürlich, aber auch auf die Dauer wirklich "too much". So finden sich im Schlußteil des Albums auch gleich zwei recht anheimelnde Instrumentals, bevor mit dem Titeltrack die amerikanische Außenpolitik auf den Punkt gebracht wird: "The enemy of the enemy is a friend / Till he's the enemy again."

(Peter Schiffmann)

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Highlights

  • La haine
  • 1000 mirrors
  • Dhol rinse

Tracklist

  1. Fortress Europe
  2. Rise to the challenge
  3. La haine
  4. 1000 mirrors
  5. 19 rebellions
  6. Blowback
  7. 2 face
  8. Power to the small massive
  9. Dhol rinse
  10. Basta
  11. Cyberabad
  12. Enemy of the enemy

Gesamtspielzeit: 52:41 min.

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