NOFX - First ditch effort

NOFX- First ditch effort

Fat Wreck / Edel
VÖ: 07.10.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Aus dem Nähkästchen

Wer kennt es nicht, wenn sich beim Aufwachen dieses leichte oder mittelschwere Pochen in der oberen Schädeldecke breitmacht. Einen wirklich feinen Abend bezahlt man am nächsten Morgen eben auch mal mit einer neuen Packung Ibuprofen. Fat Mike, seines Zeichens NOFX-Frontmann und Fat-Wreck-Labelchef, sind diese Nachwehen diverser Süchteleien bestens bekannt. Jahrelang führte er gefühlt gleich mehrere Doppelleben. Nicht nur obskure Sexgeschichten und exzessiven Drogen- und Alkoholkonsum verbindet man mit dem Mann, der den durchaus komplexen Spagat zwischen Punker, Chef und Vater einer Tochter auf seine ureigene Art und Weise managte, die selten genug moralisch wie politisch korrekt erschien. Intime wie schockierende Ein- und Rückblicke auf 30 Jahre NOFX, erstaunlich unverblümte Episoden über Drogen, Sex und Freundschaft sollte sich der geneigte Fan in der kürzlichen erschienenen Band-Biografie "The hepatitis bathtub and other stories" unbedingt zu Gemüte führen.

Auch in Interviews blickt Mike, mittlerweile tatsächlich über Monate clean und sogar bei Shows meistens nüchtern, gemeinsam mit den Bandkollegen selbstkritisch auf eine wilde Zeit zurück, die NOFX zur mit einflussreichsten Punkrock-Kapelle werden ließen – auf eine Karriere, die zeigt, was Punkrock einst ausmachte, deren Details man dem Nachwuchs aber tunlichst nicht offenbaren sollte. "First ditch effort", das 13. Studioalbum der Kalifornier, ist stark gezeichnet von diesem Prozess, den man mit Klarschiff- und Reinemachen wohl nur oberflächlich erfasst. Nein, diese Chaoten bereuen jetzt nicht alles, was ihre Marke erschuf und zig Jahre Erfolg brachte, aber allein der wütende Auftakt-Brecher "6 years on dope" zeigt, welch reinigende Kraft sich da in den letzten Jahren bei "Fatty" auftat: "I was a child adult / A walking insult / Every shot got more difficult." Auch "I don't like me anymore" ist Zeugnis neu gewonner Realität, das in seiner Ehrlichkeit beeindruckt: "When I turn on the TV / There's an old punk rocker acting like a jerk / And that jerk looks a lot like me". "First ditch effort", die beste NOFX-Platte seit mindestens 15 Jahren, zeigt wie kürzlich schon die Kollegen Descendents auf "Hypercaffium spazzinate", dass die alten Herren es noch drauf haben.

Und nein, hier dreht sich nicht alles um Nähkästchen und Vergangenheit, NOFX waren und sind bei allem Entertainment-Faktor vor allem eine kontroverse und kritische Band. "I'm a transvest-lite" betont das Recht auf selbstbestimmte Sexualität und äußere Erscheinung, das tolle "Oxy moronic" hingegen hält Pharmaindustrie und Gesundheitswesen und deren von Politikern gefördertem kapitalistischem Streben den Spiegel vor, gerade im sehenswerten Musikvideo. Emotion und Trauer zugleich blicken in "I'm so sorry, Tony" tief, dem unvermeidlichen wie schönen Nachruf zum plötzlichen Tod von Mikes bestem Kumpel und Songschreiber Tony Sly. Das nachdenkliche, mit Streichern, Chören und dunklen Riffs gespickte "Generation Z" blickt ob Wirtschaftskriegen und auflebendem Rassismus dem baldigen Ende der Zivilisation entgegen und lässt die Erben unseres unverantwortlichen Handelns in Persona eines jungen, angepissten Mädchens am Mikrofon persönlich zu Wort kommen: "It's sad I'm gonna see / The end of history / I don't wanna be the Generation Z."

Bei aller Ernsthaftigkeit und dem Anspruch, den diese Platte mitbringt allerdings – und das muss betont werden – agierten NOFX lange nicht mehr so konstant gut und kreativ wie auf "First ditch effort". "Sid and Nancy" ist eine Melodypunk-Hymne vor dem Herrn, "Dead beat mom" bügelt mit Rock'n'Roll in seiner schönsten Form die kleinen Alters-Fältchen aus den Gesichtern, und das schnelle wie hochmelodische "California draught" bringt mit dem Einsatz von El Hefes Trompete sogar ein wenig Melancholie mit, lässt Erinnerungen an bessere Tage wach werden. Auch ohne Schnaps und Heroin wird klar: Der Kopfschmerzen werden es mehr und mehr, denn die Welt wird schlechter und schlechter. Das Gute daran: NOFX scheinen mit ihr noch lange nicht fertig.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Sid & Nancy
  • California draught
  • Oxy moronic
  • Generation Z

Tracklist

  1. 6 years on dope
  2. Happy Father's day
  3. Sid and Nancy
  4. California drought
  5. Oxy moronic
  6. I don't like me anymore
  7. I'm a transvest-lite
  8. Ditch effort
  9. Dead beat mom
  10. Bye bye biopsy girl
  11. It ain't lonely at the bottom
  12. I'm so sorry, Tony
  13. Generation Z

Gesamtspielzeit: 33:11 min.

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User Beitrag

Nate

Postings: 26

Registriert seit 09.10.2016

2016-10-09 12:25:42 Uhr
7/10
Cooles Album, Six Years on Dope ist der Hammer

Armin

Postings: 14508

Registriert seit 08.01.2012

2016-10-06 19:28:39 Uhr
NOFX - "First Ditch Effort" - Album-VÖ Morgen

Album-Stream: https://vimeo.com/album/4178402

NOFX werden morgen endlich ihr neues Album „First Ditch Effort“ auf Fat Wreck (Edel) veröffentlichen, das es bereits hier zu hören gibt: https://vimeo.com/album/4178402

Zur Einstimmung gibt es zudem das unterhaltsame Video „Oxy Moronic“ unter https://www.youtube.com/watch?v=ohguwyFECHI zu sehen.

Das Video entstand in Zusammenarbeit mit der Comedy-Plattform „Funny Or Die“ und verspottet die Pharmaindustrie.

Fat Mike dazu:
"Ich dachte, es wäre eh sinnlos, aber ich habe unseren neuen Song 'Oxy Moronic' einfach mal zu meinem Freund bei Funny Or Die geschickt. Er spielte ihn einigen Leuten vor und überraschend fragten sie uns, ob sie ein Video dazu drehen dürfen! Wie cool ist das?!?!?! Daraufhin holten sie ein paar Freunde aus der Comedy-Szene die im Video zu sehen sind, sogar dieser Typ von 'Sons Of Anarchy' ist dabei!"

Alex
2016-10-06 18:17:56 Uhr
Tatsächlich die beste seit mindestens Wolves..., eventuell gar seit PUTV. Wenn die Band jetzt nur noch Riffs wie Anfang der 90er (diese herrlichen Synkopen-Stops wie bei der Longest Line-EP z.B.) schreiben würde, wäre ich endgültig verzückt. So immerhin freudig angetan.
Hipster aus Bochum
2016-10-06 14:11:47 Uhr
Ich hatte seit "Pump up the valium" alles ignoriert. In irgendeinem Zine las ich dann Fat Mike posaunen, dass er in seinem Alter den derzeitigen (starken, nicht etwa gelegentlichen) Drogenkonsum ohne Probleme im Griff hätte. Da hat mich gewundert, dass von denen überhaupt noch was erschien und sie tourten.
Und erst kürzlich wieder reingehört. Dass sie so stetig veröffentlicht haben, hat mich überrascht. Aber anhörbar fand ich bezeichnenderweise nur das "neue" Livealbum.

eric

Postings: 2016

Registriert seit 14.06.2013

2016-10-06 11:44:47 Uhr
Würde auch immer mehr zu einer 8/10 tendieren.

Jetzt ist der Knurrer (Obrac) alarmiert. Das wird die nächste 3/10.
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