Show Me The Body - Body war

Show Me The Body- Body war

Caroline / Universal
VÖ: 30.09.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sie haben Polizei

Die Körperfresser kommen. Ihre Waffen: Maschinengewehr-Rap, grob verzerrtes, bassiges Dauerfeuer, vernichtende Punkrock-Power aus dem Knöchel-Verzeichnis für komplizierte Trümmerbrüche und – eine Dobro. Kein Grund zur Beruhigung allerdings: Wenn Julian Cashwan Pratt, Frontmann von Show Me The Body, das ursprünglich für versonnenes Folk-Plöng vorgesehene Instrument zückt, ist es zumeist lediglich ein weiteres Splitterbömbchen im Lärm-Arsenal der New Yorker. Ihre EPs "Yellow kidney" und "SMTB" hatten bereits mit aufgeworfenen Industriebrachen vorgeheizt, die man mitunter als Songs missverstehen konnte – der erste Longplayer lässt nun endgültig keinen Stein mehr auf dem anderen. Und bezeichnete Gary Mounfield das schon hinreichend rabiate Primal-Scream-Album "XTRMNTR" einst als "Kriegserklärung, zu der man tanzen kann", knallt es hier erst recht an allen Ecken und Enden. Wobei auf Konzerten von Show Me The Body eher blutige Nasen als qualmende Socken an der Tagesordnung sind.

Und auch auf seinem Debüt setzt das Trio auf unmissverständliche Körperlichkeit – in zehn Songs, die wüst mit Versatzstücken von HipHop, Hardcore und Noise-Rock um sich schießen und trotz allen Krachs tatsächlich die eine oder andere Folk-Exkursion unternehmen. Auch wenn diese beinahe inmitten der übrigen Monstrositäten untergehen, die Show Me The Body in gerade einmal einer halben Stunde auffahren. Unter dem fantastisch zerhackten Kreischsägen-Groove des Openers etwa, wo Harlan Steeds Bass bösartig die Eingeweide zerwühlt, während Pratt ständig zwischen skelettierten Distorto-Riffs und entfesseltem Geschrei hin- und herwütet. "Tight SWAT" quetscht anschließend die monotone Brachialität früher Swans und die ridigen Tieftöner von These New Puritans' "Elvis" in gut dreieinhalb Minuten feuerspuckendes Gitarren-Geschredder, das die schnelle Eingreiftruppe aus dem Titel niederwalzt wie eine Dampflokomotive ein halbes Hähnchen. Hallo Polizei? Aber die hört schon lange nichts mehr.

Überhaupt sind die vermeintlichen Ordnungshüter auf "Body war" des Öfteren in der Verlosung. Besonders bei der Single "Chrome exposed", die nicht nur im Video willkürliche Gewaltanwendung geißelt, auf glühenden Griffbrettern Schlitten fährt und Sonic Youths No-Wave-Phase mit teufelnden Punchlines koppelt – im Geiste lässt hier auch das Rap-Duo Ratking grüßen, mit dem zusammen Show Me The Body zwecks Organisation unabhängiger Happenings das Kollektiv Letter Racer betreiben. Und plötzlich werden die drei doch ganz kleinlaut, wenn im gedrückt-hypnotischen "Metallic taste" die Dobro einen schüchternen Loop zupft und und Pratt sich auch stimmlich merklich zurückhält. Doch die Verschnaufpause hält nicht lange vor, denn "Worth one" oder "Two blood pacts" klatschen danach noch einmal alles so lange an die Wand, bis der Hörer "Aspirin" benötigt – und trotzdem unsanft zu bassigem Grollen aus diesem großartig kompromisslosen Album befördert wird. Sagte da jemand was von Körperverletzung? Ruf doch die Bullen!

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Body war
  • Tight SWAT
  • Chrome exposed
  • Metallic taste

Tracklist

  1. Body war
  2. Tight SWAT
  3. Death sounds 2
  4. Chrome exposed
  5. Honesty hour
  6. Metallic taste
  7. Worth one
  8. New language
  9. Two blood pacts
  10. Aspirin

Gesamtspielzeit: 30:31 min.

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User Beitrag

Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-09-28 21:04:19 Uhr
Frisch rezensiert.

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