Jimi Tenor - Higher planes

Jimi Tenor- Higher planes

Kitty-Yo / Zomba
VÖ: 27.01.2003

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Uneasy listening

Lang ist es her, daß dieser Herr mit "Take me baby" die Love Parade zum Ausrasten motivierte. Die Zeiten, daß Jimi Tenor beim Kultlabel Warp seine verrückten Beats veröffentlichte, gehören ebenfalls der Vergangenheit an. Seine beiden letzten Alben, "Out of nowhere" und "Utopian dream", konnte man denn auch bestenfalls als Experimente bezeichnen. Und gleich für gescheitert erklären, denn die krude Mischung aus Jazz, Elektronik und Psychedelia war meist weder tanz- noch hörbar. Der Finne, der eben noch als Hoffnungsträger der anspruchsvollen Tanzmusik galt, hatte sich selbst ins Aus manövriert.

Und nun dies: Mit "Higher planes" meldet sich Tenor über das eigentlich über jeden Zweifel erhabene Berliner Label Kitty-Yo zurück. In der Heimat von Sonderlingen wie Gonzales, Tarwater oder Raz Ohara fühlt sich der Nordeuropäer allem Vernehmen nach recht wohl. Es mag an diesem Tapetenwechsel liegen, daß Tenors jüngster Streich deutlich mehr Konturen und Struktur zeigt als die wirren Vorgänger. Der selbsternannte Frank Zappa des Dance macht jetzt in Jazz und Soul. Die Elektronik wurde weitgehend zurück in den Rechner geschubst, statt dessen wird jetzt mit dem Taktstock herumfuchtelt. Big Band statt Big Beats.

Und so erwartet den geneigten Zuhörer eine reichlich bizarre Reise in vergangen geglaubte Zeiten. Von störrischen Bläsern und zickigen Grooves begleitet stürzt sich Tenor nämlich in seine nicht immer ganz nachvollziehbare Vorstellung von Easy Listening. Da läßt er auch schon mal die Orgel psychedelisch wimmern, das Saxophon lüstern jaulen oder einen verhuschten Chor jubilieren. Gelegentlich gibt er gar den sensiblen Zuhälter, doch das dafür nötige gewisse Quentchen Dreck unterm Fingernagel, das in "Trumpcard" und "Tapiola" durchaus aufhorchen läßt, geht den "Higher planes" zu oft ab. Auch wenn Austin Powers den Tenorschen Spaß am jazzigen Funk vermutlich mit einem begeisterten "Groovy, Baby!" quittieren würde, wissen die mundgeblasenen Zappeleien nur selten zu begeistern. Dieses Flugzeug hebt ohne uns ab.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Trumpcard
  • Tapiola

Tracklist

  1. Cosmic dive
  2. Higher planes
  3. Trumpcard
  4. Good day
  5. Black hole
  6. Dirty Jimi
  7. Tapiola
  8. Spending time
  9. Let the music
  10. Expatriot
  11. Nuclear fusion
  12. Stargazing

Gesamtspielzeit: 52:42 min.

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